Neonazi-Vorwurf in Velberter Judoka-Verein

Der Sport sollte eigentlich im Vordergrund stehen – so wie hier –, doch beim VJC werden derzeit ganz andere Dinge diskutiert. Foto: Foto: Privat
Der Sport sollte eigentlich im Vordergrund stehen – so wie hier –, doch beim VJC werden derzeit ganz andere Dinge diskutiert. Foto: Foto: Privat
Mit der Vorliebe des zweiten Vorsitzenden des Velberter Judoka Vereins für "nationales Liedgut" wollte sich der Sportausschuss beschäftigen, strich den Punkt aber von der Tagesordnung. Der Mann soll in einer Band der rechten Szene aktiv gewesen sein.

Velbert. Was Michael Schmidt am Mittwochnachmittag im Autoradio auf dem Weg zur Sportausschusssitzung hörte, amüsierte den CDU-Ratsherrn wenig. „Da wurde im Lokalfunk über einen Tagesordnungspunkt aus dem nichtöffentlichen Teil der Sitzung berichtet, die noch gar nicht angefangen hatte.“ Die Information, ist Schmidt sicher, hatte der Funk von der Linkspartei erhalten, die die heikle Thematik bereits lange vor dem Ausschuss in die Öffentlichkeit posaunt hatte.

Vor einigen Wochen war es die „Antifaschistische Aktion Velbert“, eine gewissenhaft auf Anonymität bedachte Gruppierung im Internet, die an Hunderte Velberter und regionale Adressaten, darunter auch die Medien, Informationen über den zweiten Vorsitzenden des Velberter Judo-Clubs (VJC) lanciert hatte. Der Vorwurf: Der Judoka sei als Mitglied in Musikgruppen der rechten Szene aktiv. Somit sei er als Vereinsvorstand und Trainer von Kindern und Jugendlichen nicht geeignet.

In den Dossiers werden Songtexte insbesondere aus den 90er Jahren zitiert, die in der Tat rassistisch und fremdenfeindlich sind. Im Internet wird dabei häufig die Band "Notwehr" genannt, in der sich der Judoka engagiert haben soll. Die Musik ist eindeutig der rechten Szene zuzuordnen, unter anderem wird der nationalsozialistische Reichsminister Rudolf Heß in dem nach ihm benannten gleichnamigen Stück als "Märtyrer des Friedens" glorifiziert.

„In meinen Liedern wird niemand verunglimpft“

Der von Antifa in die Öffentlichkeit gezerrte 2. Vorsitzende war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. In einer schriftlichen Eingabe räumt er jedoch ein: „Es ist zwar wahr, dass ich nationale Lieder singe. Dazu stehe ich auch weiterhin. Ich betone aber [...], dass in meinen Liedern niemand verunglimpft wird.“ Offensiv stellte er der WAZ sogar eine CD für eine Auswertung zur Verfügung. Da heißt es etwa im Lied „Exit“ zum Aussteigerprogramm für Nazis: „Die BRD-Gesellschaft hat sich was tolles ausgedacht und Kameraden fallen darauf herein [...] Du stehst nicht mehr bereit zur treuen Tat. Exit. Dann bist du auch nicht mehr mein Kamerad.“

Niels Pivato, 1. Vorsitzender des VJC, stellt klar: „Wenn mein Stellvertreter in der rechten Szene eine Rolle spielen würde, hätte der Verein damit ein Problem.“ Das Thema werde jedoch von Antifa aufgebauscht, der Beschuldigte sei vielmehr als treu sorgender Familienvater und tadelloser Vereinskamerad bekannt. „Er geht zu keinen Demos, hat keinen Ärger mit der Polizei, und die Musikstücke, die als belastend gewertet werden, sind sehr alt.“ Pivato betont, sein Stellvertreter sei im übrigen als aktiver Sportler, jedoch nicht als Trainer im Verein aktiv. Am kommenden Montag wolle sich der Vorstand mit dem Thema befassen.

CDU-Ratsherr sieht es als „interne Angelegenheit“

Friedhelm Dahlmann, Vorsitzender des Stadtsportbundes: „Was ein Sportler vor vielen Jahren in seiner Jugend gemacht hat, interessiert nicht mehr.“ Für den Sportbund sei die Sache gestorben. So einfach machte es sich die Politik dann nicht. „Wenn der Mann in der rechten Szene aktiv ist, muss das aufgearbeitet werden“, so Sportausschuss-Vorsitzender Hermann-Josef Schmitz (CDU) eine Woche vor der Ausschusssitzung. Mit den Stimmen von CDU, FDP, UVB und Velbert anders wurde die VJC-Personalie dann am Mittwoch von der Tagesordnung genommen – SPD und Grüne enthielten sich. CDU-Ratsherr Schmidt: „Wir werden als Politik nicht den erfolgreichen und gut funktionierenden Judoclub demontieren. Ich betrachte es zunächst einmal als interne Vereinsangelegenheit, wie man sich zu dem Rechtsvorwurf stellt.“

 
 

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