Kaffee und Neuigkeiten

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Seit 22 Jahren betreibt Dirk Wortmann sein Stehcafé in Nierenhof. Und die Kundschaft wechselt dort stündlich.

Nierenhof.. „Un dann stonn se en d’r Kaffeebud“, heißt es in einem bekannten Lied der Bläck Fööss. So auch im Stehcafé von Dirk Wortmann in Nierenhof. Seit 22 Jahren bewirtschaftet Wortmann nun schon die kleine Kaffeebude an der der Einmündung Grüner Winkel zur Bonsfelder Straße. Den Tipp auf ein leerstehendes Ladenlokal bekam er seinerzeit von seinem Bruder, der vis-a-vis ein Friseurgeschäft betreibt. Dirk Wortmann, bereits vorher in der Gastronomie tätig, griff zu. Seitdem klingelt für ihn jede Nacht um halb drei der Wecker.

Die Nachtruhe ist vorbei. Nun gilt es doch den Kiosk vorzubereiten, die frischen Brötchen zu belegen, den Kaffee aufzubrühen und die Zeitungen zum Verkauf auszulegen, denn um vier Uhr werden die Rollläden hochgezogen und der Verkauf startet. Vor Schichtbeginn decken sich Arbeiter mit belegten Brötchen, Frikadellen, der Tageszeitung und andere Kleinigkeiten ein. Kurz nach sechs das umgekehrte Bild: Nachtschichtende – ein kleiner Kaffee, die neuste Zeitung und ab geht es nach Hause.

Die nächste Rushhour beginnt dann um halb acht: „Jetzt ist Angestelltenzeit“ erklärt Dirk Wortmann und bereitet neue, frische Brötchen, Croissants vor, denn bald ist Pausenzeit und Handwerker parken mit ihren Wagen auf den vorgesehenen Parkplätzen. Nun gibt es auch heiße Bockwürstchen, Bratwurst oder Leberkäse und schnell ist auch hier die Ware vergriffen.

Um 10 Uhr ist auch Schichtwechsel im Verkaufsraum. Chef Wortmann legt sich nun noch mal aufs Ohr, ruht sich aus. Die Mitarbeiterin übernimmt jetzt den Job. Nachmittags folgt dann ein weiterer Wechsel: Dann wird aus der Kaffeebude eine kleine Kneipe. Wortmann hat auch hierfür die Konzession. Rentner trinken nun hier ihr Bierchen.

Aber es ist nicht nur das Versorgen mit Lebensmitteln und Zeitschriften, was das Stehcafé zu bieten hat. „Manchmal bin ich hier auch Seelsorger“, verrät Wortmann. „Die langjährigen Kunden kommen mit ihren Sorgen hierher. Kommunikation wird groß geschrieben. Hier trifft man sich, um Probleme des Alltags, die Bundesliga oder über dies und jenes zu diskutieren und auch über die Politik zu schimpfen. Die neusten Nachrichten laufen per N24 auf dem Fernsehapparat in der Ecke. Nur geraucht werden darf im Raum nicht. Aber vor der Tür ist ein großer Aschenbecher unter einem Sonnenschirm platziert – auch bei Regen ein willkommener Ort, um sich eine Zigarette anzustecken.

Kinder als Kunden hat Wortmann nicht mehr. „Die Mädchen und Jungen kaufen ihre Süßigkeiten nicht mehr hier“, erzählt er. Und: „Da musste ich mich etwas umstellen und biete nun auch warme Kleinigkeiten an.“

Geöffnet hat Wortmanns Stehcafé täglich von 4 bis 20 Uhr. Samstags und Sonntag ändert sich das Publikum. Dann machen Fahrradtouristen einen Stopp an dem Geschäft oder Spaziergänger, die mit dem Zug aus Essen angereist sind, versorgen sich noch auf die Schnelle oder ziehen nach der Wanderung noch ein Resümee und ruhen sich etwas aus, bevor es wieder mit der S9 ins Ruhrgebiet geht. Am Montag geht es wie im Lied weiter: „un schödden sich de Kaffe in d’r Kopp“. Und das seit 1990.

 
 

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