Energetische Sanierungen stauen sich in Velbert

Eine umfassende Wärmedämmung trägt dazu bei, dass nicht so viel Energie ungenutzt aus dem Gebäude entweicht.
Eine umfassende Wärmedämmung trägt dazu bei, dass nicht so viel Energie ungenutzt aus dem Gebäude entweicht.
Foto: dpa
Laut einer Studie wurde jede zweite Wohnung zwischen 1950 und 1979 gebaut. Doch die meisten Immobilien erfüllen die ökologischen Anforderungen nicht.

Velbert..  Einen Stau der besonderen Art gibt es derzeit in Velbert. Denn in der Stadt herrscht ein großer energetischer Sanierungsstau bei Gebäuden. So stammen laut einer Studie der NRW-Bank rund 50 Prozent der hiesigen Wohnungen aus den 1950er bis 1970er Jahren – was in etwa dem NRW-Schnitt entspricht. Doch diese Immobilien erfüllen zumeist nicht die modernen ökologischen Anforderungen. Oder, wie es die Leiterin des Planungsamtes, Heike Möller, ausführt: „Der größte Teil der Gebäude ist energetisch nicht saniert.“

Besonders stark ist in Velbert der Anteil an Wohnungen, die von 1960 bis 1969 gebaut wurden. Das sind nach Angaben der NRW-Bank knapp 22 Prozent des gesamten Wohnungsbestandes. Auch die Jahre von 1950 bis 1959 waren von einer regen Bautätigkeit geprägt: In dieser Zeit wurden gut 15 Prozent der Wohneinheiten errichtet (1970er Jahre: fast 15 Prozent. Vor 1950 und ab 1980 wurden jeweils rund 25 Prozent der Wohnungen gebaut).

Klimaschutzmanager soll helfen

Wieso so viele Häuser in den 25 Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg aus dem Boden gestampft wurden, lag aber laut Heike Möller nicht daran, dass besonders viele Gebäude etwa durch Bombenangriffe zerstört wurden – schließlich ist Velbert im Vergleich zu anderen Städten hierbei relativ verschont geblieben. Stattdessen spielte die aufstrebende Industrie in der Stadt eine große Rolle. „Stadtwachstum hängt mit dem Arbeitsplatzangebot zusammen. Gerade nach dem Krieg waren die Leute nicht so mobil, konnten sich in der Regel kein Auto leisten. Also sind sie dorthin gezogen, wo ihre Arbeitsstelle war“, schildert die Stadtplanerin.

Neben dem Wirtschaftswunder habe auch der Kinderreichtum der Menschen nach dem Krieg dazu beigetragen, dass mehr Wohnungen benötigt wurden. Beispiele für 1960er-Jahre-Siedlungen seien der Kostenberg und Birth (hier wurde aber auch in den 1970ern noch viel gebaut). Ein typisches 50er-Jahre-Quartier sei etwa am Rosenweg entstanden. Doch: Nicht nur dort seien mittlerweile einige 50er-Jahre-Bestände abgerissen und nach und nach durch neue Immobilien ersetzt worden.

Private Hauseigentümer müssten mehr investieren

Der Abriss liegt aber nicht nur daran, dass besonders Nachkriegswohnungen „oft zu einfach, schlicht und klein sind und keinen Wohnkomfort bieten“. Auch eine energetische Sanierung – zum Beispiel eine umfassende Wärmedämmung für mehr Klimaschutz – rechne sich in manchen Fällen nicht.

Das sind alles Gründe, warum energetische Modernisierungen nicht im gewünschten Maße durchgeführt werden, wie Heike Möller weiter erläutert. So habe die Bundesregierung in ihrem „2020“-Klimaschutzprogramm das Ziel ausgerufen, dass jährlich zwei Prozent aller Wohnungen saniert werden sollten. „Derzeit liegt die Quote aber bei lediglich 0,5 Prozent pro Jahr.“

Haupt-Hemmschuh dabei seien vor allem private Hauseigentümer, meint die Stadtplanerin. „Die Wohnungsunternehmen wie Wobau oder die Baugenossenschaft Niederberg sanieren dagegen fortwährend ihren Bestand.“

Nun soll bei den privaten Vermietern der neue Klimaschutzmanager der Stadt Velbert helfen – dieser soll im Rahmen des Klimaschutzkonzeptes der Stadt möglichst schnell gefunden werden und nach dem Sommer die Arbeit aufnehmen. Er oder sie soll dann, so Möller, Hauseigentümer anschreiben oder Infoabende organisieren, bei denen über die Vorzüge und Fördermöglichkeiten bei einer Sanierung informiert wird.

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