Velberter Unternehmer sorgen sich wegen Mindestlohn

Wenn er draufzahlen muss, wird Werner Kamann aus Velbert seinen Taxibetrieb dicht machen.
Wenn er draufzahlen muss, wird Werner Kamann aus Velbert seinen Taxibetrieb dicht machen.
Foto: WAZ FotoPool
Seit dem 1. Januar gilt in Deutschland der Mindestlohn von 8,50 Euro. Taxiunternehmer Werner Kamann aus Velbert etwa denkt über Betriebsaufgabe nach. Andere Branchen versuchen, Lohnerhöhungen durch höhere Preise aufzufangen

Velbert..  Die Mitarbeiter vom Velberter Taxiunternehmer Werner Kamann jubeln. Der Grund: endlich mehr Lohn. Der Unternehmer, der seit 19 Jahren gemeinsam mit seiner Frau im Geschäft ist, ist jedoch nicht guter Laune. „Keine Frage, ein guter Mitarbeiter soll auch gutes Geld verdienen. Aber die Tariferhöhung auf 8,50 Euro in der Stunde, das kann auf Dauer keiner auffangen.“ Da denkt er nicht nur an sein eigenes Taxiunternehmen, sondern auch an Gastronomiebetreiber und Inhaber von Frisörläden. „Bei uns hängt ein großes Fragezeichen über dem Kopf, ob wir uns noch lange halten können und wie es mit dem Gewerbe weitergeht.“ Die Einnahmen entsprächen bei weitem nicht den Erlösen. „Und wenn man dauerhaft draufzahlt, dann macht man eben zu.“ Nach langen und harten Diskussionen steht fest: „Sollten wir merken, dass es nicht mehr geht, machen wir das Licht aus.“

Höhere Preise für den Kunden

Einfach nur noch lukrative Tageszeiten abzufangen, ist keine Lösung. „Wir haben eine Bereitstellungspflicht. Tagsüber geht das, es gibt da beispielsweise viele Krankenfahrten. Aber nachts hat man manchmal einige Stunden Leerlauf.“

Zwar sei der neue Taxitarif auch schon beschlossen, „aber das dauert noch mindestens drei Wochen, bis das umgesetzt ist.“ Auf das Taxameter muss nämlich von den Werkstätten ein neues Programm aufgespielt werden und danach wird das Gerät vor Inbetriebnahme auch noch geeicht. „Da entstehen erst einmal nur Kosten“, so der Unternehmer.

Das Trinkgeld dürfen seine Mitarbeiter aber nach wie vor behalten. „Wenn man sich in der Dienstleistungsbranche gut verhält, dann kann man vom Trinkgeld auch ganz gut leben.“ Sein Fazit: „Die Branche wird beben und fackeln – gerade bei den Gaststätten und Taxibetreibern.“ Jörg Marwinske ist Inhaber von Art4hair. Er ist von der Umsetzung des Mindestlohns nicht betroffen, denn: „Bei uns gab es schon neue Tarifabschlüsse durch die Tarifparteien, die ihre Vorschläge an den Staat weitergeleitet haben.“ Doch damit sei das Projekt Lohnerhöhung nicht abgeschlossen. „Das geht etappenweise über Jahre.“ Die Konsequenz: Der Kunde muss immer mehr für seinen Haarschnitt bezahlen. Teilweise haben zwischen den vergangenen Preiserhöhungen weniger als ein Jahr gelegen. Marwinkse appelliert da an das Verständnis des Kunden: „Man muss sich bewusst machen, dass da, wo menschliche Arbeitskraft ist, es eben teurer wird.“ An der Qualität oder aber auch am Personal kann und will Jörg Marwinske nicht sparen. Teuer als unbedingt notwendig wird ein Haarschnitt aber auch wegen der Mehrwertsteuer „Die Holländer sind da fortschrittlicher und besteuern den Haarschnitt statt wie bei uns mit 19 Prozent mit nur sieben Prozent.“

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