„Kirmesmörder“ Jürgen Bartsch verhalf Langenberg zu trauriger Berühmtheit

Archiv-Foto: Kartenberg
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Man nannte ihn den „Kirmesmörder“, weil er auf Rummelplätzen seine Opfer suchte: Jürgen Bartsch verhalf Langenberg zu trauriger Berühmtheit. 15 Jahre ist Jürgen Bartsch alt, als er am 31. März 1962 den achtjährigen Klaus-Herrmann Jung umbringt. Vor 50 Jahren begann seine Mordserie.

Langenberg. Als er seinen ersten Mord begeht, ist er selbst noch ein halbes Kind: 15 Jahre ist Jürgen Bartsch alt, als er am 31. März 1962 den achtjährigen Klaus-Herrmann Jung umbringt. Ein Mord, dem drei weitere folgen – Taten von so sadistischer Grausamkeit, dass sie Langenberg als Heimat des „Kirmesmörders“ zu ebenso trauriger wie fragwürdiger Berühmtheit verhelfen. 50 Jahre ist das nun her – vergessen ist es nicht.

1966 endete das Morden

Die Heegerstraße in Bonsfeld: Eine Dreifach-Leitplanke versperrt heute den Zugang zu dem Luftschutzbunker, in den der Adoptivsohn der wohlhabenden Metzgerfamilie nacheinander vier Jungen lockt. Sie quält, sich an ihnen vergeht, bevor er sie tötet und ihre Leichen zerstückelt. Erst ein älterer Junge, den der junge Mörder – nun schon 19-jährig – im Juni 1966 aus Wuppertal-Vohwinkel in den Oberbonsfelder Luftschutzbunker lockt, beendet die Mordserie.

Junge kann fliehen

Als Bartsch seine sadistischen Quälereien unterbricht, um ja auch pünktlich zum Abendessen nach Hause zu kommen, gelingt seinem 14-jährigen Opfer die Flucht: In wilder Panik vor den Drohungen Bartschs, später wiederkommen und ihn töten zu wollen, brennt der Junge die Stricke seiner Fußfesseln mit einer Kerze durch, die sein Peiniger im Bunker brennen ließ.

Erste Tat als 14-Jähriger

Drei Tage später wird Bartsch in der elterlichen Wohnung an der Finkenstraße festgenommen. Dabei hatten nicht allein die Hinweise des letzten Opfers zur Festnahme des jungen Mörders geführt. Auf die Spur des Metzgergesellen, dessen Adoptiveltern in Essen eine gut gehende Metzgerei besaßen, brachte die Ermittler eine Tat, die Bartsch fünf Jahre zuvor begangen hatte. Schon damals hatte er – erst 14 Jahre alt – ein Kind in den Bunker gelockt: den Sohn eines Langenberger Malermeisters. Zum Äußersten kam es damals noch nicht. Doch auch dieses Kind quälte und missbrauchte Bartsch.

Prozess eingestellt

Vielleicht die fatalste Panne, die in der Mordserie Bartsch passierte: Dass der so massiv auffällig gewordene Jugendliche nach dieser Tat zwar vorm Amtsgericht Wuppertal angeklagt, das Verfahren dann aber eingestellt wurde. So begann nicht einmal ein Jahr später die grauenvolle Mordserie.

Täter und Opfer

Der allerdings, das wurde später deutlich, nicht nur Täter, sondern auch Opfer war – mag diese Erkenntnis noch so schwerfallen. Mehrer Autoren, die sich mit dem „Fall Bartsch“ beschäftigten, Juristen, vor allem aber Ärzte stellten später fest: Bartsch selbst war als Kind auf einem katholischen Internat sexuell missbrauch worden, hatte unter Gewaltattacken der Mutter gelitten, in seiner Kindheit eine Hölle durchlebt, ohne sich jemandem mitteilen zu können.

Menge will ihn lynchen

Im Dezember 1967 wurde Bartsch, den eine aufgebrachte Menge nach seiner Verhaftung lynchen wollte, vom Landgericht Wuppertal zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt, in einem Revisionsverfahren, das der spätere Staranwalt Rolf Bossi betrieb, wurde das Urteil 1971 in eine zehnjährige Jugendstrafe mit anschließender Unterbringung in der Landespsychiatrie Eickelborn umgewandelt.

Tod bei der Operation

Dort starb Jürgen Bartsch im April 1976 im Alter von 29 Jahren während einer Operation: Bei der Kastration, die er selbst beantragt hatte, um der lebenslänglichen Unterbringung in der Psychiatrie zu entgehen, war das Narkosemittel zehnfach überdosiert worden.

 
 

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