Miteinander lernen beginnt im Kopf – und an Velberter Schulen

Antje Kühndahl (li.) und Margit Benemann von „Pro Mobil“ machen sich für behinderte Schüler stark. Foto: Uwe Möller
Antje Kühndahl (li.) und Margit Benemann von „Pro Mobil“ machen sich für behinderte Schüler stark. Foto: Uwe Möller
Foto: WAZ FotoPool

Velbert. Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahre 2009 hat sich Deutschland zur gleichberechtigten Teilhabe von Menschen mit Behinderung in allen Lebensbereichen, der so genannten Inklusion, verpflichtet. „Jetzt geht es darum, sie umzusetzen“, betont Margit Benemann, Geschäftsführerin des Vereins für Menschen mit Behinderung „Pro Mobil“.

Als einen Weg zum gemeinsamen Schulunterricht hat der Kreis Mettmann begonnen, Förderschulen in sechs Städten zu Kompetenzzentren für sonderpädagogische Förderung auszubauen. Insgesamt sechs Kompetenzzentren sollen dafür sorgen, dass möglichst viele Kinder mit einer Lern- oder Sprachbehinderung oder mit emotionalen und sozialen Entwicklungsstörungen die allgemeinbildenden Schulen besuchen.

Zudem soll ermöglicht werden, dass Kinder, die für den Besuch einer wohnortnahen Schule besondere Unterstützung brauchen, diese erhalten. Genauso wichtig ist dabei aber auch, dass Eltern, die das wünschen, für ihre Kinder den Besuch einer Förderschule wählen können. 70 000 Euro hat der Kreis für Maßnahmen zur Verfügung gestellt.

Sogenannte Inklusionsscouts investieren die Mittel

Die Mittel werden sowohl für eine wissenschaftliche Begleitung des Projekts als auch für die Ausbildung von 32 sogenannten Inklusionsscouts investiert, die die Schulen auf dem Weg zur Förderung unterstützen. An sieben Wochenenden wurden Teams, bestehend aus Grundschullehrern und Sonderpädagogen, für diese Aufgaben fit gemacht.

Eines dieser neu geschaffenen Kompetenzzentren ist die Förderschule „In den Birken“. Schulleiter Dieter Krutz hält bei der Frage, wie sinnvoll langfristig noch Förderschulen sind, die Wahlfreiheit der Eltern für ganz elementar: „Ich glaube, dass bei bestimmten Kindern ein geschützter Rahmen für die schulische Förderung sinnvoll ist. Jedes Kind ist individuell anders, darum sind der Elternwille und die Möglichkeit zu wählen so wichtig.“

Probleme bei der Umsetzung eines gemeinsamen Schulbesuchs von Kindern mit und ohne Behinderung sieht der Verein „Pro Mobil“ nicht. Die Bereichsleiterin für die Jugendarbeit Antje Kühndahl nennt Zahlen, nach denen in Kitas jetzt bundesweit im Schnitt ein Inklusionsanteil von über 60 Prozent erreicht wird. „Im Bereich der Grundschule liegt diese Prozentzahl aber nur bei 34 und in der Sekundarstufe nur noch bei 15 Prozent“, so Antje Kühndahl.

Dass Inklusion auch an weiterführenden Schulen funktioniert, zeige das Beispiel Wuppertal, wo z. B. an einem Gymnasium Schüler mit und ohne Behinderung in der Sekundarstufe unter Bereitstellung von Integrationskräften gemeinsam unterrichtet würden.

Der Verein kritisiert, dass immer noch die Diskussion über Schüler mit Förderschwerpunkt Lernen oder emotional soziale Entwicklung, nicht aber über den Förderschwerpunkt körperlich-motorische bzw. geistige Entwicklung geführt wird. „Diese vermeintliche Klassifizierung von Behinderten ist nicht mehr tragbar“, findet Margit Benemann.

Damit der Besuch einer Regelschule wirklich allen offen stehe, sei vor allem eine Veränderung in den Köpfen der Menschen notwendig. Dafür sei eine positive Grundeinstellung gegenüber allen Schülern nötig, ohne sie gegebenenfalls an ausgrenzende Systeme wie Förderschulen zu verweisen.

Natürlich ist auch ihrem Verein bewusst, dass eine Inklusion ohne ausreichende Finanzmittel nicht machbar ist. „Hier sind die jeweiligen Fachausschüsse gehalten, die Umsetzung voranzubringen.“ Was für eine Schulbildung mit gleichen Chancen für alle gelte, sei auch auf die Berufswahl übertragbar. „Durch aktive Akquise unterstützt unser Verein beispielsweise eine Schule ab der achten Klasse dabei, Praktikumsplätze für Schüler mit Förderbedarf zu finden“, erläutert Kühndahl. Einen Auszubildenden mit Ausbildungsassistent unterzubringen sei schwerer bei Schülern, die den Förderweg gegangen sind.

 
 

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