Modellprojekt hilft bei der Integration

Knut Bruckmann, Volker Münchow, Raimund Becker und Kerstin Griese (oben, v.l.)
Knut Bruckmann, Volker Münchow, Raimund Becker und Kerstin Griese (oben, v.l.)
Foto: Funke Foto Services
  • Nach Beratungsgesprächen können die Teilnehmer aus einem Angebot berufsvorbereitender Workshops wählen
  • Derzeit besuchen 150 Teilnehmer acht laufende Workshops bei der Wipa Wirtschafts- und Sprachenschule
  • Teilnehmerin wünscht sich weitere Möglichkeiten, um mit Deutschen privat in Kontakt zu kommen

Velbert.  Was machen Flüchtlinge und andere Einwanderer eigentlich, wenn sie ihren Integrationskurs abgeschlossen haben, aber noch nicht mit dem berufsbezogenen Deutschkurs anfangen können? Bis zum Herbst 2015 klaffte hier eine Lücke, gibt die SPD-Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese zu. „Das war für diese Menschen ein Motivationsloch“, weiß Silvia Donner vom Vorstand des Bildungszentrums Velbert. Umso froher sind nicht nur die beiden nun, dass im vergangenen Oktober das kreisweite Modellprojekt „Schrittwechsel“ in Velbert an den Start ging. Kerstin Griese machte sich gemeinsam mit dem SPD-Landtagsabgeordneten Volker Münchow, Raimund Becker (Vorstand Regionen der Bundesagentur für Arbeit), Marcus Kowalczyk (Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Mettmann) und Martina Würker (Geschäftsführerin des Jobcenters Mettmann) am Donnerstag vor Ort ein Bild davon.

Projekt läuft seit Oktober 2015

Seit Oktober 2015 können Zugewanderte bei der Wipa Wirtschafts- und Sprachenschule an der Sontumer Straße, die mit dem Bildungszentrum zusammenarbeitet, die freie Zeit sinnvoll nutzen. Nach Beratungsgesprächen können die Teilnehmer aus einem Angebot von mehreren berufsvorbereitenden Workshops wählen. „Darin geht es um die Anerkennung von Berufen, das Ausfüllen von Formularen und die Kommunikation mit Behörden“, sagt Knut Bruckmann von der Wipa-Geschäftsleitung. Und auch bei der Bewerbung gibt’s Unterstützung.

322 Menschen hätten das Angebot bereits genutzt, sagt Bruckmann. Derzeit besuchten 150 Teilnehmer acht laufende Workshops. „Manche machen ein oder zwei Workshops, andere bleiben bis zu drei Monate“, ergänzt Silvia Donner vom Bildungszentrum. Mehrere Teilnehmer habe man dabei mittlerweile auch in feste Jobs vermittelt, sagt Bruckmann.

So wie Pieer Atchoo aus Syrien. Er habe schon in seinem Heimatland bei der Post gearbeitet, doch dort sei Zusteller kein Ausbildungsberuf, erzählt er. Nach einem Deutschkurs habe er auch einen berufsbezogenen Sprachkurs besucht. „Das hat sehr geholfen.“ Mittlerweile hat ihn ein großes Postunternehmen aus Ratingen eingestellt. „Es ist gut, wenn auch innerhalb der Unternehmen eine Willkommenskultur herrscht“, sagt Knut Bruckmann (Wipa).

So weit wie Pieer Atchoo ist Kamala Akbarova aus Aserbaidschan noch nicht. Die studierte Medizinerin muss erst ein Praktikum machen, damit ihr Zertifikat anerkannt wird – und sie will ihr Deutsch weiter verbessern. Denn „die Kommunikation mit den Patienten ist wichtig“, sagt sie. Die Kommunikation will auch Valentina Raycheva aus Bulgarien gerne ausbauen: „Ich würde gerne privat mehr mit Deutschen sprechen, aber viele sind sehr beschäftigt und haben keine Zeit“, sagt sie. Für die Delegation war damit klar: Die nächsten Aufgaben zu Verbesserung der Integration warten schon.

 
 

EURE FAVORITEN