Gasthof darf abgerissen werden

Hans F. Wüst
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Monatelang hat das Rheinische Amt für Denkmalpflege die Angelegenheit geprüft. Nun steht fest: Die Behörde hält den Gasthof Nierenhof nicht für schützenswert. Grund: „Es hat in der Vergangenheit zu viele Umbauten gegeben.“

Nierenhof.  Der Gasthof Nierenhof ist nicht denkmalwürdig – die Besitzer dürfen ihn also abreißen lassen, um auf der Fläche neue Wohnbebauung zu errichten. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege.

Im Frühjahr war er ins Gespräch gekommen – auch ein Fernsehteam rückte an, um über den Gasthof zu berichten. So viel Medienrummel rief schließlich auch das Rheinische Amt für Denkmalpflege auf den Plan: Man wolle prüfen, ob das alte Haus nicht doch schützenswert sei, hieß es. Was für die Wirtsleute Karin und Ingo Juds erstmal eine Zwangspause aller Abrisspläne bedeutete.

Über einen Architekten hatten die Eheleute einen Bauantrag bei der Stadt Velbert eingereicht, das alte Fachwerkhaus nebst angrenzender Scheune abzureißen und dort elf Reihenhäuser zu errichten. Dem Rat jedoch gefiel die Neubauplanung überhaupt nicht – einstimmig lehnte er den Antrag ab. Da dem Bauherrn nach dreimonatiger Wartezeit ohne Bescheid ein Baurecht automatisch zugestanden hätte, beschlossen die Politiker eine Veränderungssperre für das Gebiet – was eine Bebauung vorerst unmöglich machte. Endgültig ablehnen wollte man die Neubebauung der Fläche allerdings nicht.

Inzwischen aber meldeten sich auch Abrissgegner zu Wort. Der Nierenhofer Bürgerverein sprach sich vehement gegen den Abriss aus. Unstrittig allerdings: Der Gasthof müsste kernsaniert werden, sollte er erhalten bleiben. „Zwei Millionen Euro müssten in eine Sanierung gesteckt werden“, so Ingo Juds – und erklärte: „Das können wir nicht stemmen!“

Inzwischen wurde ein neuer Bebauungsplan vorgelegt. Der wäre wohl auch genehmigungsfähig, liegt aber auf Eis, weil das Ehepaar Juds seit März auf ein Entscheidung der Rheinischen Denkmalbehörde warten.

Und die liegt der Stadt Velbert nun vor. „Das Amt hält den Gasthof nicht für schützenswert – er wird nicht in die Denkmalliste eingetragen“, teilte Denkmalpflegerin Hella Naumann der WAZ gestern auf Anfrage mit. Und nannte auch den Grund: „Dafür gab’s in der Vergangenheit zu viele Umbauten“.

Ingo Juds ist über die Entscheidung froh – und hofft jetzt nur eins: Dass seine Kunden registrieren, dass es den Gasthof Nierenhof überhaupt noch gibt. Denn: „Das Weihnachtsgeschäft ist total weggebrochen – sonst hatten wir um diese Jahreszeit immer schon etliche Termine für Weihnachtsfeiern.

Immerhin: Zu ihrem legendären Gänsebuffet laden die Juds auch in diesem Jahr ein. Am 1. November – jenem Tag, wo sie den Gasthof vor genau 30 Jahren übernahmen.