Treffen zur Völkerverständigung in Neviges

Die Angehörigen der Abschuss-Opfer trafen sich im Schloss- und Beschlägemuseum.
Die Angehörigen der Abschuss-Opfer trafen sich im Schloss- und Beschlägemuseum.
Foto: Stadt Velbert
Am 4. November wurde der Halifax-Bomber LV 936 der Royal Australian Air Force schwer getroffen und stürzte über dem Windrather Tal ab.Vier der sieben Soldaten starben. 70 Jahre später kamen die Angehörigen aus Australien und England zu einem Empfang der Stadt ins Schloss- und Beschlägemuseum.

Neviges..  November 1944. Auch das idyllische Neviges bleib nicht von den grauenvollen Ereignissen des Zweiten Weltkrieges verschont. Am 4. November wird der Halifax-Bomber LV 936 der Royal Australian Air Force schwer getroffen und stürzt über dem Windrather Tal ab.Vier der insgesamt sieben Soldaten sterben, drei überleben und kehren nach der Kriegsgefangenschaft in die Heimat zurück.

November 2014. „Vor 70 Jahren hätten wir uns nicht als Freunde, sondern als Feinde getroffen“, weiß der zweite stellvertretenden Bürgermeister Volker Münchow, als er fünf Australier und elf Briten im Schloss- und Beschlägemuseum empfängt. Sie sind die Angehörigen der Soldaten, die damals an Bord des Halifax-Bombers waren. Ihr Wunsch: der Toten 70 Jahre nach dem Absturz vor Ort zu gedenken.

Gottesdienst in der Stadtkirche

„Wir können dankbar sein, dass Jürgen Lohbeck die Geschichte aufgearbeitet hat und die Angehörigen ausfindig gemacht wurden“, sagt Münchow. „Das gelang nur gemeinsam mit dem Team“, fügt der ehrenamtliche Mitarbeiter des Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinlandschnell hinzu. Das Team, das sind Dr. Helmut Grau, Sven Polkläser und Marcel Lessar. Und auch der Australier Paul Knott, dessen Onkel Harry ebenfalls an Bord der Maschine war, spielt eine wichtige Rolle. War er es doch, der die Aufklärung des Absturzes angestoßen und im Anschluss dazu beigetragen hat. Paul Knott hatte sich an das Kloster in Neviges gewandt, um etwas über das Schicksal der Bordbesatzung zu erfahren. Die Franziskaner konnte zwar nicht direkt helfen, stellten aber den Kontakt zu Jürgen Lohbeck her.

Neben dem Empfang im Museum wurde zu Ehren der Soldaten und zu Ehren aller Kriegsopfer in der evangelischen Stadtkirche ein bewegender zweisprachiger Gottesdienst unter dem Motto „Für Frieden und Freundschaft“ veranstaltet. Außerdem besuchten die Angehörigen den Friedhof in Kleve. Einer der Toten ist der Onkel William Nicholsons. Der Australier kennt den ältesten Bruder seines Vaters nur aus Erzählungen und meint: „Ich glaube, ich bin heute weniger für meinen Onkel hier, als für meine Großmutter. Sie besuchte 1949 das Grab ihres Sohnes in Deutschland und schrieb ein Tagebuch über diese Reise. Die Einträge haben mich unglaublich bewegt, da ich sie darin als eine sehr intelligente Frau kennenlernte.“

Aber auch für seinen Vater sei Nicholson gekommen. „Er war Marinesoldat und erfuhr auf dem Schiff vom Tod seines ältesten Bruders. Später hat er immer viel von ihm erzählt.“ Zum Gedenken an das Schicksal der Besatzung wurde am Wochenende an der Stelle des Abschusses an der Nordrather Straße, dort wo das „Haus Buck“ steht, eine Gedenktafel aufgestellt.

Ebenfalls aus Australien angereist sind Denise Martin und ihr Mann Daryl. Sein Onkel Michael Wilson verließ das Land am 4. November 1943 gen Kanada, von dort ging es weiter nach England und schließlich endete auch sein Weg im Halifax- Bomber. Für Daryl Martin ist es wichtig, zum 70. Gedenktag des Absturzes hier in Velbert, am Ort des Geschehens zu sein. „Man darf nicht aufhören, an die Ereignisse zu erinnern“, findet er. „Ich hoffe, dass mein Enkel dann in dreißig Jahren hier stehen wird.“

 
 

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