Assistentin des Vereins „Pro Mobil“ hilft durchs Leben

Bei so viel Nähe ist es immens wichtig, dass die Chemie stimmt. Vanessa Geisler und Esther Mott kochen auch oft zusammen.
Bei so viel Nähe ist es immens wichtig, dass die Chemie stimmt. Vanessa Geisler und Esther Mott kochen auch oft zusammen.
Foto: Funke Foto Services
Vanessa Geisler kann selbstbestimmt wohnen und ihre Freizeitinteressen umsetzen. Sie hat mit dem Dienst des Vereins „Pro Mobil“ einen guten Fang gemacht.

Velbert.  Es war ein großer, auch von Ängsten begleiteter Schritt für Vanessa Geisler, als sie nach elf Jahren, die sie in einer teilstationären Wohngruppe Am Kostenberg gelebt hatte, in ihre ersten eigenen vier Wände an die Pfeilstraße umzog. „Mit allen Höhen und Tiefen, die ich in der eigenen Wohnung bereits erlebt habe“, bekräftigt die 36-Jährige, dass es gut gewesen sei, dass sie sich so und nicht anders entschieden und das durchgezogen habe.

Förderung ist viel besser

Dafür, dass die Velberterin, deren Handikap von Geburt an eine spastische Tetraplegie (Lähmung) an beiden Armen und Beinen ist, trotz Rollstuhls einen bemerkenswerten Aktionsradius hat und ihr Leben leben und meistern kann, sorgen viele dienstbare Geister. Da wären die des Pflegedienstes. In dem Haus des Vereins „Pro Mobil“ steht rund um die Uhr ein so genannter Hintergrund-Dienst parat. Ein Fahrdienst bringt die Verwaltungsfachangestellte zu ihrem Arbeitsplatz nach Wuppertal, wo sie für einen Verein für Menschen mit Behinderungen tätig ist. Und es gibt – ganz wichtig – den Assistenzdienst.

Allein vor Ort betreuen mittlerweile insgesamt 80 Mitarbeiter von „Pro Mobil“ 91 Kunden im Assistenzdienst. „Das ist auch Pionierarbeit, das gibt’s noch längst nicht in jeder Stadt“, betont die Dipl.-Sozialpädagogin Kerstin Ehmke-Putsch, die für den Integrationsfachdienst zuständig ist. „Da ist Velbert echt weit vorne!“

„Kunden“ hört sich geschäftsmäßig an. Doch das täuscht gewaltig, geht es doch viel ums Miteinander. Vanessa Geisler hat offensichtlich mit Esther Mott einen guten Fang gemacht. „Ich habe viel Glück mit meiner Assistentin“, bestätigt sie. „Die beiden sind ein unzertrennliches Gespann“, erzählt ihre Mutter Renate Flack, „die verstehen sich supergut.“ Sympathie spiele eine große Rolle. „Wahrscheinlich die größte“, wirft Mott rasch ein.

„Der Assistenzdienst ist für sie Arme, Beine und Motor“, meint Ehmke-Putsch. So schwimmt Vanessa Geisler „total gerne“. Esther Mott macht’s möglich. Genau wie Discobesuch und shoppen gehen. Sie steht ihr auch beim Kochen, Putzen und Schränke umräumen zur Seite. Kurzum: Sie trägt einen wichtigen Teil dazu bei, dass das Motto an der Wand in ihrem Wohnraum „Gib jedem Tag die Chance, der schönste Deines Lebens zu werden“ nicht bloß ein Spruch bleibt.

„Man kann halt viel besser gefördert werden, braucht auf keinen anderen Rücksicht nehmen“, sagt Vanessa Geisler. Die beiden entscheidenden Vorteile aus ihrer Sicht sind: Sie könne selbstbestimmt in der eigenen Wohnung leben und sie könne auch ihre Freizeitinteressen ganz individuell planen und umsetzen.

 
 

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