Vorlesespaß auf der Langstrecke

Foto: WAZ FotoPool
Vier Stunden währte der 1. Lesemarathon im AlldieKunst-Haus. Für das Publikum war das eine spannende Begegnung mit Autoren aus der Region.

Langenberg..  Vier Stunden, zehn Autoren – da hatten die etwa 25 Zuhörer selbst eine Menge zu leisten beim 1. Lesemarathon im AlldieKunst-Haus an der Wiemerstrasse. Freilich hatten die Initiatoren Elke Brandes-Peter und ihr Mann Uwe Peter, der immer wieder mit Hintergrundinformationen die Vita und Themenschwerpunkte der Autoren erhellte, es den Gästen kulinarisch gemütlich gemacht: hausgemachte deftige und süße Kuchen waren im Eintrittsgeld inbegriffen. Die beiden engagierten Helfer des Kunsthauses hatten die Idee zu dieser Veranstaltung aus Hattingen mitgebracht, wo Ela Mickfeld in ihrer Boutique nicht nur Maßgeschneidertes, sondern immer wieder auch Literarisches unters Volk bringt. Ein Kontakt mit dem ebenfalls dort ansässigen Verlag Paashaas tat ein Übriges – so konnte das Event in Langenberg realisiert werden.

Vorwiegend Mordsgeschichten bekam man zu hören. Vergnüglich gleich zu Anfang die Geschichte von Petra Gockeln, in der einer professionelle Mörderin und Frauenrechtlerin vom Schicksal selbst die Arbeit abgenommen wird, indem der, ob seines üblen Chauvinismus zum Opfer Erwählte sich gleich selbst um die Ecke bringt.

Gut geschriebene Sozialstudie

Aber auch Nachdenkliches war zu hören. Etwa die Geschichte von Sarah Wedler, der jungen, eigentlich gemeinsam der diesmal verhinderten Nadine d’Arachart Krimis verfassenden Co-Autorin. In „Buslinie 14 letzte Reihe, ich“ so der Titel der Erzählung, begegnete sie den verschiedensten, vermeintlich noch verzweifelteren Menschen, denen sie auf voyeuristische Art Namen und Geschichten andichtet, die letztlich der Wirklichkeit nicht standhalten. Eine berührende, gut geschriebene Sozialstudie.

Der Gladbecker Harry Michael Liedtke hingegen wartete mit einer witzig-abstrusen Geschichte auf, in der ein hoffnungslos unbegabter Spinnenforscher seine Putzfrau erwürgt, nachdem sie die von seiner Vogelspinne mittels ihrer Fäden auf die Schrankwand gesponnene ruhmträchtige Erfolgs-Formel mit einem Wischmopp entsorgt hatte.

Michael Tillmann setzte mit einer erzählerischen Variante des von ihm erfundenen Genres: „Heavy Metal Fantasies“ noch einen drauf. Hier konnte man sich erzählen lassen, warum ein gelernter Friseur zum Zombie-Jäger wurde und warum er als solcher nun keine Überstunden mehr machen will.

Raffiniert konstruierte Geschichte

Aus Reken im Münsterland angereist, präsentierte Heike Vullniede eine psychologisch raffiniert konstruierte Geschichte: „Notizen einer Verlorenen“, in der es, nein, nicht um Morde, sondern um wohlgeplante Selbstmordaktionen geht.

Annelies Momm aus Langenberg, Fan regionaler Krimiautoren, ist jedenfalls vom Lesemarathon im AlldieKunst-Haus begeistert. Ihr Fazit: „Wirklich sehr interessant, vor allem eben auch mal unbekannte Autoren zu hören.“ Eines der präsentierten Bücher hatte sie sich da bereits gekauft.

EURE FAVORITEN