Parteien verlieren auch in Velbert immer mehr Mitglieder

Rouven Chlebna
Auch im Wahlkampf macht sich der Schwund bemerkbar. Infostände können häufig nur schwer besetzt werden.
Auch im Wahlkampf macht sich der Schwund bemerkbar. Infostände können häufig nur schwer besetzt werden.
Foto: Fabian Strauch Photography / WAZ
Überalterung und gesunkenes Interesse der Jugend an politischer Arbeit gelten den Verantwortlichen als Ursachen. Die ortsansässigen Parteien spüren die Auswirkungen bei der täglichen Arbeit.

Den Parteien in Deutschland gehen die Mitglieder aus. Eine aktuelle Studie des Berliner Politikwissenschaftlers Oskar Niedermayer veranschaulicht den Mitgliederschwund anhand aussagekräftiger Zahlen. So haben SPD, CDU, CSU, Grüne, Linke und FDP seit 1990 rund die Hälfte ihrer Basis eingebüßt. Ihr Mitgliederbestand verringerte sich von 2,4 Millionen auf derzeit rund 1,2 Millionen eingetragene Anhänger. Der Trend ist auch auf kommunaler Ebene zu beobachten.

Wählergemeinschaft gewinnt dazu

Volker Münchow (MdL)beobachtet das Problem schon seit Jahren. Für die Ursachen hat der Vorsitzende der SPD Velbert allerdings keine eindeutige Erklärung und behilft sich mit einer Wortneuschöpfung: „Ich sehe eine zunehmende ,Egotisierung’. Die Menschen kümmern sich häufig lieber um ihr Privatleben. Ehrenamtliche Tätigkeiten und Engagement für andere kommen scheinbar immer mehr aus der Mode.“ Dem pflichtet Kerstin Griese (MdB), Vorsitzende des SPD-Kreisverbandes Mettmann, bei: „Die feste Mitgliedschaft in Organisationen und Vereinen ist in den letzten Jahrzehnten immer unbeliebter geworden. Die Menschen engagieren sich gerne für eine Sache, aber ohne sich dauerhaft zu verpflichten.“

In Velbert sind die Mitgliederzahlen seit Münchows Eintritt in die Partei im Jahr 1976 drastisch gesunken. „In den Hochzeiten Ende der Siebziger hatte allein der Ortsverband Velbert-Mitte rund 1000 Mitglieder. Aktuell hat die gesamte SPD Velbert um die 400 Parteigenossen“, sagt Münchow. Die Folgen seien in der täglichen Parteiarbeit deutlich spürbar. So sei es beispielsweise immer schwieriger, Infostände zu besetzen. Dafür komme laut dem SPD-Ortsvorsitzenden häufig nur die Generation 60 plus in Frage. Derzeit arbeiteten die Sozialdemokraten an einer landesweiten Strategie, um junge Mitglieder zu gewinnen und Neueinsteiger intensiver zu betreuen.

Auch bei der ortsansässigen CDU ist man sich der Problematik bewusst. Der Velberter CDU-Chef Marc Ratajczak sieht in der Überalterung den Hauptgrund für die sinkenden Mitgliederzahlen: „Der demographische Wandel ist auch in Velbert angekommen. Die Sterbezahlen sind das Problem.“ Um dem Schwund entgegenzuwirken, beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe der CDU mit der Anwerbung neuer Mitglieder. Ratajczak, dessen Partei als einzige im Stadtgebiet noch drei funktionierende Ortsverbände hat, spürt die Konsequenzen auch in der Parteikasse: „Die Frage der Finanzierung gewinnt an Bedeutung. Die Mitgliedsbeiträge gehen zurück, ganz große Sprünge können wir nicht mehr machen.“ Derzeit besitzen rund 380 Velberter ein Parteibuch der CDU. „Heutzutage wollen die Menschen überall mitreden. Wirklich mitbestimmen bedeutet aber auch, sich aktiv in einer Partei zu engagieren“, erklärt Ratajczak.

Die Wählergemeinschaft Velbert anders kann dagegen seit Jahren konstante Mitgliederzahlen vermelden. „Wir haben pro Jahr sogar fünf bis zehn Neuzugänge. Aber auch wir versuchen der Überalterung entgegenzuwirken und die Jugend in unserem Verein zu fördern“, bestätigt deren Vorsitzender August-Friedrich Tonscheid.