Kunst im Zauberwald in Neviges

Karsten Behr lebt bis zum Herbst im Wald um die Silvio-Gsell-Tagungsstätte. Seine Kreativität hat auch eine politische Botschaft. Bild : Detlev Kreimeier
Karsten Behr lebt bis zum Herbst im Wald um die Silvio-Gsell-Tagungsstätte. Seine Kreativität hat auch eine politische Botschaft. Bild : Detlev Kreimeier
Foto: WAZ FotoPool
Karsten Behr lebt als Kreativer im Wald rund um die Silvio-Gesell-Tagungsstätte. Mit seinen Werken will er den gesellschaftlichen Wandel vorantreiben.

Neviges.. Der Wald rund um die Silvio-Gesell-Tagungsstätte verändert sich täglich. Nicht nur die Jahreszeiten bestimmen das Bild. Der Skulpturenkünstler Karsten Behr lebt und arbeitet seit April in diesem Wald.

Unter dem Thema „Gesell schafft Kunst“ lädt der Wald und mit ihm der Künstler zur Erfahrung der Sinne ein. Ein Portal lädt zum Eintreten ein. Drei seiner Skulpturen empfangen den Besucher: Mobile Wände mit fließend wirkenden Formen, mit Ausbuchtungen, bepflanzt, mit Wasser oder anderen Naturmaterialien angefüllt. Gleich dahinter ein Schild: „Bitte nur auf dem Laub laufen. Die Ränder sind mit Rasen und Blumen besamt.“ Wer will, kann die nackten Füße wörtlich nehmen und den Naturpfad direkt empfinden. Moos, Laub und kleine Zweige bilden ein angenehmes Fußbett. Vögel singen um die Wette. Sonnenstrahlen treffen vereinzelt auf den Boden.

„Alles fließt und ist vergänglich“, sagt der Künstler. Er konstruiert und baut aus dem, was der Wald hergibt. Wasserschläuche, Glas, eine verrostetes Grillblech. Darin entdeckt man bei genauem Hinsehen ein Handy, ein Spielzeugauto. „Alles im Wald gefunden.“ Darunter ein Laubhaufen, der allein in den letzten vier Wochen um ein Drittel geschrumpft ist. „Alles verändert, wandelt sich“.

„Transition Town“

Der Kölner will auf die Transitionsbewegung aufmerksam machen. Was das ist? Rund 900 Unternehmungen weltweit sind unter dem Begriff „Transition Town“ registriert. Lokale Unternehmungen wie das Bepflanzen von U-Bahnhöfen mit Tomaten, Zucchini oder Kürbissen. Essbarem, das an der Straße wächst. Eigene Währungen, die die lokale Wirtschaft fördern, Kreisläufe schaffen und Geld ins Fließen bringen. Selbstversorgende und autonome Regionen, die erneuerbare Energien fördern und dem Öl langfristig abschwören wollen.

Der Wald macht es vor. Ein funktionierendes Ökosystem. Wasserschläuche winden sich einer Schlange gleich um zwei Baumstämme. Erst wirkt es natürlich, dann wird der Schlauch sichtbar. Irgendwann wird er verwachsen, vermoost sein. Schon jetzt ist er Teil des Zauberwaldes von Karsten Behr geworden. Jeden Tag kommt etwas hinzu. Verrottet etwas anderes, wird Humus und steht als Mineralstoff irgendwann wieder zur Verfügung. Im letzten Jahr lebte und wirkte der Künstler in Köln auf einer Brache. Wurde von Andreas Bangemann, dem Leiter der Tagungsstätte, entdeckt und engagiert. Mit „Gesell schafft Kunst“ will dieser auf den gesellschaftlich notwendigen Wandel aufmerksam machen. Von Donnerstag bis Sonntag wird des 150. Geburtstags von Silvio Gesell gedacht. In dem rund zwei Hektar großen „Freiwirtschaftswald“ soll die Verbindung von Natur, Kunst und den Vorstellungen einer natürlichen Wirtschaftsordnung hergestellt werden. „Auf künstlerischem Weg soll die Notwendigkeit eines Umdenkens in den brennendsten Fragen unserer Zeit dargestellt werden.“

Karsten Behr wird bis zum Herbst im Wald schaffen und gestalten. Der sympathische Individualist ist offen, will sich verbinden und zum Umdenken und Handeln animieren. Er lädt ein, den sich ständig wandelnden Wald zu erleben und in ihm Kunst zu erfahren.

 
 

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