Essen auf Rädern

Nicole Krzemien
Foto: H.W. Rieck
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Foto: WAZ FotoPool

Velbert. Das Industriegebiet Röbbeck ist groß. Sehr groß. Gefühlt wird es immer größer, wenn man zu Fuß unterwegs ist. Wohin man schaut: Hallen und Büros, die sich schier endlos aneinanderreihen. Auf einigen Höfen fahren Gabelstapler herum, Lastwagen tuckern über die Straßen. Alle scheinen zu arbeiten.

Ab 8.30 Uhr schallt es stumm durchs Gebiet: „Frühstückspause.“ Tröpfchenweise kommen die Menschen aus den Firmen. Einige gehen zielstrebig zu Agim Shillova. Freundlich lächelnd steht er in seinem mobilen Imbisswagen an der Siemensstraße. Zwei Stehtische laden zum Verweilen ein. In der Frühstückspause aber eher selten, denn die Zeit ist einfach zu knapp. Für Mathias Schmidt hat er bereits zwei Salamibrötchen geschmiert (eines zum Mitnehmen eingepackt). Der Schleifer gehört zu Shillovas Stammkunden. „Ich schätze, dass ich etwa 60 Prozent Stammkunden habe“, sagt der 43-Jährige.

„Für heute Mittag bitte zwei Cheeseburger“, bestellt der Nächste in seiner Frühstückspause. In der 15-minütigen Auszeit holt sich Stefan Scholl einen Snack. Mit seiner Vorbestellung hält er die Wartezeit in der Mittagszeit gering. Diese nimmt Agim Shillova gerne an, denn „ab 11.30 Uhr muss alles schnell, schnell schnell gehen“. Deshalb erhält er ab 11 Uhr auch Unterstützung von zwei flinken Händen. Für vier Stunden kommt seine Frau. „Manchmal ist es wirklich stressig“, resümiert er. „Abends haben wir manchmal einen dicken Kopf.“ Deshalb möchte Shillova auch nicht, dass sein Sohn den Laden übernimmt.

„Wo ist mein Kaffee?“, scherzt Lkw-Fahrer Volker Vitz und lacht, „du hast mich doch schon unten in der Kurve gesehen. . .“ Agim Shillova hat immer ein freundliches Lächeln auf den Lippen – und rasch macht er den Kaffee ­fertig.

Stehtische laden
zum Verweilen ein

Die Preise sind moderat. Die Gäste freuen sich darüber. Aber für den 43-Jährigen bedeutet jeder Tag harte Arbeit. Von 5 Uhr morgens bis 18 Uhr am Abend steht er in der Röbbeck. Und dort ist er nicht allein – ein mobiler Imbisswagen rollt bei ihm vorbei, knallgelb. Die Konkurrenz.

Mario Modesto steuert einen Firmenhof an. Stahlbauer Florian Rede steht mit abgezählten Geld parat, um seine Zeitung und Brötchen zu kaufen – jeden Tag. Gewohnheit oder Tradition? Liebgewonnen in jedem Fall, denn auch Modesto lacht viel mit seinen Kunden.

Der Firmenchef Thomas Lomberg fährt auf den Hof. „Ein bisschen scharf?“, fragt Modesto. „Ja, ja, wie immer.“ Es kommt einem so vor, als seien die Imbisswagen unmittelbar mit der Röbbeck verbunden. So scherzt der grauhaarige Mann hinter der Theke dann auch: „Noch 50 Jahre, dann mache ich Schluss.“

Auf demselben Hof wartet Senol Akyazi. Er möchte wieder raus, weil er um 10 Uhr in einer anderen Firma sein muss. Er fährt einen umgebauten VW-Bus und bietet türkische Leckereien feil. „Vormittags fahre ich von Firma zu Firma“, berichtet er, „nachmittags verkaufe ich Brot.“ Mit den Verkaufswagen verlassen alle wieder den Betriebshof.

Preisgünstig und vielsietig

An einer Ecke steht eine zwei Mal fünf Mann starke Gruppe. Sie nehmen ihre Nahrung in Qualmwolken zu sich. Wie sie die Frühstückspause verbringen? Sie seien fertig, hätten nur noch eine Zigarette geraucht, berichtet Guido Lingk. Fertig? „Ja“, sagt er und zeigt zu einem Platz auf dem Betriebshof: „Dort steht das Frühstücksmobil.“ Tatsächlich stehen an einem weißen Auto einige Menschen Schlange. Mittags werde das Essen auch geliefert, fügt er hinzu.

Je tiefer der Gast in das Velberter Industriegebiet Röbbeck eindringt, desto mehr Möglichkeiten eröffnen sich dort, preisgünstiges und vielseitiges Essen zu kaufen.