Chopin in seinen genialsten Werken

Langenberg..  „Ein Winter auf Mallorca“ – das klingt romantisch. So dachten Chopin und seine Geliebte George Sand auch – Liebe, Milde, Ruhe, Düfte. Es kam anders: Ständiger Regen, Kälte, Krankheit und die Bösartigkeit von Mallorquinern. Nach Flucht in ein verlassenes Kloster eine Zelle „wie im Sarg“, wie Chopin schreibt. Und doch ist der menschliche Geist widerstandsfähig: Chopin schrieb in dieser Zeit die genialsten Werke.

Im Saal der VG stellte Thomas Taliesin Weber eine Auswahl dieser Werke vor, verbunden mit einem Bericht über das Leben der beiden Liebenden auf der Insel und die Entstehungsgeschichten der einzelnen Werke. Weber ist nicht nur Pianist, sondern auch Komponist und Musikwissenschaftler, und so gelang es ihm, nicht nur die Werke exzellent vorzutragen, sondern sie auch nach Inhalt und kompositorischen Mitteln zu analysieren und dies dem Publikum nahe zu bringen.

Überraschend war sein kraftvolles Spiel. Man hörte nicht den erwarteten zärtlichen, gefühlvollen, lyrischen Chopin, sondern eher einen revolutionären, sich gegen die Widerwärtigkeiten aufbäumenden. Die Gewalt eines Beethoven überschreitend und an die Mächtigkeit Liszts heranreichend begann der Vortrag mit einer Mazurka über ein polnisches Lied und die zweite Ballade, wild, feurig, energisch. Selbst einem Sehnsuchtsmotiv in einem Nocturne konnte Weber Herbheit abgewinnen. Es ging ihm um den „Kick“, wie er sich ausdrückte, und so entschwand dem als „Mönchsgesang“ empfundene Zwischenteil der Nocturne die Lethargie.

Bewusst zielte Weber auf Gegensätzlichkeiten in Chopins Werk. So gelang die so genannte Militärpolonaise in A-dur als „Orgie der Freude“ (so ein Ausdruck eines Zeitgenossen Chopins über dieses Stück ) und das Gegenstück in c-moll als eine Art tragisches Fanal. In zwei Préludes ein lyrischer Walzer neben einem „Klangwust“.

Aber auch innerhalb der Stücke wurden Gegensätzlichkeiten offenbar, so im berühmten „Regentropfenprélude“, in dem der sanfte„Regen“ zum Sturm anschwoll. Am besten gelangen Weber Chopins erste Ballade und als Zugabe die „Harfenetüde“, Stücke, in denen er Einfühlungsvermögen in die Welt Chopins sowie Virtuosität bewies. Ein eindrucksvoller Abend, an dem Wort und Musik sich einander ergänzten.

EURE FAVORITEN