Kleinkinder als „Waldzauberer“

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Die neue Großtagespflegestelle im ehemaligen Gemeindehaus Eichenkreuzhöhe am Hopscheider Weg in Langenberg setzt auf ganzheitliche und naturnahe Förderung. Bis zu neun Kinder können dort derzeit täglich betreut werden.

Langenberg..  Arzu Mese sitzt mit fünf Kleinkindern, das kleinste auf dem Schoß, im Kreis auf den weichen Matratzen im großen Spiel- und Bewegungsraum der Kindertagespflege „Waldzauber“. Josh Bianchini liest, etwas abseits, zwei weiteren aus einem Buch vor.

Die Situation erinnert an eine Großfamilie, nicht zuletzt weil der Umgang der beiden Erzieher mit ihren Schützlingen sehr vertraut und liebevoll ist. Während die Kinder um Arzu Mese in einem Bilderbuch blättern, deutet sie auf einzelne Motive und fragt: „Was ist das?“ Die zweijährige Julie sagt wie aus der Pistole geschossen: „Ei!“ So geht es weiter: „Und wo kommt das Ei her?“ Julie ruft: „Huhn.“ „Und wie macht das Huhn?“ Unisono antworten alle: „Kikeriki!“ Später singen alle zusammen „Das Lied über mich“. Die Kleinen tanzen zur Melodie und ahmen den Hund nach, der im Lied erwähnt wird: „wau, wau, wau“. Als es um die Hände geht, „Ich hab Hände sogar zwei“, drehen sie ihre Fingerchen in der Luft. Singend lernen die Kleinen ihre einzelnen Körperteile kennen.

Mit Musik geht alles besser

„Wir musizieren viel“, sagt Arzu Mese. „Das ist gut für die Sprachentwicklung“, ergänzt Josh Bianchini. Beide leiten zusammen die neue Großtagespflegestelle „Waldzauber“. „Wir verfolgen einen situationsorientierten Ansatz“, erklärt Mese. „Die Kinder schnappen Tiernamen auf, und wir machen daraus ein Projekt, in dem die Kinder das Thema mit allen Sinnen erkunden: Wir singen über Tiere, machen ihre Laute nach, fahren zum Bauernhof,streicheln die Tiere und später malen wir sie.“

Ausflüge in den nahen Wald

Überhaupt machen die „Waldzauberer“ ihrem Namen alle Ehre und verbringen tatsächlich viel Zeit in der Natur – entweder auf der großen Wiese, die zur Einrichtung gehört, oder im direkt angrenzenden Wald. „Die Kinder sind ganz fasziniert, wenn sie Würmer oder Wurzeln kennenlernen“, sagt Arzu Mese, die – wie Josh Bianchini – 28 Jahre alt ist und seit zehn Jahren mit Kindern arbeitet.

Entwicklung wird dokumentiert

Wer so viel Neues entdeckt, braucht natürlich auch Ruhepausen und gutes Essen. Alle Mahlzeiten bereitet eine Küchenhilfe in der hauseigenen Küche mit frischen Zutaten selbst zu. Ihren Mittagsschlaf halten die Kleinen in einem der zwei Schlafräume, in dem jeder sein eigenes Bett hat. Zu jedem Kind gibt es ein Portfolio. In Ordnern dokumentieren die Erzieher die Entwicklung des Kindes, was es kann, wie sich Sprache und feinmotorische Fähigkeiten entwickeln, wo es besonders begabt ist oder Unterstützung benötigt.

Enger Kontakt zu den Eltern

Die Nähe zu den Eltern ist Josh Bianchini und Arzu Mese wichtig. So ist der Portfolio-Ordner, den jedes Kind mit seinen Eltern gestaltet (Thalia etwa hat ihren mit Blumen und Schmetterlingen verziert), jederzeit für die Eltern zugänglich. Der Austausch zwischen Erziehern und Eltern findet regelmäßig statt – über Elternabende (zu unterschiedlichen Themen, zum Beispiel Ernährung), Elterncafés und Entwicklungsgespräche.

Mit Blick auf den Baldeneysee

Doch nicht nur die Kinder tanken im „Waldzauber“ Kraft. Auch ihre Eltern gönnen sich dort gerne eine kleine Auszeit vom Alltagsstress – am liebsten auf einer der Bänke auf der Wiese hinterm Haus mit Blick auf den Baldeneysee.

 
 

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