Velberter Unternehmer wegen Steuerhinterziehung angeklagt

Der Angeklagte (76) mit seinem Anwalt Mike Kessels bei Beginn der Verhandlung im Landgericht Wuppertal.
Der Angeklagte (76) mit seinem Anwalt Mike Kessels bei Beginn der Verhandlung im Landgericht Wuppertal.
Foto: Dirk Lotze
Angeklagter soll Geschäfte mit frei erfundenen Scheinfirmen gemacht und einen Umsatzsteuerschaden von mehr als drei Millionen Euro verursacht haben.

Wuppertal.  Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Steuerhinterziehung mit falschen Rechnungen vor, Geschäfte über mindestens zehn Jahre mit frei erfundenen Scheinfirmen und einen Umsatzsteuerschaden von mehr als drei Millionen Euro. Jetzt muss ein 76-jähriger Immobilienbesitzer und früherer Metallhändler aus Velbert mit Bewährungs- oder Gefängnisstrafe rechnen, wenn sich auch nur ein Teil der Vorwürfe erhärtet: Er steht seit Mittwoch als Angeklagter vor einer Wirtschaftsstrafkammer des Wuppertaler Landgerichts.

Laut Anklage hat der Geschäftsmann spätestens ab 2003 unter anderem überhöhte Rechnungen über Lieferungen und Bürodienstleistungen verwendet, um zu Unrecht gegenüber dem Finanzamt Vorsteuer abzuziehen, die er nicht bezahlt hatte. Dazu kämen Geschäfte mit Firmen, die überhaupt nicht existiert haben sollen. Achtmal habe er die Steuer um bis zu 600 000 Euro falsch abgerechnet. Jede einzelne dieser Steuererklärungen wäre ein Verbrechen.

Der Angeklagte ließ über seinen Anwalt Mike Kessels erklären, er schweige zu den Vorwürfen. Bereits vor der Verhandlung hatte der 76-Jährige angeführt, er sei zu krank für den Prozess. Der Gerichtspsychiater Dr. Michael Willmann attestierte daraufhin: Der Geschäftsmann sei in der Tat körperlich ernsthaft erkrankt, sei vor zwei Jahren Opfer eines Überfalls geworden und habe wohl Existenzangst – unter anderem wegen angeblich vorübergehend erhobener Rückzahlungsforderungen über 24 Millionen Euro. Aus medizinischer Sicht sei der Angeklagte aber sehr wohl verhandlungsfähig – zumindest dann, wenn Pausen gemacht würden.

Zu seinen persönlichen Verhältnissen befragt erklärte der 76-Jährige: Finanziell gehe es ihm schlecht; er habe kein Geld mehr. Laut einer Vermögensaufstellung, die bei einer Durchsuchung gefunden wurde, könnten ihm allerdings Fonds für Flugzeugleasinggeschäfte und andere Anlagen über mehr als sieben Millionen Euro gehören.

Grundstücke angeblich wenig wert

Ein Grundstück am Wuppertaler Dönberg sei vorhanden, ein Mehrfamilienhaus in der Velberter Stadtmitte. Der Vorsitzende Richter Holger Jung: „Die Banken pflegen nicht zu scherzen, wenn sie solche Aufstellungen anfertigen.“

„Das ist alles gesperrt“, erklärte der Angeklagte. Die Grundstücke seien weniger wert als man annehme. Seit 2014 befinde er sich in Privatinsolvenz. Als erste Zeugin sagte eine frühere kaufmännische Mitarbeiterin eines Velberter Metall-Recycling-Unternehmens zu möglichen Bürodienstleistungen für den Angeklagten aus. Der 76-Jährige soll in der fremden Firma ein Telefon installiert haben, an dem eine Sekretärin gelegentlich Anrufe annahm und Rückrufe versprach. Ein- bis zweimal pro Tag sei es dazu gekommen. Ob dafür ein womöglich überteuerter Preis abgerechnet wurde, wird das Gericht überprüfen. Der Prozess wird fortgesetzt.

 
 

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