Retten – oder zur Auktion freigeben

Foto: WAZ FotoPool
Der Langenberger Autor Peter Andreas hat sich wieder auf Spurensuche begeben.Für einen WAZ-Bericht spürte er der „Stein’schen Gemäldesammlung“ nach – und entdeckte Interessantes.

Langenberg..  Kaum ein Langenberger Bürger glaubt an eine schnelles Ende der Bürgerhaussanierung. Früher oder später wird es aber so weit sein. Dann wird eine Diskussion über den Verbleib der „Stein‘schen Gemäldesammlung“, die früher größtenteils ihren Platz im Bürgerhaus hatte, aufkommen. Darauf sollten alle vorbereitet sein, die sich Gedanken um die zukünftige Nutzung des Bürgerhauses machen.

Was soll mit den Gemälden geschehen, die jetzt,verpackt und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, im Velberter Rathauskeller eingelagert sind? Sollen sie als schmückendes Beiwerk, zusammenhanglos und unvollständig – ein Teil der Bilder befindet sich in der „Vereinigten Gesellschaft“ – im Bürgerhaus wieder ihren alten Platz finden?

Die Hängung der Bilder dort war für den interessierten Betrachter eine Zumutung, da diese auf Augenhöhe nicht sichtbar waren. Verteilt auf mehrere Säle, kleinere Räumlichkeiten und Treppenaufgänge, dienten sie nur zu deren Dekoration. Eine geschlossene Präsentation, im Sinne einer Ausstellung, war nicht zu erkennen und wohl auch nie beabsichtigt. Die Unterbringung war eine Notlösung, denn die von Walter Stein 1918 zunächst als Dauerleihgabe überlassene, nach seinem Tod 1919 in den Besitz der ehemaligen Stadt Langenberg übergegangene Sammlung konnte die Stadt kaum ablehnen. Und so bot sich das gerade erst erbaute Bürgerhaus als Heimstatt für die Bilder an. Dazu kamen noch weitere Aufbewahrungsorte wie das Rathaus, das Direktorengebäude der Stadtwerke und das Haus der „Vereinigten Gesellschaft“.

Was sind das nun für Bilder, und wer sind die Maler? Die weit verbreite Meinung, die Sammlung würde beherrscht von den Protagonisten der Düsseldorfer und Münchner Malerschule, Andreas Achenbach (vier Bilder) und Adolf Heinrich Lier (ein Bild), ist falsch.

Warum so viele Bilder von Her?

Ein Blick in das Verzeichnis der inventarisierten Bilder zeigt, dass von den noch existierenden 78 Bildern – einige sind durch Diebstahl abhanden gekommen – allein 55 von dem Münchner Maler und Fotografen Theodor Her stammen, darunter auch eine von ihm kaum beachtete Ansicht von Langenberg mit dem Titel „Mondaufgang im Deiletal“, entstanden um 1885, die sich in der„Vereinigten Gesellschaft“ befindet.

Die Menge der Bilder dieses Münchner Malers wirft Fragen auf, die noch nicht abschließend zu beantworten sind. Wahrscheinlich ist, dass Her zwischen 1883 und 1885 häufiger in Langenberg gewesen sein muss, wie man seinen Bildsignaturen entnehmen kann. Für das Motiv„Mondaufgang im Deiletal“ wählte er einen Standort, der sich oberhalb der „Alten Vogteier Straße“ lag, also unweit des Hauses von Walter Stein, das sich in der Vogteier Straße 12 befand. In diesem Haus konnte Stein unmöglich eine derart umfangreiche Sammlung beherbergen.

Zu klären wäre, wann und warum Stein so viele Bilder von Theodor Her erwarb. Gab es eine Freundschaft zwischen ihnen? Hatte er Her mit dem Ankauf der Bilder aus finanzieller Not helfen wollen? Viele Fragen über das Verhältnis der beiden sind noch zu klären. Erschwerend kommt hinzu, dass die Kunstgeschichte Theodor Her sehr stiefmütterlich behandelt hat, eine Monographie über ihn nicht vorliegt.

Halten wir also fest, dass es sich bei der „Stein‘schen Gemäldesammlung“ weniger um eine breitgefächerte Sammlung von Malern der Düsseldorfer und Münchner Malerschule handelt, als vielmehr um eine Sammlung Theodor Her‘scher Bilder.

Stellt sich also die Frage, was mit der „Stein‘schen Gemäldesammlung“ geschehen soll. Will man sie überhaupt einem Publikum präsentieren, und wenn ja wie. Wenn man diese Frage bejaht, dann ist das Bürgerhaus der denkbar ungeeignetste Platz, da nach dem jetzt bekannten Nutzungskonzept keine Räumlichkeit für eine geschlossene Präsentation der Gemälde zur Verfügung steht.

Vielleicht im alten Amtsgericht?

Ein Vorschlag wäre daher, das im Stil eines Renaissance-Palazzo entworfene ehemalige Amtsgericht, noch dazu von Julius Carl Raschdorff, als Ausstellungsgebäude herzurichten. Kein schlechter Ort für eine Gemäldesammlung! Bei entsprechender didaktischer Präsentation – unter Mitwirkung ausgewiesener Kunsthistoriker und Ausstellungsmacher – könnte hier eine bestimmte Epoche der Malerei des 19. Jahrhunderts vorgestellt werden. Dadurch würde auch der gewünschte Fremdenverkehr für Langenberg gefördert.

Wenn man das nicht leisten kann, dann empfiehlt sich der Verkauf der Gemälde über ein Auktionshaus. Damit wäre sichergestellt, daß die Bilder in die Hände interessierter Liebhaber dieser Genremalerei gelangen, bevor die Sammlung ihr Dasein endgültig im Dunkeln eines städtischen Kellers verbringt.

 
 

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