Wie aus Kokosfett und Ätznatron Seife gemacht wird

Foto: Uwe Möller
An der VHS gibt’s Anleitung, wie zu Hause selbst Seife gesiedet werden kann. Denn der Prozess ist nicht kompliziert, kann aber gefährlich werden.

Velbert.  Der Unterrichtsraum der Volkshochschule gleicht einem Chemielabor. Kursleiterin Christiane Koch-Eichenberg zuppelt ihre blauen Gummihandschuhe zurecht und setzt die Schutzbrille auf. Langsam lässt sie gemeinsam mit einer Kursteilnehmerin das Natriumhydroxid – im Volksmund auch Ätznatron genannt – ins Wasser. Sofort steigen Dämpfe in die Luft und kitzeln die Lungen wie Pfeffer. Das, was nach einem chemischen Experiment aussieht, bildet die Basis für Naturseife.

+++ Seife selber machen? Hier gibt's eine einfache Anleitung +++

Bevor sich die Kursteilnehmer allerdings unter der Dusche damit schrubben können, braucht es Geduld. „Es muss die Konsistenz von Vanille-Pudding haben. Nur dann ist der Prozess soweit angestoßen, dass aus Lauge Seife wird“, erklärt Christiane Koch-Eichenberg. Die richtige Farbe hat das Gemisch im Topf dank Sahne und Honig zwar schon, allerdings ist es noch etwas flüssig.

Prozess kann gefährlich sein

Langes Rühren sorgt für die gewünschte Konsistenz – und lässt die Flüssigkeit abkühlen. Eine Herdplatte ist aber weit und breit nicht zu sehen, wie also hat Koch-Eichenberg die Masse erhitzt? „Die Lauge erwärmt sich von selbst. Chemische Prozesse setzen Hitze frei“, erläutert die Kursleiterin. Außerdem entstehen Dämpfe, die jeden Teilnehmer in der Nähe ständig husten lassen. Seife selber zu machen ist zwar nicht kompliziert – aber gefährlich, wenn man die ätzende Flüssigkeit auf die Haut bekommt oder das richtige Mischverhältnis nicht einhält.

Ist der schwierige Teil geschafft, können die Teilnehmer ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Zur Lauge mischen sie hochwertige Pflanzenfette. Kokosfett, Palmöl, Sahne oder Sheabutter sorgen für das gewisse Etwas in der Naturseife. „Sie ist überfettet und pflegt dadurch die Haut. Wir stellen hier Seife her, die pflegende Inhaltsstoffe hat, aber nicht mit Emulgatoren oder Konservierungsstoffen versehen ist“, sagt Koch-Eichenberg.

Würden die Teilnehmer die Lauge nur mit den Fetten vermischen, hätten sie ein geruchsneutrales und farbloses Stück Saubermacher neben der Wanne liegen. Im Kurs bekommt die Seife mit kleinen Tricks und Kniffen die nötige Prise Pepp. Kurkuma etwa färbt orange-gelb, Weizenkleie sorgt für einen peelenden Effekt, der tote Haut beim Einschäumen entfernt.

Bis die gespannten Kursteilnehmer ihre Seife zu Hause testen können, müssen sie sich noch einige Zeit gedulden. „Der Reifeprozess dauert etwa vier bis sechs Wochen. Vorher wäre die Seife einfach zu schroff“, weiß Koch-Eichenberg.

Bereits die Römer wussten die pflegenden Eigenschaften von Seife zu schätzen. Von dort aus verbreitete sich das schäumende Mittel in die ganze Welt. „Wir wollen die alten Fähigkeiten und Traditionen erhalten“, erklärt die stellvertretende VHS-Leiterin Heike Beldig, „hier können die Menschen Kenntnisse erwerben, die an die eigene Familie weitergegeben werden können.“ Beldig sieht traditionsreiche Kurse wie Filzen oder Seife sieden als Langzeitprojekte und nicht als Eintagsfliegen.

Hinter den Türen in der Nedderstraße wird mit vielen Handwerkskursen ein Stück Geschichte zum Leben erweckt – und manchmal duftet es auch so gut, wie frisch gemachte Seife.

 
 

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