Nevigeser Seniorinnen wünschen sich Zuwachs für Turngruppe

Bitte kräftig ziehen, das gibt Muskeln. Beim Seniorenturnen des Nevigeser Turnvereins stellen die Teilnehmerinnen jeden Montag ihre Fitness unter Beweis. Doch die Gruppe schrumpft, der gewünschte Nachwuchs darf gern jünger sein.
Bitte kräftig ziehen, das gibt Muskeln. Beim Seniorenturnen des Nevigeser Turnvereins stellen die Teilnehmerinnen jeden Montag ihre Fitness unter Beweis. Doch die Gruppe schrumpft, der gewünschte Nachwuchs darf gern jünger sein.
Foto: WAZ FotoPool
Jeden Montag beweisen die Seniorinnen des NTV, dass sie längst nicht zum alten Eisen gehören. Doch ihre Turngruppe schrumpft – und sucht Verstärkung.

Neviges.. „Love is in the air“, dröhnt es aus der Musikbox, in flottem Gänsemarsch eilen die Damen energisch durch die Halle. Aufwärmen muss sein, bevor es gleich ans Eingemachte geht, bevor sie ihre Bizeps spielen lassen. Jeden Montag um 17 Uhr, da kann zu Hause kommen was und wer will, treffen sich die Seniorinnen des Nevigeser Turnvereins an der Ansembourgallee zur Gymnastik. „Man muss dranbleiben, Tag für Tag“, meint Hilde (82), die mit 69 Jahren in die Gruppe kam. „Ich hab noch nie geschwänzt, und mittwochs mach ich noch mit bei der Stuhlgymnastik.“

Die jüngste Teilnehmerin, Brigitte, ist 59 Jahre alt, und ob nun Doris oder Elisabeth die Älteste ist, diese Frage ist nach einem kurzen Wortwechsel zwischen den Zweien schnell geklärt, sind doch alle beide 83 Jahre und fit wie ein Turnschuh. Der Unterschied: Elisabeth, Geschäftsfrau aus Neviges, schloss sich erst mit 78 Jahren der Gruppe an – „Christa hat mich geworben“ – während Doris mit einer kleinen Unterbrechung seit nunmehr 28 Jahren hier wöchentlich Muskeln und Sehnen kräftigt.

Was sie alle eint, ist das Gefühl, hier gut aufgehoben zu sein: „Das ist eine schöne Gruppe, man kennt sich, wir haben immer viel Spaß“, wird Marianne (76) später erzählen, wenn die bunten Gummibänder eingesammelt, die Massage-Igelbälle im Kasten verschwunden sind. Und noch etwas haben alle gemeinsam: Sie wünschen sich Verstärkung, die Gruppe soll wieder größer werden. Und auch gern jünger.

Vor allem Dorothea (72) hat in all den Jahren schon einige gehen sehen: „Wir waren mal 30 Leute, aber das ist lange her.“ Und Marianne ergänzt: „Viele haben aufgehört, weil sie zu Hause auf ihre Männer aufpassen müssen.“ Oder selbst nicht mehr den Weg zur Sporthalle an der Ansembourgallee schaffen. Denn einen anderen Grund, das Handtuch zu werfen, hat hier noch niemand erlebt. „Wenn ich nicht gerade bei meiner Tochter in Frankfurt bin, dann komme ich jeden Montag. Tut ja auch der Figur gut“, erzählt Christel (76), die sich seit nunmehr 28 Jahren in dem Kurs fit hält. Manchmal möchte sie auch lieber gemütlich auf dem Sofa sitzen bleiben: „Man muss seinen Schweinehund überwinden, nachher fühlt man sich richtig gut. Ist das einzige, was ich noch mache, früher bin ich noch kegeln gegangen.“

Erheiterung beim „Pferdchen“

Der nächste Ohrwurm aus den 70ern macht den Damen Beine. Zu „Lady Bump“ von Penny Mc Lean lassen sie zwar nicht die Hüften kreisen, greifen aber beherzt zu den grell-bunten Gummibändern. „Die linke Hand geht nach vorn, die rechte nach außen“, lautet das energische Kommando der Kursleiterin, und alle ziehen und dehnen nach Leibeskräften. Ist gut für die Oberarme, schließlich will man noch möglichst lange selbst seine Einkaufstasche tragen.

Gekicher und Gegibbel wie im Kindergarten bei der nächsten Kraftübung, „Pferdchen und Kutscher“, bei dem zwei Turnerinnen durch Bänder verbunden sind. Die Vorderfrau, also das Pferd, zeigt, wo es lang geht. Wer sich ausruht, bekommt Zunder vom Kutscher: „Hilde, nicht einschlafen . . .“

Jetzt noch ein paar Koordinations-Übungen, dann ist nach einer guten Stunde Entspannung pur angesagt. Hintereinander auf der Holzbank sitzend, lassen die fitten Seniorinnen Igelbälle über Rücken und Nacken der Vorderfrau rollen – natürlich nur, wer es mag. Nach den Osterferien kommen sie wieder alle zusammen, als Ausrede gilt nur Krankheit oder Urlaub. Denn um so fit zu bleiben wie Christa, Hilde und all die anderen, gibt es nur ein Geheimrezept: Bloß nicht rasten und rosten.

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