Der Langenberger Sender wird 90

Foto: Funke Foto Services
  • Seit 1926 schickt der Langenberger Sender Wellen vom Hordtberg in den Äther
  • Heimatforscher Jürgen Lohbeck widmete der 90-jährigen Geschichte ein Buch
  • Über 450 Fotos und Dokumente erzählen auch viel über deutsche Rundfunkgeschichte

Langenberg..  Das „Brandenburgische Konzert Nr. 3“ von Johann Sebastian Bach, gespielt vom Funkorchester in Köln, war das erste Musikstück, das live über die Sendeanlage auf dem Hordtberg geschickt wurde. Das war am 15. Januar 1927. Seitdem hat sich nicht nur die Musik geändert, die von Langenberg aus das Rheinland und Westfalen beschallt. Zum 90. Geburtstag des Senders hat sich Autor Jürgen Lohbeck nun mit der Geschichte der Anlage beschäftigt. „Herr Lohbeck greift immer sehr geschickt Themen auf, die langsam in Vergessenheit geraten“, sagt Jutta Scheidsteiger vom Scala Verlag, in dem das Buch jetzt erschienen ist.

„Im Sommer 1926 fing man fieberhaft an zu bauen und errichtete in nur sechs Monaten die damals größte Sendeanlage europaweit“, berichtet der passionierte Heimatkundler. „Man musste extra eine 1000 Meter lange Feldeisenbahn errichten, um die notwendigen Materialien nach oben zu schaffen.“ Die Anlage bestand zu Beginn aus zwei Masten, die jeweils 100 Meter hoch waren, zwischen ihnen war die Antenne befestigt. Der heutige ‘Hordtmast’ ragt stolze 301 Meter in den Himmel.

5000 bis 6000 Besucher jährlich

Schnell wurde die Anlage in den Anfangsjahren des Rundfunks zur Besucherattraktion. Zwischen 5000 und 6000 Besucher jährlich kamen auf den Hordtberg, um das damalige „Nonplusultra“ der Sendetechnik zu bestaunen. „Langenberg wurde im Zusammenhang mit dem Sender zur Berühmtheit“, sagt Lohbeck. Aus der beschaulichen Kleinstadt wurde die Senderstadt. 1928 wurde extra das Hordthaus als Hotel gebaut, um die Besuchermassen zu beherbergen.

Von seinem Schreibtisch aus hat der Langenberger Lohbeck den Sender im Blick. Schon als Kind faszinierte ihn die Anlage, über deren Geschichte es bislang keine zusammenhängende Dokumentation gab. In seinem nun erschienenen Buch verknüpft er die Historie des Senders auf dem Hordtberg mit der des Rundfunks im Allgemeinen. „Dieser Spagat ist ihm gelungen“, so Scheidsteiger.

Orkan warf Sendemast 1935 um

450 zum Teil unveröffentlichte Bilder und Dokumente, auf die Lohbeck im Zuge seiner Recherchen gestoßen ist und die teilweise aus Privatbesitz stammen, machen die wechselhafte Geschichte sichtbar. So stürzte etwa 1935 in einem Orkan der damalige Holz-Sendemast ein. Im April 1945 sprengten Mitglieder des SS-Postschutzes die Sendemasten, um die Anlage nicht den Alliierten zu überlassen. 1996 kippte der 166 Meter hohe Stahlgittermast am Standort „Am Rommel“ bei Wartungsarbeiten um.

Kapitel zur Pionierzeit des Rundfunks in Deutschland, zur Rolle des Rundfunks in der nationalsozialistischen Propaganda und ein persönlicher Zeitzeugenbericht komplettieren das Buch.

 

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