Shopping-Center in Velbert wird nicht gebaut

Der Medien-Andrang war ungewöhnlich groß, als Bürgermeister Stefan Freitag (Mitte hinten) mitteilte, dass die Investoren das Projekt gestoppt hätten, und er überdies erläuterte, wie die Stadt nun u. a. den Einzelhandel unterstützen will.
Der Medien-Andrang war ungewöhnlich groß, als Bürgermeister Stefan Freitag (Mitte hinten) mitteilte, dass die Investoren das Projekt gestoppt hätten, und er überdies erläuterte, wie die Stadt nun u. a. den Einzelhandel unterstützen will.
Foto: WAZ FotoPool
Der Velberter Bürgermeister Stefan Freitag wertet das Aus als herben Rückschlag für die Innenstadtentwicklung. Er will nun „wichtige Bausteine“ forciert umsetzen. Auch deutlich mehr Parkplätze für Kunden und Einzelhandel sollen geschaffen werden.

Velbert..  Die jüngsten Pressekonferenzen im Rathaus zum geplanten Shopping-Center drehten sich zumeist um Verzögerungen des bis dato abgesteckten Zeitplans. An diesem Mittwoch gab Stefan Freitag, der stets an eine Realisierung geglaubt hatte, nun das Aus des 120-Mio-Vorhabens am Europaplatz bekannt. Die Hamburger Investoren ECE und HBB werden kein Center mit bis zu 20000 qm Verkaufsfläche errichten.

Nachfolger für Entwicklung gewinnen

Er sei von der Investorengemeinschaft aus HBB und ECE am Morgen zuvor informiert worden, berichtete der Bürgermeister, dass das Projekt Marktzentrum von beiden Häusern auf Ebene der Gesellschafter mit sofortiger Wirkung aufgrund wirtschaftlicher Aspekte gestoppt worden sei. HBB/ECE zögen sich zum 31. 10. aus dem Projekt zurück.

Freitag spricht von einem herben Rückschlag für die Innenstadtentwicklung, meint aber auch, dass Lamentieren und Schuldzuweisungen jetzt nicht hilfreich seien. Und ganz ähnlich wie kürzlich bei seiner Etatrede, der er das Winston-Churchill-Zitat „Die Kunst ist einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird“ voranstellte, sagt er jetzt: „Umfallen ist keine Schande, das gilt nur für das Liegenbleiben.“

Also aufstehen – und „versuchen, Nachfolger für die Projekt-Entwicklung zu gewinnen“. Interesse am Standort Velbert sei da. „Wir werden alle Register ziehen“, bekräftigt Stadtbaurat Andres Wendenburg. Natürlich, so Freitag, habe man sich alternativ mit einem Scheitern des ECE/HBB-Projektes beschäftigt. Zwar sei das Center für die Entwicklung der City ein gewichtiger Baustein gewesen, „aber eben auch nur ein einzelner von einer Vielzahl weiterer“. Die sollten nun verstärkt umgesetzt, um neue Ideen ergänzt werden. Hierbei geht’s vor allem um die folgenden Faktoren bzw. „Botschaften“, für die das Stadtoberhaupt arbeiten, werben und kämpfen will: Der Zentrale Busbahnhof soll realisiert werden, ebenso die Neugestaltung des Offersplatzes. Um den Einzelhandel zu unterstützen, soll überprüft werden, ob ein Offenhalten des Parkhauses Oststraße wirtschaftlich vertretbar ist; der neue Parkplatz auf dem Areal der Pestalozzischule soll Ende des Jahres in Betrieb gehen; ab Monatsende wird auf dem Europaplatz gebührenpflichtiges Parken für Pkw ermöglicht. Weiter will sich Freitag um Alternativen für die Entwicklung des Quartiers rund um den Europaplatz kümmern, schlägt er vor, unter Federführung der Stadtverwaltung eine Immobilien- und Standortgemeinschaft Friedrichstraße aus der Taufe zu heben (WAZ berichtete), soll ferner Velbert Marketing bis Ende 2014 fortbestehen. Und für den Bürgermeister rückt nun auch wieder die Hertie-Immobilie in den Fokus: Sollte es hier konkrete Ansätze geben, sei man selbstverständlich weiter entsprechenden Projekten gegenüber aufgeschlossen.

Erfolg ist nicht darstellbar – Die Erklärung zum Ausstieg von ECE/HBB im Wortlaut

Bei der letzten Verschiebung des Vorhabens, Mitte September war’s, erläuterten ECE-Project-Director Marcus Janko und HBB-Geschäftsführer Harald Ortner die Verzögerung noch persönlich vor Ort. Zum Ausstieg gab es jetzt von ECE lediglich eine Presse-Information, die wir hier in Auszügen wiedergeben:

„Nach Abwägung aller Fakten und der Ausschöpfung aller denkbaren Möglichkeiten haben sich die Projektpartner ECE und HBB entschlossen, die Entwicklung eines Einkaufszentrums in Velbert nicht weiter zu verfolgen. Auf dem planerisch schwierigen Grundstück konnten die Anforderungen der potentiellen Ankermieter an den Standort Velbert bislang nicht umgesetzt werden. Im Zusammenhang mit der notwendigen Verlängerung von Grundstücksoptionen gab es dann zusätzliche Forderungen sowohl der privaten Grundstückseigentümer als auch von Bestandsmietern, die eine Fortsetzung des Projektes nicht mehr ermöglicht haben. Sowohl ECE als auch HBB stehen für nachhaltige Projekte, die langfristig wirtschaftlich erfolgreich sind. Dies ist unter den aktuellen Bedingungen nicht darstellbar. ECE und HBB bedauern die Situation sehr und bedanken sich bei Politik, Verwaltung und allen Menschen, die in den vergangenen Jahren gemeinsam für die Entwicklung gearbeitet haben.“

 
 

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