Aktiv gegen die Krankheit

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Velbert. Heiß ist es an diesem Juni-Sommertag. Aber im Schwimmbad der Schule „Am Thekbusch“ ist von der Wärme draußen nichts zu merken. Fünfzehn rüstige Frauen in bunten Badeanzügen stehen im 34 Grad warmen Wasser und hören auf die Anweisungen von Nicona Isenberg.

„Vor – zurück…ab – und hoch.“ Mit farbigen Schwimmnudeln in den Händen folgen alle den Anweisungen der Diplom-Sportlehrerin.

Sonst unterrichtet Nicona Isenberg Kinder im Schwimmen. Heute leitet sie die Osteoporose-Selbsthilfegruppe. Zweimal die Woche können die Betroffenen hier Wassergymnastik oder auch „trockene“ Gymnastik machen – je nach dem, was der Arzt ihnen verordnet hat.

„Mit sieben Leuten haben wir angefangen“, erzählt Siegfried Seipenbusch, der die Gruppe zusammen mit seiner Frau Waltraud gegründet hat. Heute hat die Selbsthilfegruppe 87 Mitglieder. Begonnen hat alles auf einer Großveranstaltung zum Thema „Osteoporose“. Damals sprach unter anderem der Experte Professor Elmar Keck. Und genau dieser Professor überreichte sein Honorar von 1000 Mark an das Ehepaar Seipenbusch. Der finanzielle Grundstock für die Osteoporose-Selbsthilfegruppe in Velbert war gelegt.

„Die Gruppe ist wunderbar gewachsen“, strahlt Seipenbusch, die Mitglieder würden sich untereinander helfen und mit den Jahren sei eine „richtig dicke Bindung“ zwischen allen entstanden. Entscheidend sei, dass die Frauen sich nicht nur beim Sport und der monatlichen Versammlung im Begegnungszentrum treffen, sondern auch privat Ansprechpartner hätten.

Sieglinde Boventer ist die Vorsitzende der Selbsthilfegruppe. Die 72-Jährige leidet bereits seit über 30 Jahren an der als Knochenschwund bekannten Krankheit. „Vergangenen Montag haben wir zu unserem 20-jährigen Bestehen eine Schifffahrt auf dem Rhein unternommen.“ Ein tolles Erlebnis, das zeigt, wie sehr die Mitglieder sich einander zugehörig fühlt.

Die meisten von ihnen sehen sich jede Woche bei der Wassergymnastik. Die Möglichkeit hierzu haben sie dem Begründer Seipenbusch und der Schule „Am Thekbusch“ zu verdanken. Durch die Kontakte des fast 83-Jährigen kann die Gruppe das Schwimmbad nutzen, das für die Gruppe optimale Bedingungen bietet.

„Für diese Art der Wassergymnastik muss das Wasser wenigstens 32 Grad haben“, sagt Nicona Isenberg. Eine Temperatur, die in den öffentlichen Bädern meist nicht gegeben sei. Zudem könne man den Boden des Beckens absenken und gebrechlichere Menschen mit einem Lift ins Wasser befördern. „So können Menschen, die sich an Land nur noch schwer bewegen können, die Übungen im Wasser mitmachen.“ Osteoporose ist eine Krankheit, die durch Veranlagung, aber auch mangelnde Bewegung und schlechte Ernährung entstehen kann. Sie ist am Anfang schwer zu erkennen, da der Abbau der Knochen nur durch Messungen oder eine Häufung von Brüchen beobachtet werden kann. Gerade in den letzten Jahren hat die Anzahl an Osteoporose-Patienten dramatisch zugenommen.

Die Selbsthilfegruppe ist Anlaufstelle für Betroffene. Sie bietet Informationen. Aber noch viel wichtiger: Sie bietet den Menschen Raum zum Austausch, schafft für alle ein Miteinander und Verständnis füreinander.

 
 

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