Mit Laubdecke in den Winterschlaf

Birgit Hölker-Schüttler
Noch einiges zu tun in ihrem Flanderbach’schen Gartenparadies: Für Ulrike Schneider hat die Erntezeitder Quitten begonnen.
Noch einiges zu tun in ihrem Flanderbach’schen Gartenparadies: Für Ulrike Schneider hat die Erntezeitder Quitten begonnen.
Foto: WAZ FotoPool
Bevor ihr Rückzug ins Haus beginnt, hat Kräuterhexe Ulrike Schneider noch einiges in ihrem Garten zu tun. Erntezeit für Quitten und Holunder.

Velbert.  „Eigentlich mache ich jetzt gar nicht mehr so viel im Garten“, winkt Kräuterhexe Ulrike Schneider ab, bevor ihr beim Rundgang durch ihr Flanderbach’sches Gartenparadies doch noch so einiges einfällt. Als sie vor 14 ½ Jahren herzog, erwarteten sie hier schwarze Löcher und vertrocknete Büsche, wo heute ein buchsbaumgerahmtes Kräuterfeld an das nächste grenzt, Wasserläufe den Hang hinabperlen und der wilde Wein die Terrassen bedeckt.

In diesem Jahr geerntet hat sie bereits die vielen Kräuter, die jetzt in ihrem gemütlichen Wohnraum an einer Leine vor sich hintrocknen. „Zwischen dem 15. August und dem 15. September sind die ,Frauen-Dreißiger’, so nennt man die Erntetage in Süddeutschland“, holt sie aus ihrem breiten Erfahrungsschatz aus. „Die Pflanzen werden dann zu Kräuterbuschen zusammengebunden, in der Küche aufgehängt und dienen so im Winter über als Hausapotheke.“

Saft, Likör und Suppe aus Quitten

Zu den letzten Handgriffen, die noch vor Wintereinbruch zu tun sind, zählt auch die Quittenernte. Zentnerweise hat sie goldgelbe Früchte von dem zwölf Jahre alten Baum geerntet und erfreut sich jetzt an ihrem aromatischen Duft. Verarbeitet werden sie zu Saft, geraspelt kommen sie in selbstangesetzten Likör oder werden als Karotten-Quitten-Suppe dankbaren Familienmitgliedern vorgesetzt. Dass sie das heute seltene Obst in ihrem Garten angepflanzt hat, hat seinen Grund. „In meinen Garten möchte ich gerne Pflanzen haben, die ich nicht überall kaufen kann.“

Auch der Holunder muss jetzt weiter verarbeitet werden. Dafür wird er heiß entsaftet und in Flaschen abgefüllt, später bei Bedarf in Gelee weiter verarbeitet. Eine Dolde behält sie zurück, trocknet sie zwischen Küchentüchern und sammelt die Kügelchen in einem Gläschen. Den obwohl man Holunder nicht roh in Mengen verzehren soll, sagt man den Kügelchen eine heilende Wirkung gegen Durchfall nach. „Die Dosis macht das Gift“, sagt die Kräuterexpertin, die bereits seit einiger Zeit ihr umfangreiches Wissen, das sie aus Büchern und durch den Besuch von Seminaren sammelt, beim Stammtisch in ihre Haus weitergibt.

Abgesehen von den Ernteaufgaben hält die Expertin nichts von super aufgeräumten Gärten und breitet lediglich als Wintervorbereitung eine schöne Laubschicht über ihre Pflanzen als Tierzuflucht und Schutz gegen die Kälte. „Laub ist wie eine Decke im Winter“, ist sie sicher. „Genau wie die Pflanzen sich im Winter in ihre Wurzel zurückziehen, sollten wir uns dann auch auf das Haus konzentrieren.“