Brüder aus Neviges testen europaweit Wasserrutschen

Julian Tschech in Aktion: Zusammen mit seinem Bruder Luca testet er Wasserrutschen.
Julian Tschech in Aktion: Zusammen mit seinem Bruder Luca testet er Wasserrutschen.
Foto: WAZ
Die Brüder Julian (21) und Luca (15) Tschech aus Neviges haben ein seltenes Hobby: Der Student und der Schüler testen Wasserrutschen in ganz Europa. In vier Jahren haben sie sich dafür in 220 Bädern auf 700 verschiedenen Rutschen in die Tiefe gestürzt. Die Ergebnisse stellen sie per Video ins Netz.

Neviges.. Manche Leute sammeln Briefmarken, interessieren sich brennend für Autos, treiben für ihr Leben gern Sport. Hobbys halt. Dann gibt es Menschen, die testen in ganz Deutschland und den Nachbarländern Wasserrutschen – in vier Jahren über 700 in 220 Bädern. Die Ergebnisse sind per Video im Netz zu sehen. „Das ist schon ein bisschen abgedreht, vor uns gab es kaum Bekloppte“, sagt Julian Tschech (21) und sein Bruder Luca (15) lacht. Und weil es vorher kaum „Bekloppte“ gab, haben die beiden auch so einen Riesenerfolg.

Satte 14 Millionen Klicks verzeichnen die Brüder seit 2009, seit jenem Tag, als sie ihren ersten Video-Streifen ins Netzt stellten. Seitdem ist keine Rutsche vor den kritischen Augen der Tschech-Brüder sicher. Wie sie zu ihrem skurrilen Hobby gekommen sind?

Wasserrutschen-Test ist ein Riesenerfolg im Internet

„Das war eher Zufall. Wir sind günstig an eine Unterwasserkamera gekommen und haben dann ein bisschen gefilmt“, erzählt Julian, der in Bochum „Managment und Economics“ studiert. Die Ergebnisse der ersten Filme kommentierten sie und stellten dann alles ins Netz. „Das war ein Riesenerfolg, damit haben wir nie gerechnet“, schaltet sich Luca ein. Der Gymnasiast kann sich noch gut an den Anfang der kometenhaften Rutschen-Karriere erinnern. Wie auch an die allererste Rutsche, die sie damals unter die Lupe genommen haben: „Im Spaßbad Bergische Sonne, das gibt’s heute gar nicht mehr. Die hatten damals zwei Rutschen, und das war schon viel.“ Seitdem ist viel Wasser die verschiedensten Röhren heruntergeflossen – und Julian und Luca immer mittendrin. Kaum ein Bad in Holland, Belgien, Österreich, der Schweiz und Italien, das die Brüder nicht kennen. „Außer Polen, Tschechien und Luxemburg haben wir die Nachbarländer durch.“

Klar, ihre Hochsaison, die beginnt „so im März und April, da sind wir jedes Wochenende auf Tour“, erzählt Luca. Da werden auch schon mal sechs bis sieben Bäder „abgeklappert“. Doch wer meint, dass die zwei jetzt im Winter auf der faulen haut liegen, der irrt: „Wir müssen noch über 40 Berichte aus dem letzten Sommer schreiben“, seufzt Julian. Und so ganz nebenbei gibt es ja auch noch Studium und Schule...

Doch die Fangemeinde ist unerbittlich und wartet schon gespannt auf neue Videos – zum Teil mit Gänsehaut-Garantie. Vor allem „die Speedrutschen, das ist Adrenalin pur“, strahlt Luca, und der Große Bruder bestätigt. „Ja, da muss man dann einfach hin, koste es, was es wolle.“ Zum Glück ist der Eintritt für die Hobby-Tester frei – wenn sie vorher keinen Korb bekommen. Denn dass ihre Anlage nicht hygienisch einwandfrei oder das Essen zu teuer ist, mag kein Badbetreiber gern lesen. Welches Rutschvergnügen die Brüder im Bergischen Land empfehlen? Kurzes Schweigen. „Hier ist nicht so viel los. In Remscheid, da gibt es das H2O, das ist zwar kein Top-Bad, hat aber als einziges drei Rutschen.“ Ihr Tipp für die Umgebung: „Köln, das Aqualand, das liegt ja auch vor der Tür.“

Mit 70 Stundenkilometern geht es ab in die Tiefe – der Adrenalin-Kick ist groß

Wer ein bisschen weiter fahren möchte, dem empfehlen die beiden das „Aqua Magic“ in Plettenberg, „mit Looping-Rutsche, ganz ordentlich“, so Luca, der genau wie sein Bruder den Adrenalin-Kick liebt. Aber alles hat seine Grenzen, und die waren zumindest für den großen Bruder in einer Anlage am Gardasee überschritten: „Das war wahnsinnig steil, oben stand man erst an einer Falltür.“ Dann ging es mit rund 70 Stundenkilometern in die Tiefe. „Unten ist das Wasser hart wie Beton, das kann man echt nicht oft machen, da ist man knallrot.“

Woher ihre Söhne diese Leidenschaft haben, ist Mutter Christiane ein Rätsel. „Mein Mann und ich, wir waren früher eigentlich nicht oft mit den Kindern im Schwimmbad.“ A propos: Auch Kinderrutschen nehmen die zwei unter die Lupe – und gehen auch dabei ein gewisses Risiko ein, wie Julian grinsend erzählt: „Ich bin schon mal stecken geblieben, da gucken dann natürlich alle.“

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