Rechte und Linke brüllen sich an

Matthias Spruck
Die Kundgebung von Rechtsextremen auf dem Rathausplatz wurde mit einem Gegenprotest der Antifa begleitet.
Die Kundgebung von Rechtsextremen auf dem Rathausplatz wurde mit einem Gegenprotest der Antifa begleitet.
Foto: WAZ FotoPool
Auf dem Rathausplatz fand am Mittwochnachmittag eine Demonstration von Mitgliedern der fremdenfeindlichen „German Defence League“ und der rechtspopulistischen Partei „Pro NRW“ statt. Auf der anderen Seite: Linke, Antifa-Aktivisten und Jusos.

Auf dem Rathausplatz fand am Mittwochnachmittag eine Demonstration von Mitgliedern der fremdenfeindlichen „German Defence League“ und der rechtspopulistischen Partei „Pro NRW“ statt. Bei der Polizei gemeldet waren auch zwei Gegendemonstrationen – die Jungsozialisten der SPD und Mitglieder des „Antifaschistischen Bündnisses Kreis Mettmann“. Für Demo und Gegendemo, die zwischen 15 und 18 Uhr terminiert war, hatte die Polizei die Stadt um den Rathausvorplatz gebeten – „hier konnten die Ordnungshüter am besten für die notwendige Sicherheit sorgen“, erklärte Stadtsprecher Hans-Joachim Blißenbach.

„Mahnwache“ von „Pro NRW“

Auf dem freigeräumten Platz, in der Mitte geteilt durch Absperrungszäune, wäre Raum gewesen für Hunderte Protestierende – es kamen jedoch vielleicht zehn Rechte, die es akustisch schwer hatten gegen rund 50 trillerpfeifende Antifa-Aktivisten, Jusos und Mitglieder der Partei Die Linke.

Anlass für die als „Mahnwache“ deklarierte Anwesenheit der beiden rechten Gruppen war nach Auskunft von Polizei und Stadt eine Wegnahme von Pflegekindern aus einer Wuppertaler Familie. „Pro NRW“ behauptet, die beiden Kinder mit Migrationshintergrund seien der Pflegemutter – mittlerweile selbst „Pro NRW“-Mitglied – Ende letzten Jahres aus „politischen Gründen“ weggenommen worden. Da die Kinder aus Velbert stammen, ist das hiesige Jugendamt zuständig; die Stadt begründet die Wegnahme mit der mangelnden Eignung der Pflegeeltern.

Zwar hatten sich die Rechten mit Megaphon verstärkt, um ihre fremdenfeindlichen Parolen in die Innenstadt posaunen zu können, doch ging die Propaganda unter in Sprechchören der Gegendemonstranten. Unter den meist jugendlichen „Pro NRW“-Störern war auch Harry Gohr, Fraktionsvorsitzender der Linkspartei im Stadtrat. „Wir finden es wichtig, gegen jede rechte Aktion Flagge zu zeigen und so den Rechtsstaat in Schutz zu nehmen“, sagte der Nevigeser Politiker. Passanten nahmen indes nur am Rande Notiz von der lauten Veranstaltung. Kesut Ramman (38) etwa wunderte sich: „Hier ist ja mehr Polizei anwesend als rechte Demonstranten. Was das wohl wieder kostet!“