Volker Münchow hat’s gepackt

Matthias Spruck, Klaus Kahle, Ulrich Braun
Wahlverlierer Marc Ratajczak beim Empfang in der CDU-Geschäftsstelle am Sonntagabend. Bild: Detlev Kreimeier WAZ FotoPool
Wahlverlierer Marc Ratajczak beim Empfang in der CDU-Geschäftsstelle am Sonntagabend. Bild: Detlev Kreimeier WAZ FotoPool
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Mit mehr als 15 Prozent Vorsprung zieht der Langenberger Sozialdemokrat an Marc Ratajczak vorbei in den Landtag.

Velbert. Nach sieben Jahren gibt es einen Wechsel in der Vertretung Velberts im Düsseldorfer Landtag: Mit deutlichem Vorsprung von rund 15 Prozent hat SPD-Kandidat Volker Münchow den CDU-Landtagsabgeordneten Marc Ratajczak deutlich geschlagen. Eine erste Prognose nach Schließung der Wahllokale hatte bereits eine klare Mehrheit von SPD und Grünen im NRW-Parlament angedeutet, um 18.22 Uhr wurde mit dem ersten ausgezählten Wahlbezirk die Marschrichtung für Velbert im Wahlbezirk 39/Mettmann IV bei den Erststimmen vorgegeben – Münchow 45%, Ratajczak 34%, Lessing (Grüne) 6%, Knippen (Piraten) 9%. Der Unionsmann hatte lediglich in Mettmann-Obschwarzbach und in einigen Velberter Briefwahlbezirken die Nase vorn, dagegen vermochte Münchow in Velbert und Wülfrath die Stimmen noch deutlich über Landesdurchschnitt auf sich zu vereinigen.

„Eine so klare Entscheidung hatte ich nicht erwartet“, kommentierte der Sieger zunächst betont sachlich, um dann seine Gefühlslage rauszulassen: „Ich fühl’ mich total gut, und ich bin total glücklich und froh.“ Auf ähnlich euphorischem Stimmungspegel lebte auch Gerno Böll-Schlereth: „Wir haben schon lange keine Wahlen mehr gewonnen“, sagte der SPD-Ortsvereinsvorsitzende und Münchows Wahlkampfleiter. Er hofft jetzt auf eine Aufbruchstimmung. Man habe unheimlich vom Landestrend profitiert, „aber genauso auch von der Qualität unseres Kandidaten“. Das Ergebnis sei erneuter Beweis dafür, dass die SPD Velbert mehrheitsfähig sei, meint Böll-Schlereth – auch mit Blick auf die nächste Bürgermeisterwahl.

Als ein Ehepaar am Ernst-Reuter-Haus vorbeikommt, meint er zu seiner Frau „Komm, lass uns mal gucken. . .“ Nachdem im großen Saal der erste große Jubel nach Bekanntgabe der Landes-Prognosen für die SPD verhallt war, begann für die Genossen gespanntes Warten. Schafft es Volker Münchow? Als erste Ergebnisse aus den Städten eintreffen, wird es langsam zur Gewissheit: Es hat gereicht. „Ein schöner Tag“, freut sich SPD-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Werner. Münchow habe „einen hervorragenden Einsatz gezeigt“, aber letztlich sei es auch „der Trend“ gewesen. Etwas traurig erscheint Werner dennoch: „Ich muss mir jetzt einen neuen Fraktionsgeschäftsführer suchen. . .“

Ganz anders das Stimmungsbild bei der CDU: tiefe Niedergeschlagenheit. „Bei den Zahlen kein Wunder“, kommentiert Stadtverbandsvorsitzender Torsten Cleve. „Es war halt eine Trendwahl.“ Er habe den miserablen Trend leider nicht ganz wettmachen können, bilanzierte Ratajczak, dessen „Enttäuschung natürlich riesengroß“ ist: „Ich hatte unglaubliche Unterstützung, wir haben alles gegeben, und die Stimmung war viel besser als vor zwei Jahren.“ Richtig „sauer drauf“ ist der Mettmanner über die Art, „wie Norbert Röttgen Wahlkampf gemacht hat: Das war von vorne bis hinten Murks!“ Die Nevigeser Unionsvorsitzende Marlies Ammann kann es kaum fassen: „Traurig, traurig“ schüttelt sie fassungslos den Kopf. Ihren Direktkandidaten treffe keine Schuld an der schweren Niederlage. Da sind sich die Christdemokraten im Urteil einig. Stv. Bürgermeister Bernd Tondorf hat „mit Verlusten für die CDU gerechnet“. Aber nicht in dieser Höhe.

Zur Abwicklung des Urnengangs bot die Verwaltung insgesamt 620 Helfer auf, davon 60 % städtische Mitarbeiter. Die Stadt beziffert die Kosten dieser Landtagswahl mit rund 60 000 Euro. Hierbei sind Personalkosten wie z. B. die des Projektteams nicht enthalten. Das Land erstattet ca. 80 % der Kosten.