Pionierarbeit auf die alten Tage

Karl-Heinz Möller (90) vom Möller-Verlag an der Neustraße 163 schrieb ein Fachbuch über ***Formenbau***, hier am 9.3.2011. Foto: H.W. Rieck WAZ FotoPool
Karl-Heinz Möller (90) vom Möller-Verlag an der Neustraße 163 schrieb ein Fachbuch über ***Formenbau***, hier am 9.3.2011. Foto: H.W. Rieck WAZ FotoPool
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Seit 1984 führt Karl-Heinz Möller einen Fachverlag mit technischen Magazinen. Jetzt hat er selbst ein Buch geschrieben.

Irgendwann wurde in Afrika das Elfenbein knapp und somit der Rohstoff zur Herstellung von Billardkugeln. Ein Ersatzstoff war bald gefunden, doch bevor der Kunststoff auch richtig über das grüne Tuch rollen konnte, war der Formenbau gefragt. „Diese Geschichte erzähle ich immer gerne bei Vorträgen“, schmunzelt Karl-Heinz Möller, Seniorchef mit Halbtagsstelle im gleichnamigen Fachverlag in Tönisheide. „Auf diese Weise fällt es meinen Zuhörern leichter zu verstehen, wie wichtig und allgegenwärtig der doch ansonsten in der Öffentlichkeit so unbekannte Formenbau ist“, sagt Möller.

Telefon, Computer, Waschmaschine, Auto, Rakete, Legostein – „schon morgens unter dem Duschbrausenkopf kommen wir mit Produkten aus dem Formenbau in Berührung“, erzählt Möller. Ein Designer entwirft etwa den Korpus eines Küchengerätes oder eines Fernsehers, der Formenbauer übernimmt die Angaben, konstruiert und fertigt aus Stahl eine Form, die Plastik oder Metall in die gewünschte Fassung bringt.

In Velbert und Heiligenhaus gibt es zahlreiche Firmen, die Formen bauen, weitere wichtige Standorte sind Nürnberg und Lüdenscheid.

Und nun gibt es auch das Buch zur Branche. Karl-Heinz Möller hat es verfasst – auf der Grundlage jahrzehntelanger Erfahrung. „Seit fast 60 Jahren habe ich mit Formenbau zu tun – eine lange Zeit auch als vereidigter Sachverständiger“, erzählt Möller. Doch seit 27 Jahren geht der bald 90-Jährige einen anderen Weg: 1984 gründete Möller einen eigenen Verlag. „Der Stahlformenbauer“, hieß die erste Zeitung, die er damals vertrieb. „Bis dahin gab es keine Magazine, die sich ausschließlich mit dieser Branche beschäftigten“, sagt er. Und als Herausgeber dieser Fachzeitschrift (3000 Auflage, ca. 2000 Abonnenten) wollte Karl-Heinz Möller auch inhaltlich immer ein gewichtiges Wort mitreden. „Ich mische mich mit Kommentaren in die Fachdiskussion ein, muss also stets den Überblick über die gesamte Branche haben.“

Vor fünf Jahren fasste Möller den Entschluss, auf der Basis seiner Meinungsbeiträge die Monografie zu schreiben. Mit seinem Buch „Der Formenbau“ hat Möller zweifelsfrei eine Pionierarbeit geleistet. „Die Fachliteratur zum Formenbau beschäftigt sich eigentlich immer mit Detailfragen, technischen und juristischen Problemen“, berichtet der Autor. Sein Werk hingegen diskutiert keine dieser Fragen, sondern ist als Branchenreport zu verstehen. Die Geschichte des Formenbaus wird behandelt, Entwicklung und Bedeutung des Wirtschaftszweigs, Marketing, Recht, Gesetz. Komplettiert wird das Buch durch ein weiterführendes Literaturverzeichnis.

Viel Recherche in auswärtigen Archiven war indes beim zwei Jahre dauernden Schaffensprozess nicht nötig – „im Verlag habe ich weitgehend die nötigen Unterlagen zusammen bekommen“, so Möller. Geschrieben habe er es übrigens selbst – und lacht: „In diesen Tagen lohnt es sich ja, so etwas zu betonen.“

500 Exemplare sind gedruckt worden, seit zwei Wochen ist Möllers Druckwerk auf dem Markt, mit ISBN-Nummer überall erhältlich. Ist er stolz auf seine Arbeit? Karl-Heinz-Möller, durchaus im bescheidenen Ton: „Doch, es ist gut geworden, vielleicht hat es seinen Wert für unsere Branche“, sagt er leise.

 
 

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