Nevigeser Kinder entdecken in der Naturwerkstatt den Wald

Isabel Nosbers
Ab in den Wald: Kinder entdecken auf ihre Art die Wunder der Natur. Wohin genau es geht, hängt vom Wetter ab – und der Stimmung der Kinder.
Ab in den Wald: Kinder entdecken auf ihre Art die Wunder der Natur. Wohin genau es geht, hängt vom Wetter ab – und der Stimmung der Kinder.
Foto: WAZ FotoPool
Die Waldgruppe der Naturlehrwerkstatt von Mariana Kretschmer trifft sich regelmäßig in Neviges. Kinder lernen so die Natur auf ihre Art kennen. Die Eltern – meist sind es die Mütter – müssen mitziehen, denn ohne Vorbild geht es für die Kleinen nicht.

Neviges.  Auf einer Lichtung, hoch oben im Wald zwischen Wuppertal und Neviges, gibt es sie wirklich. Die Elfen- und Zwergenwelt. Entdeckt haben sie die Kinder von Mariana Kretschmers Waldgruppe der Naturwerkstatt. Seit vier Wochen erforschen sie mit kindlicher Fantasie all das, was bislang unerforscht blieb. Der Ablauf der Spielgruppe für die Kindergartenkinder zwischen drei und fünf Jahren richtet sich dabei nach der Natur und nach der Stimmung der Kinder. Heute ist eine tiefe Waldexkursion durch die Sturmschäden nicht denkbar.

Doch die Elfenwelt am Rande des Waldes kann besucht werden. Eifrig klettern die mutigen Waldforscher Lele, Julia, Marie, Lorenz und Michel den Berg hinauf. Gefolgt von ihren Müttern. Julia (5) kennt den Weg noch ganz genau. „Da oben wohnen die Zwerge und Elfen. Es ist toll hier im Wald zu sein, ich kann überall hin, weil meine Gummistiefel wasserdicht sind.“ Schnell wird klar, der Expedition sind kaum Grenzen gesetzt. Denn auch im Bachbett können die Kinder sich frei entfalten und nach Herzenslust matschen und toben. Fazit: „Am Ende wird immer einer nass“, weiß eine Mutter.

Die Diplom-Heilpädagogin, die die Gruppe leitet, scheint ebenfalls schon in einer ganz anderen Welt angekommen zu sein. Sie erkennt, dass die Elfen den Kindern Geschenke hinterlassen haben. In Form eines Zweiges, einiger Baumfrüchte, Natur eben. Die Kinder sinken mit ein, in fabelhafte und fantastische Welten, fernab von dem scheinbar schlichten Wald. Es ist eben mehr.

Eltern müssen mitziehen

„Hier ist Frau Assel, die haben wir letzte Woche angesiedelt“, schwärmt Kretschmer und lässt das für viele ekelig anmutende Tier über ihre Hand spazieren. Die Kids tun es ihr gleich. Abscheu kennen sie nicht, auch nicht vor „Herrn Käfer“, der gleich nebenan wohnt. Die Neugier und Faszination und die Liebe zur Natur gehen von der erfahrenen Heilpädagogin auf die Kinder und auch die Mütter über. „Es ist wichtig, dass die Mütter mitmachen, denn wenn die Mutter es ekelhaft findet, einen Käfer anzufassen, dann empfindet das Kind es genauso“, weiß die Heilpädagogin.

Auch Julias Mutter Stefanie Kampmann hatte anfangs Berührungsängste, beispielsweise mit dem Regenwurm: „Wir sind mit dabei, weil die Natur einfach Julias Leidenschaft ist. Seit sie ein ¾ Jahr alt ist, sind nehmen wir an den Angeboten der Naturwerkstatt teil.“ Stefanie Kampmann weiß, weshalb sie schon so lange mit dabei sind: „Mariana leitet die Gruppen mit Herzblut und Leidenschaft. Sie hat wunderbare Ideen, die man als Mutter im gestressten Alltag manchmal einfach nicht mehr hat.“

Und sie weiß auch, dass das regelmäßige Treffen in der Natur sinnvoll ist, auch wenn sie selbst gerne Spaziergänge mit der Familie macht. „An so einem Tag wie heute, würde ich nicht unbedingt in den Wald gehen.“

In dieser Gruppe haben sich die Eltern samt ihren Kindern dazu entschieden, an der Spielgruppe in der freien Natur teilzunehmen. Doch die Heilpädagogin bietet auch ein Naturerlebnisangebot für Kinder ab anderthalb Jahren bis hin zur Schulklassenbetreuung an. Und sie weiß: „Je älter die Kinder sind, desto größer sind die Hemmschwellen und die Berührungsängste, neue Erfahrungen in der Natur zu machen.“ Ihre Leidenschaft zu ihrem Beruf schlägt sich in etlichen Preisen nieder. Jüngst hat sie den Vegeterra-Preis gewonnen.

Versorgung der Tiere

Immerhin lebt sie nicht nur mit zwei Ponys, einem Pferd, einem Hängebauchschwein, drei Schafen und zwei Hühnern zusammen in einer ländlichen Idylle, sondern die tägliche Versorgung der Tiere steht auch im Mittelpunkt ihrer Arbeit mit Kindern. „Da passt es natürlich auch nicht, dass auf dem Brot eine Salami ist“, sagt sie. Die vegane und vegetarische Powerfrau erlebt Tag für Tag ihren Traumberuf. Und die Kinder lieben die wöchentliche Fantasiereise und die neuen Entdeckungen.