Raum mit anderen Blick sehen

Ausstellung mit den Dampfwalzen-Drucken aus der Sunderner Innenstadt.
Ausstellung mit den Dampfwalzen-Drucken aus der Sunderner Innenstadt.
Foto: WP
Eine Bau-Ausstellung in Sundern? Schon am Eingang schreckt der Besucher auf, wird hier gebaut ? ist die Frage, wenn man die Verstrebungen sieht.

Sundern.  „Ego constro, ergo sum“ übersetzt „Ich baue, also bin ich“ hat starke Ähnlichkeit mit dem Satz des berühmten Philosophen Rene Descartes: „Cogito ergo sum“ (Ich denke, also bin ich). Und genauso hat Künstler Kai Richter aus Düsseldorf sich das auch gedacht: „Denken ist Form, und nur wenn man denken kann, kann man auch bauen“, erklärte Kurator Gérard Goodrow bei der Eröffnung der Ausstellung des Kunstvereins Sundern in der Stadtgalerie am Lockweg.

Diese rationale Sicht auf die Dinge nach dem Motto „What you see, is what you see, nicht mehr und nicht weniger“ spiegelt sich in den Arbeiten Richters wider.

Mitdenken erforderlich

Zudem fällt ein Werk ganz besonders in seiner Darstellungsart auf, die es wohl in dieser Weise noch nie in der Stadtgalerie Sundern gegeben hat. Es sind Arbeiten, die ein Mitdenken vom Betrachter erlauben und sogar verlangen. Man darf sich also eingeladen fühlen, neugierig zu sein und die Herausforderung anzunehmen, um für sich selbst etwas heraus zu finden.

Passend zum Thema der parallelen Ausstellung „Grund und Boden“ führt die Vorsitzende des Kunstvereins Sundern/Sauerland, Anne Knapstein, die Besucher ins Erdgeschoss der Stadtgalerie. Der ein oder andere wird schon beim ersten Blick auf die Werke eine Verbindung oder ein Gefühl der Vertrautheit entdecken. Der Inhalt der Drucke des Künstlerehepaars Ruppe Koselleck und Susanne von Bülow aus Münster lässt sich durch ein geschultes Sunderner Auge schnell erkennen: Ein Quadratmeter Drucke des Sunderner Grund und Bodens aus den verschiedensten Ecken und Straßen, gedruckt mit einer Mischung auffälliger Farben und mit Hilfe einer Walze. Jedes Werk hat den Ort die Zeit und den Wert des Stück Bodens aufgedruckt, etwas sehr unikates.

Verfall in Venedig

Das Künstlerpaar bereist die verschiedensten Orte in der Bundesrepublik und in den Niederlanden und vergleicht den Wert der Böden miteinander, der von vielen Faktoren abhängt (unsere Zeitung berichtete). „Zum Beispiel sinkt der Bodengrundpreis mancher Städte wie Venedig, da man davon ausgeht, dass die Zeit der Bewohnbarkeit begrenzt und die Existenz der Stadt gefährdet ist.“, so Koselleck. An manchen Orten aber dürften sie nicht drucken, meint Susanne von Bülow: „Dadurch erfahren wir auch momentane Situationen oder Konflikte einer Gemeinde, das macht die Arbeit sehr menschennah und kommunikativ.“ Einige Kommunen würden auch die jeweiligen Bodnerichtwerte unter Verschluss halten.

In Sundern sehr transparent

In Sundern klappte zum Glück alles reibungslos beim Drucken und auch bei Transparenz der Richtwerte. Vielleicht erkennt der ein oder andere bewanderte Sunderner ein Stück des Bodens seiner Heimat wieder. „Ob Sie auch den Ort zuordnen können? Sie sind herzlich eingeladen, es heraus zu finden“, sagt Anne Knapstein.

 
 

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