Velberter „Glüxxbox“ ist Mittel zur Spielsucht-Prävention

Suchthelferin Sandra Heinsch freut sich auf den Einsatz der Glüxxbox, mit deren Hilfe sie Jugendliche über Spielsucht informiert.
Suchthelferin Sandra Heinsch freut sich auf den Einsatz der Glüxxbox, mit deren Hilfe sie Jugendliche über Spielsucht informiert.
Foto: FUNKE Foto Services
Bei der Suchtprävention können Suchthelfer der Bergischen Diakonie und Lehrer künftig auf einen Koffer zugreifen, der Material zum Thema Spielsucht enthält.

Velbert..  Sportwetten sind für Jugendliche besonders interessant, ebenso wie Spielautomaten, die bei kleinem Einsatz schnelles Geld versprechen. Doch auch das Internet bietet zahllose Möglichkeiten zum Glücksspiel. Weil der Zugang im Internet so leicht ist und Altersbeschränkungen nahezu mühelos umgangen werden können, doch auch wegen des stetig steigenden Stresses in Schule und Ausbildung, scheint Glücksspiel für Jugendliche zunehmend ein beliebtes Mittel zu sein, dem Alltag zu entfliehen.

Abschreckung genügt nicht

So ergab eine mit 6000 Jugendlichen aus NRW durchgeführte Studie, dass immerhin 69 Prozent der Zwölf- bis 19-Jährigen bereits Kontakt mit Glücksspiel hatten, 44 Prozent allein während der letzten zwölf Monate. „1,7 Prozent der Jugendlichen zeigten zudem ein problematisches Suchtverhalten“, so Sandra Heinsch von der Bergischen Diakonie in Velbert. Und weil es nicht genüge, den Zeigefinger zu heben, um Jugendliche von den zahllosen Spielangeboten in Internet und Fußgängerzone abzuhalten, setze sie, gemeinsam mit dem Arbeitskreis Schule und Suchtprävention, auf neue Methoden zur Prävention: Ab sofort ist die Glüxxbox im Einsatz – ein Koffer, bunt gefüllt mit unterschiedlichsten Hilfsmitteln, mit dessen Hilfe Lehrer und Suchtprofilaxefachkräfte der Diakonie, Schülern ab der achten Klasse das Thema Spielsucht anschaulich machen können: Neben einem zehnminütigen Film bietet ein sogenannter Glüxxbeutel echtes „Spielzeug“: Lottoscheine Würfelbecher und auch ein Handy – als Möglichkeit für Sportwetten und Online-Poker – regen die Heranwachsenden an, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. „Die Schüler sollen erstmal kennenlernen, was es gibt“, erklärt Heinsch, „und dann überlegen, wo sie Berührungspunkte zu ihrem eigenen Leben sehen.“

Auf den ersten Blick erscheinen Würfelspiel und Internetzugang als eher ungewöhnliche Mittel zur Prävention, doch Heinsch geht es um mehr als Abschreckung. „Wenn es um Sucht geht, müssen Jugendliche selbst eine Entscheidung treffen“, so die Diplom-Pädagogin, „und dafür sollen sie gut informiert sein.“ Neben den Gefahren, die aus der Sucht resultieren, soll ihnen die Glüxxbox darum vermitteln, aus welchen Gründen junge Menschen spielsüchtig werden. Und auch über die Illusion vom lohnenden Einsatz, wird aufgeklärt: Mithilfe des Spieles „Fifty - fifty, oder was?“ finden die Jugendlichen heraus, warum man – trotz entsprechender Gewinnchance – nicht die Hälfte aller Spiele gewinnt. Bei dem Spiel „Schätz mal“ geht es zudem um das jeweilige Suchtpotenzial von Knobeln, Roulette & Co.

Den Bezug zum Leben jedes Einzelnen stellt schließlich der „Zeit-Kuchen“ her. „Die Kinder sollen überlegen, wie viel Zeit sie am Tag zum Beispiel im Internet verbringen“, erläutert Heinsch, „und vor allem, warum.“ Stelle sich dann heraus, dass vieles zum Stressabbau geschieht, gelte es Alternativen aufzuzeigen. „Denn vor allem darum geht es bei der Prävention.“

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