Flüchtlingskinder lernen in der Kölver Schule

Lehren mit Herz und Engagement: Die Lehramtsanwärterinnejn Nadja Rochner (l) und Nadin Polat bringen den Flüchtlingskindern nicht nur deutsch bei. Auch ein Besuch in der Eisdiele steht  auf dem Programm.
Lehren mit Herz und Engagement: Die Lehramtsanwärterinnejn Nadja Rochner (l) und Nadin Polat bringen den Flüchtlingskindern nicht nur deutsch bei. Auch ein Besuch in der Eisdiele steht auf dem Programm.
Foto: WAZ FotoPool
Die Heinrich Kölver Schule (HKS) nimmt im neuen Schuljahr etwa 20 Flüchtlingskinder auf, die ersten sechs sind schon da. Hinzu kommen 20 Schüler aus den umliegenden Gymnasien, die dort scheiterten.

Tönisheide..  Konzentriert schaut Mani nach vorn zur Tafel. Quatschen, Unsinn machen? Kommt dem Zehnjährigen nicht in den Sinn. Auch seine Schwester Vyan (16) ist sehr ernst bei der Sache. Dann grinst Mani plötzlich breit. „Ich möchte 1 Kugel Eis, bitte“, spricht ihnen Lehramtsanwärterin Nadin Polat ganz langsam, Silbe für Silbe betonend, vor. „Hörnchen, Becher könnt ihr das sagen?“ Klar, man kommt ja schließlich gerade vom Eismann.

Mani und Vyan sind zwei der sechs Kinder aus Flüchtlingsfamilien, die vor Tagen in die Kölver-Schule kamen. Sie stammen aus Syrien, Tadschikistan, Bangladesh. Kinder ohne Deutschkenntnisse, schüchtern, teilweise traumatisiert. Auch hier bleibt die HKS ihrem Motto treu: Lernen fürs Leben. Im Sommer muss man Eis bestellen können.

Nicht so einfach, eine Woche vor den Ferien kurzfristig Kinder aufzunehmen. „Da muss man improvisieren können, das ist wie in der Musik, es ist dann nicht immer gleich alles aufführungsreif“, sagt Schulleiter Uwe Heidelberg, der froh ist, dass die beiden engagierten Lehramtsanwärterinnen Nadja Rochner und Nadin Polat die Kinder mit viel Herzenswärme und Einfallsreichtum mit der deutschen Sprache vertraut machen. „Die Stadt Velbert hat uns gebeten, eine sogenannte Seiteneinsteiger-Klasse zu bilden. In diese Klasse gehen ab dem nächsten Schuljahr Kinder, die kein Deutsch sprechenn, die meisten von ihnen sind Flüchtlinge“, so Heidelberg. In anderen weiterführenden Schulen der Stadt gibt es derartige Klassen bereits. Mit etwa 20 Seiteneinsteigern müsse gerechnet werden, wurde dem Schulleiter seitens des Kreisintegrationsamtes mitgeteilt.

Insgesamt 40 Neuaufnahmen

Zusätzlich nimmt die Kölver-Schule in diesem Jahr 20 Schüler der umliegenden Gymnasien auf, die dort überfordert waren. „Ich muss dicht machen, mehr geht nicht“, erklärt Schulleiter Uwe Heidelberg und weist auf ein Problem hin, das durch die vom Rat beschlossene sukzessive Schließung der HKS – in fünf Jahren gehen hier die Lichter aus – entsteht: Beide Angebote, sowohl Gymnasiasten aufzunehmen als auch Flüchtlingskinder, könne die HKS nur noch zwei Jahre anbieten, da es danach keine Klassenstufe 7 mehr gebe. Es gebe einfach nicht genug Plätze auf weiterführenden Schulen. Heidelberg: „Bereits jetzt besuchen 150 Kinder des letzten Grundschuljahrgangs Schulen in umliegenden Städten.“

Dass Schüler zurückverwiesen werden, sei „kein neues Phänomen“, so Ulrich Stahl, Fachbereichsleiter Bildung Kultur und Sport bei der Stadt Velbert. Aus der an sich guten Absicht, ihren Kindern die besten Startchancen zu geben, wählten Eltern oft die falsche Schulform. Mit Errichtung der Sekundarschule hätte es dieses Dilemma nicht gegeben, bedauert Ulrich Stahl, dass die Pläne der Stadt an der zu geringen Schüleranmeldezahl gescheitert sind.

Ein von der Stadt beauftragtes Unternehmen wird nun einen Schulentwicklungsplan aufstellen. „Ein Prozess, der sehr gut durchdacht werden muss.“, erläutert Ulrich Stahl. Greifen werde dieser Plan im Schuljahr 2017/2018. Dazu Schulleiter Heidelberg: „In zwei Jahren, das ist einfach zu spät.“

Lernen nach Lust und Laune – Projektwoche für alle Schüler

Zum Ende des Schuljahres gaben alle Schüler der HKS noch einmal richtig Gas – und das ganz ohne Unterricht: Drei Tag lang durften sie bei der Projekwoche nach Lust und Laune Dinge tun, die sie interessieren, an denen sie Spaß haben. Die einen arbeiteten Fußballgeschichte auf, andere machten Musik oder erforschten im Rettungswagen, was ein Sanitäter genau tut. Celine (14) und Anja (13) dagegen haben ihre Leidenschaft für das Mützenhäkeln entdeckt. Dabei hatten sie sich hier erst nur eingetragen, „weil die Frau Brandt so nett ist“ – Frau Brandt, die Lehrerin. Auch drei Jungs wollen modisch ganz vorn dabei sein. „Ich hab früher schon mal gestrickt, das hier ist auch gut“, findet Lukas (11). Auch Tim (11) und Berkay (11) tragen sie ihr Erstlingswerk stolz auf dem Kopf. „Am Anfang war es schon ziemlich schwierig“, muss Tim zugeben. Übung macht den Meister, und dazu erfinderisch. Als die Mütze fertig war, ließen sie weiter die Nadel klappern. „Hier, das wird eine Handytasche.“ Cool.

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