Unwürdige Zustände in Velberter Flüchtlingsheimen

Foto: WAZ FotoPool
Die Flüchtlingsorganisation „Karawane Wuppertal und Velbert“ hat Flüchtlingsheime inspiziert: Das Ergebnis ist bitter - fehlende Isolierungen, schwarzer Schimmel. "Die Häuser sind nicht bewohnbar", resümiert eine Aktivistin.

Velbert. Es ist ein Bild des bitteren Widerspruchs: Der dunkelhäutige Semere Tasfay aus Eritrea steht vor seinem vorläufigen Zuhause, dem Flüchtlingsheim in der Talstraße 24. Und eine dicke rote Jacke wärmt ihn, wie auch die Kappe – mit der Aufschrift des Reiseveranstalters „Thomas Cook“.

Er führt die Besucher zum Männerhaus. Dessen Eingangstür steht bereits auf, denn zumachen kann man sie nicht mehr. Trotzdem oder gerade deshalb machen die meisten einen großen Bogen um diese Gebäude. Die Flüchtlingsorganisation „Karawane Wuppertal und Velbert“ haben zur Begutachtung eingeladen. Der Grund: Die Häuser sind marode. Zwei Bauingenieurinnen, eine Ärztin und weitere Aktivisten sind vor Ort, um sich ein Bild von den Lebensbedingungen zu machen.

Semere Tasfay läuft die Treppe runter. Die Duschen sind im Keller. Ein Raum, gelb gefliest mit zwei Duschköpfen, die wie Zyklope aus der Wand glotzen. Die ehemals weiße Decke färbt sich giftgrün, unaufhörlich. Die Lüftung erfolgt durch ein kreisrundes Loch in der Stahlplatte des ehemaligen Kellerfensters. Ein Plastikeimer steht davor, damit nicht hereingeschaut werden kann.

Oben zeigt Tasfay, der seit Juli dort wohnt, eine Wohnung. Starr blickt Salad Ismail Ahmad zu den Fremden. Er spricht nicht, versteht aber „Ausweis“. Er eilt in sein Zimmer, holt ihn. Die Begutachter schauen rein. Auf dem Bett liegt ein junger Mann aus Guinea. Er war Moslem, konvertierte und hat eine Christin geheiratet. Bouba Toure gelangte zwischen die Fronten der Gewalt. Körperlich ist er gezeichnet, seelisch sowieso. Er nimmt Psychopharmaka, zeigt der Ärztin ein Schreiben vom Krankenhaus. „Der junge Mann hat posttraumatische Belastungsstörungen“, erklärt Dr. Brigitte Majewski. Sie berät medizinisch ehrenamtlich Flüchtlinge ohne Papiere.

„Die Feuchtigkeit zieht direkt ins Haus“

Das Zimmer ist ein Sammelsurium aus Klamotten, Koffern und Krimskrams ohne festen Standort. Zart, an ein Kinderzimmer erinnernd, hängt ein Hunde-Baby-Poster an der Wand. Sonst wirkt dieser Wandschmuck süß, in diesem trostlosen Raum stößt er sauer auf – weckt Sehnsüchte.

Wieder draußen, gehen die Besucher um die Ecke. Dort steht das Familienhaus. Die Bauingenieure Isis Kossatz und Katrin Schmidt schütteln nur den Kopf. Die Isolierung fehlt, der blanke Stein zeigt sich. „Die Feuchtigkeit zieht direkt ins Haus“, beschreibt Katrin Schmidt die Situation. Im Duschraum sagt sie nur: „Extrem gesundheitsgefährdend.“ Damit meint sie nicht etwa den grünen, sondern den schwarzen Schimmel. Ihre Kollegin Isis Kossatz resümiert deutlich: „Diese Häuser sind nicht bewohnbar. Es besteht zudem Unfallgefahr.“

Die „Karawane“-Aktivistin Mehrandokht Feizi berichtet von einer Familie in einer Drei-Zimmer-Wohnung, die in einem Zimmer hause, weil die Stadt die anderen nicht aufschließe. Grund: Man wolle sie für andere Flüchtlingsfamilien in Not reservieren.

Der Pressesprecher der Stadt, Hans-Joachim Blißenbach, äußert sich erstaunt: „Es ist befremdlich, dass eine Organisation in städtische Gebäude einlädt, ohne uns darüber zu informieren.“ Er erklärt, die Stadt habe beschlossen, die Häuser mit Millionenaufwand zu sanieren. Weitere Informationen zur Talstraße 24 gebe es nächste Woche.

 
 

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