Velberter Ehrenamtler kümmern sich um Bodendenkmäler

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des LVR betreuen unter anderem Bodendenkmäler: (v.l.) Josef Niedworok, Dr. Helmut Grau, Wolfgang Erley und Jürgen Lohbeck.
Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des LVR betreuen unter anderem Bodendenkmäler: (v.l.) Josef Niedworok, Dr. Helmut Grau, Wolfgang Erley und Jürgen Lohbeck.
Foto: WAZ FotoPool
Josef Niedworok, Dr. Helmut Grau, Wolfgang Erley und Jürgen Lohbeck und vier weitere Mitarbeiter kümmern sich ehrenamtlich für den Landschaftsverband Rheinland um Bodendenkmäler in Velbert. Zusammengeführt hat die Männer ihre Leidenschaft für Geschichte. Ihre Fähigkeiten ergänzen sich. Ein Ortstermin.

Velbert..  Eingebettet in wild wuchernde Schrebergärten wächst ein Betonklotz aus dem Boden. Unscheinbar wirkt dieses Relikt grausamer Kriegsgeschichte. Umgeben von Apfelbäumen, Sauerampfer und Löwenzahn liegt der alter Bunker zwischen der A 44 und Feldwegen am Rottberg. Auf dem Schotter vor dem Denkmal stehen vier Männer. Das lose Kollektiv haben der Zufall und die Leidenschaft zur Geschichte zusammengebracht.

Jeder hat spezielle Fähigkeiten

Ehrenamtlich kümmern sich Josef Niedworok, Wolfgang Erley, Helmut Grau und Jürgen Lohbeck für den Landschaftsverband Rheinland um die Bodendenkmalpflege. Sie suchen unter anderem nach im Boden verborgenen Relikten, recherchieren im Archiv, spüren Zeitzeugen auf. Jeder im Team, insgesamt aus acht Männern bestehend, hat seine speziellen Fähigkeiten, die das historische Puzzle zusammensetzen. „Wer von uns beispielsweise viel Zeit hat, wälzt in Archiven alte Akten“, sagt Niedworok und deutet mit einem Augenzwinkern in Richtung Grau. Der Rentner lacht und fügt hinzu: „Wir ergänzen uns.“

Die kleine Anhöhe, auf der die Männer und der Bunker stehen, gibt den Blick frei auf die umliegende Landschaft. Zu jeder Himmelsrichtung finden sich vergangene Ereignisse. Ortskennzeichen als Kapitelmarkierungen der Geschichtsbücher. Josef Niedworok beschreibt mit seinem Arm einen großen Kreis: „Schwer vorstellbar, vor 200 Jahren noch gab es hier keine einzige befestigte Straße.“

Vor den Blickschlitzen des Bunkers glitzert ein Spinnennetz in der Abendsonne. Nicht nur Unkraut rankt an den alten Steinen entlang: Es sind die Geschichten, die die Männer so faszinieren. Ein Grollen aus der Ferne kündigt ein nahendes Gewitter an. Bomber muss hier glücklicherweise niemand mehr fürchten. Vor 73 Jahren war das noch anders. Die Kruppsche Scheinanlage sollte die alliierten Flieger von der tatsächlichen Fabrik im benachbarten Essen ablenken. Und der Plan ging auf: Rund 6000 Bomben lockte die Nachbildung auf die Umgebung.

Im Bunker kommen unter der abgebröckelten Decke vereinzelt Stahlstreben zum Vorschein. Das Innere, zunächst unspektakulär, weckt mit jeder Erklärung der vier Männer lebendige Bilder. Geschichte zum Anfassen. Lohbeck sagt: „Überall verbergen sich Spuren vergangener Zeiten. Man muss nur die Augen dafür offen halten.“

 
 

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