„Elterntaxis“ sollen Kinder fahren

Foto: Uwe Vogler
170 000 Euro jährlich, um 80 Schüler aus Langenberg und Neviges zur Schule zu bringen – der Stadt Velbert ist das zu teuer. Sie will den Schülerspezialverkehr streichen. Und: Die Politik stimmt zu.

Langenberg.  Im Kleinbus oder Taxi zur Schule: 170 000 Euro ließ es sich die Stadt Velbert bisher kosten, 80 ländlich wohnende Kinder in Langenberg und Neviges zur Schule zu bringen. Das aber ist nun passè: Mit großer Mehrheit beschloss der Rat der Stadt Velbert am Dienstagabend, den so genannten Schülerspezialverkehr einzustellen. Eine Entscheidung, die von allen Langenberger Schulen vehement abgelehnt worden war.

Nicht die Stadt sei verpflichtet, die Kinder zur Schule zu bringen, sondern die Eltern – die Stadt müsse lediglich für die Kosten aufkommen. 13 Cent sind das für jeden mit dem Pkw gefahrenen Kilometer, weitere 3 Cent, wenn die Eltern neben dem eigenen Kind einen weiteren Schüler mitnehmen. Fünf Cent gibt’s, wenn Schüler mit dem eigenen Mofa zur Schule fahren, drei für jeden mit dem Fahrrad zurückgelegten Schulwegkilometer.

Einsparziel: 120 000 Euro

20 000 Euro, hat die Stadt berechnet, werde der Transport der 80 Schüler die Stadt künftig noch kosten. Weil jedoch im Einzelfall die Beförderungskosten doch höher sein können, setzte man nicht die volle Differenz als Einsparvolumen in den Etatentwurf ein: 60 000 Euro will man im (bereits begonnenen Schul-)Jahr 2017 sparen, 120 000 Euro dann ab 2018.

Bei den Langenberger Schulen, deren Schulkonferenzen vorab um eine Stellungnahme gebeten worden waren, stießen diese Überlegungen auf einhellige Ablehnung. Nahezu identisch auch die Argumente, die gegen die Abschaffung des Schülerspezialverkehrs ins Feld geführt wurden: Sozial schwächer gestellte Familien verfügten häufig gar nicht über einen eigenen Pkw, um Kinder in die Schule zu bringen, und der Öffentliche Personennahverkehr decke eben nicht alle Bereiche rund um die Schule ab, argumentierte die Grundschule Kuhstraße. Und gab außerdem zu bedenken: Selbst wenn es möglich wäre, alle betroffenen Kinder durch Eltern zur Schule bringen zu lassen, sei die „Zunahme des Individualverkehrs nicht mit den Zielen einer klimafreundlichen Stadt“ vereinbar.

Unfallgefahr und Umweltschutz

Vor einer „steigenden Unfallgefahr“ warnte die Max-&-Moritz-Grundschule – genau wie das Gymnasium Langenberg. Und beide Schulen gaben überdies zu bedenken: Wie würden sich wohl die Verwaltungskosten des städtischen Haushaltes entwickeln, wenn künftig 80 Schülerinnen und Schüler monatlich die Fahrten abrechnen und entsprechende Unterlagen bei der Stadt einreichten?

„Die Abrechnungspauschale von 13 Cent je Kilometer steht in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen Kosten, wenn Eltern für ihr Kind eine professionelle Beförderung einkaufen müssen“, hatte die Wilhelm-Ophüls-Schule zu bedenken gegeben.

20 Schüler aus Hattingen

Mit dem Ratsbeschluss, trotz aller Bedenken dem Verwaltungsvorschlag zu folgen, wird die Stadt Velbert allerdings auch auf eine Einnahme verzichten müssen: 5000 Euro gab’s bislang jährlich von der Stadt Hattingen als Zuschuss für die Beförderung von 20 Kindern aus dem „Hügelland“. Die Stadt wird diese Einnahme verschmerzen können – kostete sie doch der Transport der Hattinger Kinder jährlich bislang rund 40 000 Euro.

 
 

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