Stadt erforscht Gründe für leerstehende Läden in Neviges

Auch das Blumengeschäft a.p.a.r.t gibt es nicht mehr Im Orth. Das Team erledigt aber in einer Werkstatt Am Hasenkamp noch Auftragsarbeiten.
Auch das Blumengeschäft a.p.a.r.t gibt es nicht mehr Im Orth. Das Team erledigt aber in einer Werkstatt Am Hasenkamp noch Auftragsarbeiten.
Foto: WAZ FotoPool
Die Stadt Velbert untersucht die Ursachen für den Leerstand der Geschäfte in der Altstadt. Unter anderem wird eine Datei über den Bestand erstellt.

Neviges..  Eine weitere Lücke klafft in der Altstadt. Nach dem „Aus“ für das Kindermoden-Geschäft „Bambino“ ist auch das Blumengeschäft a.p.a.r.t vom Platz am Brunnen verschwunden. „Man kann sich noch so kümmern und bemühen, das Kaufverhalten innerhalb Neviges hat sich einfach geändert“, bedauert Mitarbeiterin Petra Schulz.

In einer Werkstatt um die Ecke nimmt das Team aber noch Auftragsarbeiten an. Doch es bleibt ein Leerstand an exponierter Stelle – und Heike Möller, Leiterin der Abteilung Generelle Planung und Stadterneuerung bei der Stadt Velbert, hat ein „Sorgenkind“ mehr. Dadurch wird aber auch klar, dass es sinnvoll und vor allem drängend ist, „den zweiten Schritt vor dem ersten zu machen“, wie es Heike Möller nennt: Statt weiterhin auf Fördergelder des Landes zu warten, die zwar seit Jahren immer wieder in Aussicht gestellt werden, aber letztlich doch in andere Projekte fließen, wird die Stadt jetzt selbst aktiv: Sie redet mit denen, die der Leerstand betrifft, die vor Ort sind, also mit den Händlern und auch den Vermietern.

Barrierefreiheit ist ein Thema

So wird Stadtplanerin Meike Heß, ab sofort für den Bereich Neviges zuständig, mit ihren Kollegen als erstes in den nächsten Wochen die Leerstands-Übersicht auf einen aktuellen Stand bringen. Dabei geht es vor allem um genaue Daten, wie beispielsweise die Größe des Ladens, die Beschaffenheit, für welche Sparte er sich eignen könnte. „Ein großes Thema ist Barrierefreiheit“, weiß Heike Möller. Kleine Lädchen seien zwar anheimelnd, doch müsse man bedenken, dass sich Familien samt Kinderwagen oder eben auch Senioren mit Gehhilfen in dem Geschäft problemlos bewegen können müssen. Sind die Fakten geschaffen, also alle Daten gesammelt, geht es ans „Eingemachte“, an die Ursachenforschung. „Geschimpft wird ja auf beiden Seiten, Händler auf Vermieter, Vermieter auf die Geschäftsleute“, weiß Heike Möller. Weitab von jeglicher Schuldzuweisung berge die Frage „Woran ist das Geschäft Ihrer Meinung nach gescheitert?“ eine Riesenchance. „Wenn ich weiß, woran es liegt, kann ich es in Zukunft besser machen.“ Außerdem wird eine gutachterliche Expertise hinzugezogen.

Nun sieht es ja nicht nur duster aus rund um die Elberfelder Straße. Zum Glück gibt es als tragendes Gerüst nach wie vor jene Geschäfte, die den täglichen Bedarf abdecken, wie beispielsweise Metzger. Davon hat Neviges gleich zwei, ein seltener Glücksfall. Eine gut sortierte Buchhandlung dazu, gemütliche Cafés „das ist eine schöne Ergänzung“. Allerdings müsse man sich wohl von der Vorstellung verabschieden, alle Ladenlokale mit verschiedenen Sparten bestücken zu können, meint die Stadtplanerin. „Sie kriegen keinen Langenberger dazu, in Neviges Kindersachen zu kaufen.“ Also gelte es, sich alternative Konzepte zu überlegen.

Neviges habe ein großes Potential, doch müsse man realistisch bleiben. „Das Rad ist nicht zurückzudrehen. Die Entwicklung ist ja auch kein hiesiges Phänomen, sondern dem allgemeinen Trend des Einzelhandels geschuldet.“ Wie auch die sinkenden Einwohnerzahl die Lage in ganz NRW widerspiegele. Lebten 2002 noch 20 307 Menschen in Neviges, sind es jetzt 18 846. Und noch ein Trend gilt, so Heike Möller, für alle Städte: „Das größte Ladenlokal hat amazon.“

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