Forscher entdecken in Langenberg vergessene Geschichte

Mehr ist nicht geblieben: Ein Stückchen Mauer, überwuchert von einer Hecke ist alles, was noch an die wissenschaftliche Einrichtung erinnert.
Mehr ist nicht geblieben: Ein Stückchen Mauer, überwuchert von einer Hecke ist alles, was noch an die wissenschaftliche Einrichtung erinnert.
Foto: Sven Polkläser
Die Westfälische Berggewerkschaftskasse errichtete einst in Langenberg eine so genannte Erdmagnetische Warte. Ein Lehrer übernahm tägliche Bedienung.

Langenberg.. „Im April errichtete die Westfälische Berggewerkschaftskasse in Bochum auf einem von Herrn Friedrich Schwardtmann in Vosnacken gekauften Grundstück hinter dem Schulgarten eine ,Erdmagnetische Warte’. In dieser Warte werden die Schwankungen der Magnetnadel selbsttätig aufgezeichnet. Die Berggewerkschaftskasse hat mir die Beaufsichtigung der Warte anvertraut.“

Mit diesem Satz in der Schulchronik wurden die Ehrenamtlichen Mitarbeiter des LVR-Amts für Bodendenkmalpflege auf ein völlig vergessenes Stück Stadtgeschichte und ein einmaliges Bauwerk aufmerksam. In der Frühzeit des Bergbaus wurde Untertage mit dem Magnetkompass vermessen. Alexander von Humboldt führte erste systematische Messungen im preußischen Bergbau und auf seinen Forschungsreisen durch. Der Mathematiker Carl Friedrich Gauß baute in Göttingen das erste geophysikalische Observatorium auf und konstruierte dafür 1832 ein empfindliches Magnetometer, um die Ursachen der Schwankungen des natürlichen Magnetfeldes zu erfassen.

Auch in Bochum wurde 1854 durch das Bergamt ein erstes Observatorium errichtet. Wegen der zunehmenden Industrialisierung mit ihren ablenkenden Eisenmassen musste die Warte mehrfach umziehen. Vor allem die „vagabundierenden Ströme“ aus den Oberleitungen der Straßenbahnen führten dazu, dass man fernab von solchen Einflüssen, in einem flözleeren und industriefreien Bereich einen neuen Standort suchte. Da der Hauptlehrer der Schule die tägliche Bedienung vornehmen konnte, fiel die Wahl auf den Vossnacken.

Das Gebäude wurde zur Vermeidung von magnetischen Störungen vollkommen eisenfrei errichtet. Metallteile wie Dachrinnen, Türschlösser und Nägel wurden aus Messing oder Kupfer hergestellt. Es enthielt einen Beobachtungsraum und einen Instrumentenraum.

Verfall in den 1980er Jahren

Die Messeinrichtung bestand aus einem Variometer. Dort hingen an einem dünnen Faden ein Magnet und ein Spiegel, der dessen Bewegung mitmachte. Eine elektrische Lampe sendete einen durch eine Sammellinse konzentrierten Lichtstrahl zum Spiegel, welcher den Lichtstrahl auf eine mit photographischem Papier bespannte Walze warf. Da diese durch ein Uhrwerk bewegt wurde, erschien die Abweichung des Magnetfeldes hier als Kurve.

Die Erdmagnetische Warte auf dem Vossnacken wurde 1946 stillgelegt, da der zunehmende Stahlausbau der Kohlegruben magnetische Messungen nahezu unmöglich machte. Das Gebäude verfiel in den 1980er Jahren, und seine Reste sind heute hinter Dornenhecken verborgen. Noch heute werden Messungen z.B. im Geomagnetischen Observatorium Wingst an der Unterelbe durchgeführt, da die Messdaten für die Suche nach Rohstoffen wie z.B. Erz- und Öllagerstätten bis heute wichtig sind.

 
 

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