Breite Unterstützung in Velbert für Muhammeds Familie

Die Fußgängerzone war Samstagmittag fest in der Hand der Demonstration. Sie gingen für die Rückgabe von Muhammed an seine Eltern auf die Straße.
Die Fußgängerzone war Samstagmittag fest in der Hand der Demonstration. Sie gingen für die Rückgabe von Muhammed an seine Eltern auf die Straße.
Foto: WAZ FotoPool
1500 türkischstämmige Bürger gehen am Samstag für den fünf Monate alten Jungen auf die Straße, den das Jugendamt in seine Obhut genommen hat. Die Polizei lobt den geordneten Ablauf der Kundgebung.

Velbert.  Bei einem der beiden ausdrucksstärksten Momenten waren die Augen der Demonstranten und die Kameras der Fernsehteams ausnahmsweise nicht auf die Eltern gerichtet. Sondern vielmehr auf die vier Tauben, die auf der Rathaustreppe symbolisch freigelassen wurden – so wie sie es sich auch für den kleinen Muhammed wünschen. Bis zu 1500 überwiegend türkischstämmige Bürger sind am Samstag in der Velberter Innenstadt über die Friedrichstraße zum Beratungshaus des Jugendamtes an der alten Dampfbäckerei gezogen, um für die Rückkehr des fünf Monate alten Babys zu seiner Familie zu demonstrieren.

Unterstützung für die Familie

Eine Mischung aus Empörung und Trauer lag zur Mittagszeit über dem Rathausplatz. Mehrmals erzählte die Familie Oral den türkischen Fernsehteams unter Tränen ihre Geschichte. Ihr Sohn Muhammed war vom Jugendamt in Obhut genommen worden, nachdem bei einer dreiwöchigen stationären Behandlung im Klinikum Niederberg der Eindruck entstanden war, das Kind könnte womöglich misshandelt worden sein. Momentan ist der Junge bei einer Pflegefamilie untergebracht. Für die Familie erklärte der Verein Umut Yildizi für schutzbedürftige Kinder die blauen Flecken damit, dass Muhammed, der an einer Atemwegserkrankung leide, offenbar reanimiert werden musste, bevor er ins Krankenhaus gebracht worden war: „Sie werden nicht aufgeben, bis die Familie wieder vereint ist.“ Die Unterstützung der landesweit angereisten Demonstranten rührte auch den Vater. Er wischte sich Tränen aus den Augen, verlor dann aber doch den Kampf um seine Fassung, nachdem er gesagt hatte: „Ich möchte mich bei allen bedanken.“

Mit Transparenten zog die Gruppe dann über die Friedrichstraße, die „Wir wollen Muhammed zurück“-Sprechchöre hallten durch die Fußgängerzone auf der Friedrichstraße. Manche Passanten drückten nach prüfenden Blicken ihr Unverständnis für die Aktion aus, manche schlossen sich dem Marsch an. „Das ist eine beeindruckende Selbstregelung“, war Einsatzleiter Stefan Göbels von der Polizei von der friedlichen Atmos­phäre trotz eines sehr aufwühlenden Anlasses angetan. Später, als dann nur noch vereinzelte Demonstranten am Klinikum zusammenkamen, blieb auch alles ruhig. So beobachtete auch Michael Schindowski, Kontaktbeamter für muslimische Institutionen bei der Kreispolizei, eine geordnete Demo: „Ich habe hier sehr sachliche, sehr analysierende Menschen kennengelernt.“ Im gleichen Atemzug lobte er die Vorsitzenden der Ditib-Gemeinden Velbert und Heiligenhaus, „die einen sehr großen Einfluss haben.“ Dieser Einfluss endet aber, wenn es um eine mögliche Rückkehr Muhammeds zu seiner Familie geht – dazu ermittelt derzeit noch die Staatsanwaltschaft.

 
 

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