Schräg, aber realistisch

„Irgendwat is immer“: Toni Mahoni & Band in der Vorburg in Neviges. Foto: Uwe Möller
„Irgendwat is immer“: Toni Mahoni & Band in der Vorburg in Neviges. Foto: Uwe Möller
Foto: WAZ FotoPool

Gerammelt voll ist der Theatersaal der Vorburg am Samstagabend, mit dem Künstler Toni Mahoni und seinem Programm „Irgendwat is immer“ geht die Reihe „Theater am Schloss“ in die nächste Runde. Das Publikum reicht vom kleinen Jungen bis zur älteren Dame; Ivy Vanderwall ist extra aus den Niederlanden angereist, um Mahoni zusammen mit Freunden aus Neviges zu erleben. Deren Kinder haben ihn nämlich bereits im Internet entdeckt und brennen darauf, ihn live zu sehen.

Kulturchef Dr. Fabian Kern stellt Mahoni vor. Den Geheimtipp aus Berlin, den er selbst nicht recht einzuordnen weiß: „Wir wussten nicht, ob wir Toni Mahoni in die Konzertreihe oder ins Theater einordnen sollten. Er liegt irgendwo zwischen Tom Waits und Helge Schneider, singt hoch entwickelte Küchenlieder.“

Spielchen mit dem Publikum

Und dann betreten Toni Mahoni und Band die Bühne. Mahoni mit kaputtem Strohhut, blauem Hemd, Jogginghose und Schlappen, die drei Bandmitglieder in Abendgarderobe. Toni Mahoni setzt sich an den erhöht stehenden Tisch, vor sich ein Glas Rotwein und beginnt ein Gespräch mit dem Publikum, als säßen dort alte Freunde. „Man merkt direkt, dass Velbert ein kulturvernarrtes Völkchen ist, so voll wie es hier heute ist.“ Zustimmender App­laus, dazwischen der ein oder andere „Wir sind doch hier in Neviges“-Ruf. Immer wieder bindet Mahoni im Verlauf des Abends Velbert in sein Programm ein, egal, ob es die Natur ist, die hier direkt vor der Tür liegt und die jederzeit zurückschlagen könnte, oder das von Velbertern gebraute Zeug, das der größte Hit in Berlin sei. Er erklärt, dass es grammatikalisch korrekt „der Verlbärtiger“ und „die Velbertigerin“ heißt und dass Velbert viel schöner ist als ihr letzter Auftrittsort „Vollbart“.

Seine Ausführungen werden unterstützt von Songs mit klaren Aussagen wie „Fleisch“, „Beziehung“ und „Ick hab’ frei“. Man merkt ihm und seiner Band den Spaß an, den sie beim Performen haben. Seine Band, das sind Lofi Anna an der Gitarre, Mad Madunsky, der Kontrabassist, und Sascha Bachmann am Schlagzeug. Sie alle grooven mit und es wirkt nicht, als würden sie ein Programm abspulen, sondern als würden sie sich selbst in dem Moment, in dem sie spielen, neu erfinden.

Dem Internet entsprungen

Vorneweg Mahoni, der mit vollem Körpereinsatz singt, zuckt, guckt und tanzt. Dabei erzählt er Geschichten, die aus dem Leben gegriffen sind, schräg, aber realistisch, nicht politisch, sondern menschlich. Ob der Gitarrist einer Spanierin hinterher gereist ist und sitzen gelassen wurde; wie der Kontrabassist in die Berliner Mafia geraten ist; wie es kam, dass der Schlagzeuger – obwohl er verlassen wurde – gar nicht empfand, als wäre sein Herz „eine vertrocknete Bohne“. Dabei wird das Publikum stets einbezogen, soll sich „freizucken“ und auf die Suche nach „potenziellen Orgienpartnern“ machen. Am Ende werden Zugaben nicht nur verlangt, sondern auch mehrfach gegeben; wer mag, kann ein paar Worte mit Toni Mahoni wechseln oder sich ein Autogramm geben lassen.

Seit 2006 macht Toni Mahoni mit seiner Band in dieser Form Musik, Musik machen sie alle indes schon länger. 2008 fand die erste gemeinsame Tour statt – sie war so erfolgreich, dass sie jetzt wieder unterwegs sind und rund 70 Städte besuchen.

Begonnen hat der Erfolg im Internet, „aber es macht mehr Spaß, im direkten Kontakt mit dem Publikum zu stehen, anstatt nur überlegte Kommentare zu lesen“, findet Mahoni. Und für jedes Publikum wird das Programm neu erfunden: „Wir improvisieren meistens, das ist viel spannender für die Jungs, als wenn wir jeden Abend das Gleiche machen würden. Das wär ja langweilig.“ Und langweilig sind Toni Mahoni & Band keinesfalls. Begeistert zeigt sich Mahoni auch vom Publikum: „Das hätte ich nicht gedacht, dass die so mitgehen.“

 
 

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