Polizei kämpft bei der Suche nach Nachwuchs mit Konkurrenten

Matthias Spruck
Auch auf der Berufsorientierungsbörse der Gesamtschule in Velbert ist Polizeihauptkommissar Marten Harms mit seinem Info-Stand regelmäßig dabei.
Auch auf der Berufsorientierungsbörse der Gesamtschule in Velbert ist Polizeihauptkommissar Marten Harms mit seinem Info-Stand regelmäßig dabei.
Foto: WAZ FotoPool
Polizeiwerber Marten Harms hat's nicht leicht: Große Firmen, Bundeswehr und Bundespolizei machen der Polizei Konkurrenz. Mehr Migranten erwünscht.

Kreis Mettmann. Polizeihauptkommissar Marten Harms von der Kreispolizeibehörde Mettmann wirbt für den Polizeiberuf und unterstützt Interessierte bei der Bewerbung. Start dafür ist am 1. Juni.

Rekrutieren Sie ausschließlich Nachwuchs fürs Kreisgebiet?

Bewerbungen treffen überwiegend aus den kreisangehörigen Städten ein, aber auch aus den umliegenden Kommunen. Letztlich ist es aber egal: Ich bemühe mich hier um Nachwuchs für die Polizei in NRW, wir sind eine große Familie. Mir ist es wichtig, dass Interessierte aus dem Kreisgebiet, die oft schon als Schülerpraktikanten reingeschnuppert haben, bei der Bewerbung zum Zug kommen.

Wie entwickeln sich die Zahlen?

Rückläufig sind sie nicht. 9000 bewerben sich landesweit , 7500 kommen dann ins Auswahlverfahren, knapp 2000 bekommen dann am Ende einen Studienplatz. Wie viele später im Kreis Mettmann Verwendung finden, entscheidet sich dann später.

Hat die Polizei Konkurrenz?

Ja, die Situation wird für uns schwieriger. Es gibt in der Nachbarschaft des Kreises Mettmann große Unternehmen, die attraktive Stellen für Uni-Absolventen anbieten. Auch die Bundeswehr und die Bundespolizei bemühen sich um die jungen Leute.

Welche Voraussetzungen muss jemand erfüllen, der zur Polizei will?

Er muss grundsätzlich studierfähig sein, also Abitur oder Fachabitur besitzen, eine Zugangsbeschränkung im Sinne eines Numerus clausus gibt es nicht. Aber es gibt auch Varianten: Wer etwa nach der Realschule eine Ausbildung absolviert oder einen Meisterbrief hat, kann sich für den Polizeiberuf bewerben. Wer da nähere Informationen wünscht, kann sich bei mir melden.

Welche Rolle spielt die demografische Entwicklung bei der Personalentwicklung?

Die Demografie bereitet uns in der Tat Probleme. Wir müssen uns auf zwei Trends einstellen: Die Schülerzahlen sind rückläufig, auf der anderen Seite werden mehr Polizisten benötigt. Der Höchstalter für Berufsumsteiger wurde daher auf 37 Jahre erhöht.

Die Polizei bemüht sich, angesichts einer bunter werdenden Gesellschaft mehr Migranten für den Polizeidienst zu werben. Funktioniert das?

Es wäre schön, wenn junge Leute mit Migrationshintergrund von sich aus Interesse zeigten. Da viele nicht wissen, dass die Staatsbürgerschaft überhaupt keine Rolle für die Zulassung spielt, muss ich sie doch direkt ansprechen. Daher gibt es auch Inforunden in Moscheen. Es muss deutlich werden: Wer immer die formalen Bedingungen erfüllt und das dreitägige Auswahlverfahren übersteht, wird angenommen!

Die Anforderungen an den Polizeiberuf haben sich gewandelt. Wie bewirbt man einen Beruf, bei dem man potenziell auch mit Terroristen in Berührung kommt?

Das Polizeistudium vermittelt Fähigkeiten, die einen für das Berufsleben breit aufstellen. Jeder orientiert sich im Laufe der Jahre anders, kann bei voller Bezahlung Fortbildungen machen, kann unter sehr vielen Einsatzfeldern wählen. Terror bedroht alle Menschen, wer bei der Polizei in der Terrorismusbekämpfung arbeitet, tut das in einem sehr kalkulierbaren Umfeld.