Im Velbert startete die letzte Etappe zum 100 km-Lauf

Und los geht’s Richtung Wuppertal. WAZ-Redakteurin Kathrin Melliwa (links)  begann auf der Bahntrasse am Brauhaus ihren 25 Kilometer-Lauf. Zu diesem Zeitpunkt hatte der erste 100km-Läufer Velbert schon passiert.
Und los geht’s Richtung Wuppertal. WAZ-Redakteurin Kathrin Melliwa (links) begann auf der Bahntrasse am Brauhaus ihren 25 Kilometer-Lauf. Zu diesem Zeitpunkt hatte der erste 100km-Läufer Velbert schon passiert.
Foto: WAZ FotoPool
Durch sieben Städte, unter anderem Velbert und Heiligenhaus, führte der 100 km-Lauf „WHEW100“. Auf dem Panoramawadweg in Velbert war am „Brauhaus“ die 75 km-Marke. Hier stieg WAZ-Redakteurin Kathrin Melliwa ein. Und erlebte auch im „letzten Viertel“ so einiges.

Velbert..  Ein bisschen blutet Reimund ja schon das Herz. Zu gern wäre der Ultralaläufer beim „WHEW 100“, dem ersten 100 km--Lauf durch sieben Städte, dabei gewesen. Eine Meniskus-OP machte die Pläne zunichte, und jetzt verteilt Reimund mit seinem Team auf dem Panoramaradweg hinter dem Brauhaus Bananen, Kartoffelstücke und Cola und hütet zudem seine Wunderkiste mit Verbandszeug und Ersatzbirnen für Stirnlampen. Für jene Läufer, die noch im Dunklen unterwegs sein werden – was ich um 14 Uhr nicht vorhabe. Aber ich trabe ja auch nur das letzte Viertel, 25 km bis Ziel Wuppertal.

In Wülfrath kam Retter Oliver

Viel grün, viel geradeaus und ein bisschen einsam, so sieht’s die ersten Kilometer aus. Der Aldi-Markt in Tönisheide ist in Sicht, zwei Rentner am Rande schwenken ihren Regenschirm. „Bravo, gut gemacht.“ Was mir ein bisschen peinlich ist. Gut gemacht? Denken die etwa, ich bin schon seit Stunden auf den Beinen und laufe volle Distanz? Aber muss ja nicht jeder wissen, höflich winke ich zurück. „Super, danke!“ Trab, trab, trab, geht’s weiter, und immer schön auf das rot-weiße Flatterband achten. Das markiert die Route, gilt es doch auf dem Weg Richtung Wülfrath die eine oder andere Straße zu kreuzen. Und verlaufen, das fehlte gerade noch – muss ich auch bei nur 25 Kilometer nicht haben.

Die Landschaft ist traumschön, bei der nächsten Verpflegungsstation nach 10 Kilometern reicht Sabine vom Team „Projekthunde“ Wasser und Iso-Star, jetzt links um die Kurve – und wieder liegt ein endlos langer Weg vor mir. Etwas lustlos trotte ich vor mir her. Ist ja noch ganz schön weit, warum tue ich mir das an? Nicht ahnend, dass mein Retter naht. „Hi, wie viel machst Du denn“; tönt es plötzlich munter neben mir. „25, und Du?“ – „100.“ Plötzlich bin ich hellwach, nehme Haltung an und gebe Gas. Toll, ein echter Ultra, jetzt bloß nicht hängen lassen. Oliver aus Bremerhaven ist nicht nur nett, sondern zudem ein echter Crack, aber das ahne ich da noch nicht. „Wir können ja zusammen laufen“, heißt es neben mir, ich kann nur nicken und habe genug mit meinen Beinen zu tun. Mann, ist der noch fit! Das Dorf Düssel durchtraben wir in einem Tempo, dass ich die schmucken Häuser so gerade aus den Augenwinkeln registriere. „Lauf du nur, ich mache dir sonst nur die Zeit kaputt“, japse ich, aber Oliver Leu ist Gentleman. „Wir können auch ruhiger, die Saison fängt für mich erst an, ich bin noch nicht so richtig im Training.“ Aha.

Die letzten 100 km-Läufer kamen um kurz vor 22 Uhr ins Ziel

Unvorstellbar, dass Oliver Leu morgens um sieben Uhr an den Start ging – da lag ich noch im Bett – seitdem ununterbrochen läuft und dabei noch so gute Laune hat. In Spitzenzeiten trainiert der 39-jährige Physiotherapeut bis zu 220 Kilometer in der Woche. „Richtig gesund ist das nicht, aber mir macht’s Spaß.“ Vom „WHEW“ hat er durch Freunde erfahren. „Toll ist auch der Spartathlon von Arhen nach Sparta, 246 km.“ Ich irritiert: „Äh, in wie viel Etappen? Mit Übernachtung?“ Trabtrab. „Nein. Ein Lauf. Meine Bestzeit liegt bei 26.46h.“ Ich sag erst mal nichts mehr. Wir kommen nach Wuppertal, jetzt noch durch den zappendusteren „Tanztunnel“, dann auf die Nordtrasse. Von weither ist Musik ist zu hören. „Wow, wir sind schon da.“ Sagt jener Mann, der über 9 Stunden unterwegs ist. Ich bin baff, das ging zuletzt richtig schnell. Glücklich und stolz laufe ich ins Ziel, Seite an Seite mit dem Europameister im 24-Stunden-Lauf. Und der Applaus, den es für uns beide auf den letzten Metern gab, den hab ich mir frech zu einem Viertel auch eingeheimst.

Sieger ist Fernand Clees aus Luxemburg, die letzten Teilnehmer kamen gegen 22 Uhr ins Ziel. Und alle gesund, was für Organisator Guido Gallenkamp am wichtigsten ist. Gibt’s 2015 eine Neuauflage. „Von mir aus auf jeden Fall.“

 
 

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