Gasthof soll Wohnhäusern weichen

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Denkmalgeschützt ist es nicht, das alte Fachwerkhaus in Nierenhof. Dennoch bedauert mancher, dass die Tage dieses ortsbildprägenden Gebäudes wohl bald gezählt sind.

Nierenhof..  In der Ratssitzung am Dienstag wurde eine Gnadenfrist beschlossen, retten wird ihn das aber nicht: Die Tage des Gasthofs Nierenhof sind gezählt. Wohnhäuser sollen demnächst im Karree Hattinger Straße/Bonsfelder Straße/Auf dem Einert entstehen – dort, wo Generationen von Nierenhofern aber auch viele Gäste aus Nah und Fern über 100 Jahre lang einkehrten.

Einen Bauantrag, das alte Fachwerkhaus nebst angrenzender Scheune abzureißen und dort elf Reihenhäuser zu errichten, hatte ein Architekt bereits im Januar bei der Stadt eingereicht. Und damit zunächst den Planungsausschuss, dann den Hauptausschuss und nun auch den Rat auf den Plan gerufen. Denn: Da früher nie zur Rede stand, den Gasthof abzureißen, hatte auch nie Bedarf bestanden, für das Bebauungsplangebiet 106 „Auf dem Einert“ einen besonderen Gestaltungsplan aufzustellen.

Rat erlässt Veränderungssperre

Mit seinem Plan hatte sich der Architekt genau an die Gegebenheiten gehalten, die früher für dieses Wohngebiet festgelegt worden waren: zweigeschossige Bebauung, einer Grundflächenzahl von 0,3 und eine Geschossflächenzahl von 0,6 – so, wie am Einert schon vorher gebaut worden war. Was bei der Neubauplanung jetzt allerdings herauskam, gefiel weder Politik noch Verwaltung. Als „klein wie Hühnerställe“ empfand zum Beispiel Nierenhofs UVB-Ratsfrau Gerda Klingenfuß die Einheiten, dazu mit viel zu kleinen Vorgärtchen zur Bonsfelder Straße hin geplant.

Einstimmig zog der Rat daher die Notbremse. Da dem Bauherrn nach dreimonatiger Wartezeit ohne Bescheid ein Baurecht automatisch zugestanden hätte, beschlossen die Politiker nun eine Veränderungssperre für das Gebiet – was eine Bebauung vorerst unmöglich macht. Endgültig ablehnen will man die Neubebauung der Fläche allerdings nicht, wie Andres Wendenburg deutlich machte. „Es geht nicht darum, den Bauherrn zu gängeln, aber es muss ein Kompromiss her, der dieser das Ortsbild prägenden Lage des Grundstücks gerecht wird“, so der Baudezernent.

Durch die nun erlassene Veränderungssperre wird sich demnächst also noch einmal der Planungsausschuss mit dem Thema befassen. Dann soll eine 1. Änderung des Bebauungsplanes 106 beschlossen werden – eine, die beiden Seiten gerecht wird: dem berechtigten Interesse des Hausbesitzers, das Grundstück wertsteigernd zu bebauen; und dem Interesse der Öffentlichkeit, dem Nierenhofer Ortsbild an dieser sensiblen Stelle ein für das Ortsbild zumutbares Bild zu erhalten.

 
 

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