Versicherung kündigt zwei Velberter Hebammen

Mütter, Väter und Hebammen protestierten Mitte Juni in Moers wegen der gestiegenen Versicherungsbeiträge für Hebammen.
Mütter, Väter und Hebammen protestierten Mitte Juni in Moers wegen der gestiegenen Versicherungsbeiträge für Hebammen.
Foto: Jakob Studnar
Die beiden Velberter Beleghebammen Heike und Charlotte Kleinschulte befürchten, dass sie ab Mitte kommenden Jahres von Arbeitslosigkeit bedroht sind, weil ihnen die Versicherungen den Schutz gekündigt haben

Velbert..  6.300 Euro pro Jahr. Soviel kostet die Versicherung, die die Velberter Beleghebamme Charlotte Kleinschulte abgeschlossen hat. Günstiger geht es nicht, weil es nur noch eine Haftpflichtversicherung gibt, die Hebammen überhaupt versichert. Die 23 Jährige ist erst seit einem Jahr Hebamme. Ihr Mutter, Heike Kleinschulte ist schon seit 1980 Geburtshelferin, seit 2000 freiberufliche Beleghebamme.

Um die Kosten zu decken, m“üsste eine Beleghebamme 200 Geburten leisten“, das ist nicht machbar. „Eine Hebamme im Krankenhaus bringt etwa 100 Kinder im Jahr zur Welt“, erklärt Charlotte Kleinschulte. „Und da muss keine Vor- oder Nachsorge geleistet werden.“ 6 bis 7 Frauen können Mutter und Tochter etwa gleichzeitig betreuen, die Nachfrage ist groß. „Die meisten melden sich direkt zu Beginn ihrer Schwangerschaft bei uns“, denn die beiden sind die einzigen Beleghebammen, die es noch in Velbert gibt.

Zufriedener bei Beleggeburt

Wer erst wenige Monate vor der Geburt nach der Beleghebamme fragt, hat somit schlechte Chancen. Im Gegensatz zu den Klinikhebammen begleiten die Beleghebammen die Schwangere von Anfang an, sind bei der Geburt dabei und übernehmen auch die Nachsorge. Dass die Hebammen die Geburt übernehmen, ist der Grund, weshalb die Versicherung so teuer ist. Das Risiko, dass während der Geburt etwas passiert, ist laut Versicherung hoch- das sehen die Hebammen anders.

„Die Statistiken besagen sogar, dass Beleggeburten für die jungen Familien zufriedenere Ausgänge haben, so Charlotte Kleinschulte. „Das ist auch eine psychische Sache“, ergänzt Heike Kleinschulte. „Ich habe die Frau während ihrer Schwangerschaft kennen gelernt, weiß um ihre Probleme und Ängste und kenne natürlich auch den Gesundheitszustand.“ Dennoch, Geburten zu Hause machen beide Hebammen nicht-„da ist uns dann das Risiko zu groß.“

Sie bevorzugen eine Geburt im Klinikum. „Wir können hier die Tür zu machen und sind ganz unter uns., so dass der intime Rahmen gewahrt ist.

Teure Versicherung

Allen Hebammen wurden die Verträge zu Mitte kommenden Jahres gekündigt. Nachdem es dieses Jahr noch einmal eine Verlängerung gab, soll Mitte 2015 Schluss sein. Für die Hebammen würde das Arbeitslosigkeit bedeuten. „Denn wenn wir keine Versicherung vorweisen können, wird unsere Leistung auch nicht von der Krankenkasse bezahlt.“ . Beide hoffen, dass dieser Fall nicht eintreten wird. Sie wären sogar bereit, noch höhere Beiträge als ohnehin schon durch die 20-prozentige Steigerung zu bezahlen, um ihren Beruf weiter ausüben zu können. Heike Kleinschulte: „Es ist einfach für die Frauen ein schönes Gefühl, wenn sie eine Vertrauensperson während der gesamten Zeit haben.“ Für den Bereitschaftsdienst einer Beleghebamme werden 500 Euro berechnet. Die meisten Krankenkassen beteiligen sich mit 250 Euro. In NRW gibt es noch Möglichkeiten, Kinder in Krankenhäusern auf die Welt zu bringen. In kleineren Orten wird fast nur mit Beleghebammen zusammengearbeitet. Von 650.000 Geburten jährlich sind 150.000 Beleggeburten.

 
 

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