Kerstin Griese deutet Erststimmen-Ergebnis als Kompliment

„Ich habe Wahlkampf für Rot-Grün gemacht“, sagt Griese. Sie wertet ihr Erststimmen-Ergebnis auch als Kompliment für ihre Präsenz vor Ort: „Die Menschen wollen Politiker mit einem klarem Profil.“
„Ich habe Wahlkampf für Rot-Grün gemacht“, sagt Griese. Sie wertet ihr Erststimmen-Ergebnis auch als Kompliment für ihre Präsenz vor Ort: „Die Menschen wollen Politiker mit einem klarem Profil.“
Foto: WAZ FotoPool
Kerstin Griese (SPD) stellt sich einen Tag nach der Bundestagswahl zum WAZ-Gespräch. Ihren Wahlkreis hat sie erneut an Peter Beyer (CDU) verloren, obwohl sie bei den Erststimmen im Vergleich zu 2009 zugelegt hat. Im Interview verrät sie ihre Ziele – unter anderem für die anstehenden Kommunalwahlen.

Velbert..  Kerstin Griese (MdB-SPD) hat, zumal im Wahlkampf-Endspurt, schwer gerackert, hat auch besser abgeschnitten als 2009 – und hat dennoch ihr persönliches Ziel verfehlt, Peter Beyer den hiesigen Wahlkreis abzujagen. Das Direktmandat gehört mit 8,5 Prozentpunkten Vorsprung wieder dem CDU-Mann. Gleich am Tag danach war die Ratingerin zu Gast bei der WAZ, um mit Redakteur Klaus Kahle über die Bundestagswahl und über Zukünftiges zu sprechen.

Was haben Sie in dem Moment empfunden, als klar wurde, dass der Wahlkreis an Beyer geht?

Ich war natürlich enttäuscht, weil ich einen sehr aktiven Wahlkampf gemacht habe mit vielen interessanten Veranstaltungen und sehr viel positive Resonanz erhalten habe.

Und wie geht’s Ihnen heute?

Entspannt. Vor vier Jahren musste ich mein ganzes Leben neu organisieren.

Sie haben ja erneut deutlich mehr Erststimmen bekommen als die SPD Zweitstimmen. Wie deuten Sie das?

Ganz offensichtlich spreche ich auch Leute über das SPD-Spektrum hinaus an. Ich empfinde es auch als Kompliment für meine Präsenz vor Ort. Viele Menschen haben sich bedankt, dass ich mich um ihre Belange kümmere. Die Menschen wollen Politiker mit einem klaren Profil.

Ihr Kommentar zu Peer Steinbrück, der im Südkreis der CDU-Frau Michaela Noll kläglich unterlegen ist?

Peer Steinbrück hat trotz seines bundesweiten Engagements als Kanzlerkandidat viele Termine vor Ort gemacht, und unsere Zusammenarbeit ist sehr gut. Sein Wahlergebnis liegt im Bundestrend.

Opposition sei Mist, hat – unvergessen – mal Franz Müntefering gesagt. Was sagen Sie – und wie stehen Sie zu einer großen Koalition?

Ich habe Wahlkampf für Rot-Grün gemacht. Der Ball liegt im Feld von Frau Merkel. Sie muss schauen, wie sie eine Regierung zusammen bekommt. Meine Partei muss ihr inhaltliches Profil wahren.

Wie sehen Sie Ihre Rolle und weitere Arbeit in Berlin?

Ich möchte meine Schwerpunkte in der Sozial- und Familienpolitik einbringen. Ich möchte dort die Schlüsselregion gut vertreten und werde mich mit Sicherheit auch für die Beziehungen zwischen den Kirchen und Religionsgemeinschaften und der Politik weiter engagieren.

Was ist – aus Ihrer Perspektive als Vorsitzende – jetzt im SPD-Kreisverband Mettmann zu tun?

Ich will die inhaltliche Arbeit verstärken und neue Mitglieder gewinnen. Wir haben die Kommunalwahlen im Blick und wollen Gestaltungsmehrheiten in den Räten. Dazu bin ich auch mit den Grünen im Gespräch.

Wie würde Ihr Leben ohne Politik aussehen?

Das hängt ja nicht von einem Mandat ab. Ich bin seit meiner Jugend politisch ehrenamtlich aktiv und werde immer ein politischer Mensch bleiben.

Gibt’s Kerstin Griese eigentlich auch privat?

Natürlich. Z. B. gerne beim Walken im Angertal oder beim Schwimmen. Und natürlich auch mit meinen Patenkindern und im Urlaub in Nordfriesland.

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