Das Reservat wird kleiner

Annette Wenzig
Feuer gefällig? Hans-Dieter Kösters lässt sich von Pina Sermpou  die Zigarette anzünden. Bild: Detlev Kreimeier
Feuer gefällig? Hans-Dieter Kösters lässt sich von Pina Sermpou die Zigarette anzünden. Bild: Detlev Kreimeier
Foto: WAZ FotoPool
Pils, Korn und Zigarette um die Ecke – bald ein Auslaufmodell? Es droht das strikte Rauchverbot in Kneipen.

Velbert. Es sind nicht viele Kneipen, die bereits vormittags ihre Türen öffnen. Meist sind es Raucherclubs. Und dort sitzen sie, die Raucher: beim Pils oder Korn – und einer Zigarette. Ein Bild, das bald der Vergangenheit angehören könnte. NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens jedenfalls möchte es nicht mehr sehen: Sie plant ein striktes Rauchverbot in Kneipen – ohne jede Ausnahme.

Für Raucherclubs wie die „Markt Schänke“ würden Steffens Pläne, sollte der Landtag sie abnicken, das endgültige Aus bedeuten. Wirtin Pina Sermpou nimmt’s gelassen: „Die lassen sich ja immer was Neues einfallen“, sagt sie knapp – und steckt sich erst einmal eine an. „Die sollen erst mal sagen, wie das gehen soll“, sagt sie kopfschüttelnd. „Ich habe hier 80 Prozent Raucher, die bleiben dann weg.“

„Wir haben in Deutschland doch ganz andere Probleme“

Dazu gehören zum Beispiel die Skatclubs: „Wir haben drei, vier – die gehen doch nicht raus zum Rauchen. Oder die jungen Leute beim Darten . . .“ Nichtraucher? Fehlanzeige. „Mein Sohn und seine Lebensgefährtin rauchen beide, und ich ja auch“, betont die Wirtin. „Dann darfst du halt in deiner eigenen Kneipe nicht mehr rauchen“, wirft ein Gast ein und nimmt einen tiefen Zug aus seiner Zigarette.

Was sie tun würden, die Gäste, wenn sie in ihrem Stammlokal auf den Glimmstängel verzichten müssten? „Ich würde in ne Kneipe gehen, wo das noch geht“, zeigt einer keine Treue zum Stammlokal. „Die gibt’s ja immer.“ Ein anderer wirft ein: „Wir haben in Deutschland doch ganz andere Probleme.“ Sein Gegenüber schüttelt den Kopf: „Ne Kneipe ohne Rauch, dass ist wie ein Puff ohne Weiber.“

Und dann kommt unweigerlich die Geschichte vom Opa, der 96 Jahre alt geworden ist und den niemand ohne seine Pfeife im Mund kannte. „Das ist doch ne Lüge, dass Rauchen krank macht. Und außerdem: Wenn wir nicht mehr rauchen würden, hätte der Staat doch noch mehr Schulden.“ Und überhaupt hoffen alle, dass es dann doch nicht so schlimm für die Raucher kommt mit dem neuen Nichtrauchergesetz: „In Bayern haben sie’s doch auch schon wieder aufgeweicht.“

Aufgeweicht hat das derzeitige Gesetz eine weitere Gaststätte. Ein Schild, das auf einen Raucherclub hinweisen würde, sucht man vergebens – doch direkt hinter der Tür wabert einem der blaue Dunst ins Gesicht. Ein gutes Dutzend Raucher schart sich um den Tresen, am Tisch nebenan werden Speisen serviert. Das als Raucherraum ausgewiesene Hinterzimmer ist verwaist. Und die Wirtin, der steht das Thema Rauchverbot jetzt schon bis Oberkante Unterlippe: Sie will nichts dazu sagen.

Zum Schutz der Nichtraucher

Vor allem den Beschäftigten in der Gastronomie will die NRW-Gesundheitsministerin durch das Stopfen der Schlupflöcher im derzeitigen Regelwerk einen ungeteilten Nichtraucherschutz bieten. Das scheint auch bitter nötig: Keiner von denen, die als Nichtraucher hinter der Theke stehen, mag sich dazu äußern, ob ihn der Qualm stört oder ob er gar um seine Gesundheit fürchtet – geht es doch im Zweifel um seinen Job.

In Restaurants wie der „Bürgerstube“ hingegen ist das Thema Rauchen längst passé. „Bei uns wird gar nicht geraucht, wir sind ja zu 90 Prozent Restaurant“, sagt Wirtin Blazenka Biester. Selbst Nichtraucherin findet sie es „am schlimmsten, dass die Politiker die Menschen entmündigt haben. Ich fände es gut, wenn es den Leuten selbst überlassen würde, ob sie in eine Raucherkneipe gehen oder nicht. Die Wirte leben dort doch von den Rauchern.“

Sie habe auch festgestellt, sagt Blazenka Biester, „dass die Raucher viel mehr Rücksicht nehmen als früher: Sie gehen raus und rauchen dort.“ In der Bürgerstube müssen sie das auch: Einen Raucherraum gibt es dort nicht. Und der Aschenbecher, der steht draußen vor der Tür.