Überflieger sammeln Acker-Daten

Kamp-Lintfort.  Heute sieht es so aus: Der Landwirt geht auf den Acker und nimmt mit der Hand Bodenproben, um herauszufinden, wie hoch der Nährstoff- oder Düngegehalt ist.

Und so könnte es in nicht allzu ferner Zukunft aussehen: Der Landwirt lässt ein GPS-gesteuertes Modellflugzeug über seinen Acker steigen, das er mit seinem Smartphone steuern kann. Diese Drohne ist mit speziellen Wärme- und Lichtkameras ausgerüstet, die jede Einzelheit des Ackers aufnehmen. Schon während des Fluges werden die ermittelten Daten ins Internet übertragen und ausgewertet.

Der Landwirt empfängt diese Daten schon kurze Zeit später auf seinem Handy und erhält beispielsweise Aufschluss über fehlende Nährstoffe im Boden. Je nach Bedarf kann er die Bewirtschaftung optimieren. So spart er Zeit, weil er nicht selbst viele unterschiedliche Bodenproben nehmen muss und kann den Ertrag letztendlich steigern.

Das ist jetzt noch „eine Vision“, meint Prof. Dr. Rolf Becker von der Hochschule Rhein-Waal, aber das von ihm geleitete Projekt „Smart Inspectors“ ist nun endlich vom zuständigen Ausschuss genehmigt worden. Becker von der Fakultät für Kommunikation und Umwelt ist federführend bei „Smart Inspectors“: „Mit Unterstützung der Euregio Rhein-Waal haben wir erreicht, dass die Arbeit an der Fernerkundung nun beginnen kann.“ Im deutsch-niederländischen Grenzgebiet setzt sich die Euregio für die Vertiefung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Beziehungen ein.

Bei dem neuen Projekt geht es darum, ein Infrarot- und Radar-Fernerkundungssystem auf Drohnen und Ultraleichtflugzeugen zu installieren. Diese sollen dann wie oben beschrieben beispielsweise in der Landwirtschaft wichtige Erkenntnisse über den Zustand der Äcker liefern. „Das ist dann schon High-Tech-Landwirtschaft“, meint Rolf Becker. Allerdings wird die neue Technik zunächst eher für Lohnunternehmer oder große Betriebe mit viel Anbaufläche attraktiv sein. Für kleine Betriebe wären die Finanzierungskosten so hoch, dass es sich für sie kaum lohnen dürfte. Zudem ist noch eine Erlaubnis der Bezirksregierung Düsseldorf und des Ordnungsamtes notwendig, um die „MiniKopter“ fliegen zu lassen.

Die Fernerkundung könnte auch bei der Verkehrsüberwachung, beim Hochwasserschutz oder bei der technischen Inspektion von Industrieanlagen angewendet werden.

Bis es soweit ist, liegt allerdings noch ein hartes Stück Arbeit vor der Forschungsgruppe. Becker erklärt: „Allein das Zusammenwirken aller Mitwirkenden zu organisieren, ist eine Herausforderung.“ Kein Wunder, denn zu den Partnern gehören nicht nur die Hochschule Rhein-Waal, sondern unter anderem die Universität Wageningen, das Landwirtschaftszentrum Haus Riswick (Kleve) und die IMST GmbH (Kamp-Linfort). Bis 2014 sollen umfassende Ergebnisse vorliegen.

Rolf Becker ist vom Erfolg überzeugt: „Das Projekt zeichnet sich durch seinen starken regionalen Bezug aus und wird zur wirtschaftlichen Stärkung des Niederrheins beitragen.“

Die Gesamtkosten der Forschungsarbeiten belaufen sich auf 3,16 Millionen Euro, von denen die EU 1,42 Millionen Euro übernimmt. Das Land Nordrhein-Westfalen, die niederländische Provinz Gelderland und das niederländische Wissenschaftsministerium beteiligen sich mit weiteren 762 000 Euro. Der Rest wird von den Projektpartnern bezahlt.

 
 

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