Profitieren vom Handicap

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Velbert. Ein Seitenwechsel eröffnet ja bekanntlich neue Perspektiven. Sechs Führungskräfte der Sparda-Bank West verließen jetzt ihr vertrautes Büro-Biotop, um sich mit behinderten Menschen beim Verein Pro Mobil zu treffen und Zeit zusammen zu verbringen. Der Velberter Verein, der einst aus einer Elterninitiative entstand, setzt sich dafür ein, dass Behinderte trotz Einschränkungen am Leben der Gesellschaft teilhaben können.

„Ich habe durch unsere Mitarbeiterzeitschrift von dem Projekt erfahren und mich ziemlich spontan entschieden mitzumachen. Es ist ja mal was ganz anderes, als morgens ins Büro zu gehen, seine Kunden zu pflegen und abends wieder nach Hause zu kommen“, findet Frank Josten aus der Filiale in Viersen. „Man lernt hier viel. Ich war erstaunt darüber, wie gut sich einige der Bewohner doch artikulieren können. Diese Menschen sind geistig voll da. Das erkennt man im Alltag oft gar nicht“, so Josten.

Die Mitarbeiter der Pro Mobil-Einrichtung sehen eine wichtige Erfahrung bei den Bankern, die mit einer Welt in Kontakt kommen, die an ihnen sonst völlig vorbeiginge. „Ich könnte mir nicht vorstellen, hier zu arbeiten. Auf keinen Fall. Das ist mir einfach zu belastend. Es würde mir einfach zu nahe gehen“, erklärt Josten . Pro Mobil betont, dass hier etwas nachgeholt werde, das idealerweise bereits in der Kindheit stattfinde. Am besten sei es, wenn Schulen und Kindergärten noch mehr die Integration von Behinderten fördern würden, so dass man bereits im Kleinkindalter lerne, damit umzugehen.

Im Gegensatz zu seinem Kollegen Josten zeigt sich Jürgen Mockel aus der Bank-Filiale Mönchengladbach regelrecht begeistert. „Ich habe mich beim Abendessen bereits nach fünf Minuten wie zu Hause gefühlt. Es ist so eine heimische Atmosphäre und ich war überrascht, wie gut ich mich mit den Bewohnern unterhalten konnte. Das war eine gute Erfahrung, gerade bei der Unsicherheit, die anfangs da war“, freut sich Mockel. Sicherlich, es sei zunächst Unsicherheit zu überwinden gewesen: „Ich war skeptisch und habe mich gefragt, was da genau auf mich zu kommt. Und es gibt auch Themen, bei denen man sich erstmal an die anderen Umstände gewöhnen musste, zum Beispiel die Esskultur. Aber das war alles kein Problem, sobald man gesehen hat, mit was für einem Humor und mit welchem Spaß hier alles abläuft.“

Und genau das war auch gewollt. Die Mitarbeiter sollten neue Perspektiven gewinnen, davon profitieren – sowohl die Organisation als auch die Teilnehmer selbst: Letztlich können sie durch ihre Erlebnisse auch den Arbeitsalltag mit anderen Augen sehen. „Dadurch, dass wir den Verein, die Bewohner und die Lebensart so genau kennen lernen durften, sind wir alle wie kleine Kinder mit riesigen Augen hier rum gelaufen“, so Velberts Niederlassungsleiter Michael Kirch. Einen schönen Abschluss fand das Projekt mit einer Radtour auf dem Panoramaradweg. Für die behinderten gab’s Spezialfahrräder für den gemeinsamen Fahrspaß.

 
 

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