Frühes Lesen in der „Sprach-Schatz-Insel“

Die vierjährige Anna liest aufmerksam die Kärtchen, die Jennifer Krupinski ihr gibt, zeigt auf Knie, Kopf oder Bauch und spricht das Wort.
Die vierjährige Anna liest aufmerksam die Kärtchen, die Jennifer Krupinski ihr gibt, zeigt auf Knie, Kopf oder Bauch und spricht das Wort.
Foto: WAZ FotoPool
Mit seiner Förderung für Kinder mit Down-Syndrom ist der Verein Impuls 21 umgezogen aus dem Klinikum Niederberg in Barbara Strässers Sprachheilpraxis.

Velbert-Langenberg..  Lachend klettert der vierjährige Rico an der Sprossenwand hoch, Muriel Droste steht hinter ihm; die 17-Jährige ermuntert ihn: „Gut so, weiter!“ Jennifer Krupinski kommt mit der vierjährigen Anna herein. „Anna ist fertig. Kommst Du jetzt mit zum Lesen, Rico?“ Anna und Rico sind mit Trisomie 21, dem Down-Syndrom, geboren – und machen mit beim Angebot „Frühes Lesen“, das der Verein Impuls 21 neuerdings nicht mehr in Velbert, sondern in Langenberg anbietet.

Aus einem Ort bei Wesel kommt Anna, Rico aus Essen. Frühes Lesen in der Bücherstadt Langenberg – das passt ja auch. Jeden Samstagmorgen reisen sie mit ihren Müttern an, um dabei zu sein. Schön sind die Räume der „Sprach-Schatz-Insel“, Praxis für Sprachtherapie von Barbara Strässer an der Hauptstraße.

Schnell wachsende Teilnehmerzahl

„Vorher waren wir im Klinikum Niederberg, hatten aber nur einen Raum“, erklärt Johannes Hindenburg, der den Verein 2011 mit Friederike Escher-Göbel gründete. Der Platz reichte angesichts der schnell wachsenden Teilnehmerzahl bald nicht mehr, denn bei dem Angebot wechseln sich Lese-Einheiten mit Spiel- und Bewegungseinheiten ab. Zu unruhig wurde es in dem Raum. Eher zufällig über einen Kettwiger Osteopathen entstand der Kontakt zur Sprachheilpraxis. „Wir riefen hier an – und Frau Strässer konnte sich sofort vorstellen, dass wir zu ihr kommen“, so Hindenburg.

Eltern können im Städtchen bummeln

Elf Kinder kommen darum jetzt samstags in zwei Schichten, lesen in zwei Zimmern, angeleitet von zwei Kursleiterinnen, und spielen in einem weiteren Raum. Waren die Eltern zunächst noch dabei, so können sie inzwischen für eineinhalb Stunden durchs Städtchen bummeln, während ihre Kinder üben. Aus Wesel, Essen, Solingen, Wülfrath, Duisburg zieht es die Familien zu diesem Angebot nach Langenberg.

Anna sitzt auf einem Tripp-Trapp-Stuhl, vor ihr auf dem Tisch liegen Karten mit einzelnen Worten wie Bein, Bauch, Knie, Arm, Fuß, Haare. „Anna, zeig mir doch mal, wo Deine Haare sind“, fordert Jennifer Krupinski die Vierjährige auf. Die streicht sich durchs blonde Haar, nimmt eine Karte, die ihr Jennifer Krupinski reicht. Auch darauf steht Haare. Nun soll sie die Wortkarte auf die passende Karte auf dem Tisch legen. Das gelingt ihr. „Legst Du auch noch das Bein auf das Bein?“ – „Bein“ artikuliert Anna und führt die Aktion aus. Derweil übt sich Rico mit Hilfe von Muriel Droste im Fädeln. Johannes Hindenburg hilft einer kleinen Teilnehmerin, metallbestückte Moosgummifische mit einer Magnetangel aus einer Schale zu holen.

Anna ist fertig, legt die Wortkarten in einen rosafarbenen Karton mit ihrem Foto darauf. Der geht zu Übungszwecken mit nach Hause. Die Kinder kennen ihre Kisten. Rico greift im Flur gleich zu seiner, bevor er dran ist mit dem „frühen Lesen“. Um Farben geht es heute für ihn. Er bekommt nicht nur die Worte langsam vorgesprochen und die Karte dazu gezeigt, sondern auch die passende Gebärde mit auf den Weg.

Als er fertig ist, läuft er hinaus zu seiner Mama, klopft mit einer Faust auf die flache Hand: „Brötchen“ gibt er ihr damit zu verstehen. Das genießt er danach immer als Belohnung. Und findet beim anschließenden Bummel durch Langenberg vielleicht auch noch ein kleines Büchlein für daheim.

 

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