Herr der Inseln

Eröffnung des Kulturhaupstadtprojekts RUHR ATOLL auf dem Baldeneysee in Essen am Mittwoch den (12.05.10) Bilder : Jakob Studnar - fotopool
Eröffnung des Kulturhaupstadtprojekts RUHR ATOLL auf dem Baldeneysee in Essen am Mittwoch den (12.05.10) Bilder : Jakob Studnar - fotopool

Langenberg.. Für einen Sommer fremdgegangen ist Künstler Norbert Bauer. Als „Herr der Inseln“ ist er nach Werden gewandert. Dorthin folgen ihm jetzt auf Einladung der SPD an die vierzig Velberter Bürger.

Beim Joggen um den Baldeneysee sei ihm vor fünfzehn Jahren die Idee zu seinem aktuellen Projekt gekommen. Eine Industriekulisse wie den ursprünglich als Reinhaltebecken für die Ruhr geplanten Baldeneysee wollte der Künstler nutzen, um in der Tradition Leonardo da Vincis Synergien zwischen Kunst und Wissenschaft herzustellen. Unter dem Motto „Kunst ist Energie – Energie ist Bewegung“ und dem Konzept der Teambildung aus Wissenschaftler und Künstler entstand so die Idee zu seinem Ruhr-Atoll. „Von den ursprünglich zwanzig geplanten Inseln in Kupferdreh sind auf ihrem Weg bis Werden zwölf übrig geblieben. Durch weitere Schwierigkeiten wie Hochwasserproblematik, Einwänden von Naturschützern und fehlendem Geld sind es aktuell vier Exponate, die besichtigt werden können“, plaudert Bauer über den Entwicklungsprozess. Aber auch die Modelle, die nicht realisiert werden konnten, sind eine Besichtigung wert und werden von der Langenberger Gruppe staunend in der Ruhr-Atoll-Halle bewundert. „Wir haben schon viel aus den Medien über sein Ruhr-Atoll gehört und haben die Gelegenheit genutzt, sie uns jetzt mal selber anzuschauen“, erklärt Tina Hardt. Allein das interessante Langenberger Haus des Künstlers in dessen Garten sogar ein Schwanenpaar wohne, habe dagegen seine Nachbarin Elke Dörge bewogen, sich noch mehr Werke des Schaffenden anzusehen. Durch die Modell-Reihen führend gerät Norbert Bauer derweil ins plaudern: „Hier die auf dem Rücken liegende Dampflok von Rolf Hinterecker, was für ein Sinnbild für den Strukturwandel im Ruhrgebiet! Hätten wir gerne realisiert, ist aber an den Kosten von ungefähr 450.000 Euro gescheitert.“ Andere Projekte wie der fast schon fertiggestellte Rettungsring von C.U. Frank, scheiterten an den Ansprüchen von Naturschützern: „Um ihn am Werdener Wehr installieren zu können, hätten wir den Wasserpegel absenken müssen, was einem Fischereiverband nicht passte.“ Erspart blieb den Besuchern auch eine Inselidee, die sich der Kurator selbst ausgedacht hat. „Ich wollte Trimmräder auf meiner Insel errichten, so dass die Besucher ihren eigenen Energiebeitrag zum Kunstwerk geleistet hätten, fand es aber nicht richtig, meinem Projekt, gegenüber den anderen Kunstwerken, den Vorzug zu geben.“

Energie lassen müssen die Langenberger dennoch, als es nach dem Besuch der Halle und dem Gespräch mit dem Initiator direkt an den Baldeneysee und per Tretboot zu den letztendlich realisierten Inseln geht. Erste Station ist die von Ilya und Emilia Kabakov entworfene Insel „Projekt zur Erhaltung natürlicher Ressourcen“. Das klapprige Kunstwerk wirft einen ironischen Blick auf die Machbarkeit der Wissenschaft. Es wurde aus Gebrauchtteilen, die Bauer von überall her zusammengesucht hat, zu einer rostigen Wassergewinnungsanlage mit stinkendem Dieselmotor und einer zum Forscherlabor umfunktionierten Schreber­hütte aus Altenessen gestaltet. „Den Schiefer für den Boden habe ich selbst in den Langenberger Wäldern geklaut“, lässt er die Besucher nach einem Stück ihrer Heimat suchen. Weiter geht es vorbei an „Frosch und Teemeister“, der einzigen nicht betretbaren Insel von Kazuo Katase und dem Architekten Michael Wilkens. Beim näheren Hinsehen fällt hier auf, dass das traditionell anmutende Teehaus durch ein Stahlgerüst eine Verbindung zur Industriekultur eingeht.

Anders als erwartet empfängt die Besucher im Iceberg von Andreas Kaiser eine große Hitze. Unheimlich wirken die Geräusche, die hier zu hören sind. „Dabei handelt es sich um Originaltöne, die der Physiker Lars Kindermann monatelang vom arktischen Meer aufgezeichnet hat“, vermittelt Bauer, bevor es zur letzten Station, dem U-Boot von Andreas M. Kaufmann, geht. Durch Kriegs- und Terrorbilder, die der Medienwissenschaftler H. U. Reck zusammengetragen hat und die die Fenster des schwimmenden Kriegsgerätes zieren, wirkt es im Inneren wie eine zum Frieden mahnende Kathedrale.

 
 

EURE FAVORITEN

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Beschreibung anzeigen