Brüssel sieht Handlungsbedarf

Kontrollen an Motorrädern und ihren Abgasanlagen sind immer wieder notwendig.
Kontrollen an Motorrädern und ihren Abgasanlagen sind immer wieder notwendig.
Foto: WAZ
In Brüssel bewegt sich etwas, in Sachen Lautstärke von Motorrädern. Leider dauert es noch etwas, bis sich vor Ort etwas tut.

Sundern..  Das Motorrad-Problem gibt es nicht nur in Sundern. Das belegte Montag der Beigeordnete der Gemeinde Simmerath in der Eifel: Roger Nießen nahm an allen Gesprächen der Ordnungspartnerschaft in Sachen Motorradlärm im Rathaus Sundern teil und steuerte seine Erfahrungen aus dem westlichen Teil des Landes bei.

Dort sieht es genauso aus wie in Hellefeld, Hagen oder am Sorpesee: Vor allem am Wochenende boomt der Motorradtourismus, dort vor allem auf den Wegen zum Rurstausee. Eine entsprechende Zahl dazu nannte der Leiter der Direktion Verkehr, Oberrat Josef Jacobi: „1970 hatten wir ca. 378 000 Motorräder in ganz Deutschland angemeldet, heute sind es zehnmal soviel, also fast 4 Mio. Kräder.“ Es gäbe fast keine Abmeldungen, sondern auch die Oldtimer würden noch immer gefahren.

Vollstes Verständnis für Bürger

Das sein eine der Fallen in der Problemlösung: „Das Wort heißt Bestandsschutz“, meinte Jacobi und verwies, dass ein damals zugelassenes Motorrad nicht den heutigen Gesetzen unterworfen werden könne. In anderen Bereichen, etwa bei Heizungen, sei die Gesetzgebung anders: „Dort gibt es Auslaufzeiten, dann muss umgerüstet sein.“

Interessiert hörte der MdE Dr. Peter Liese (Bestwig) bei diesem Thema zu, denn das Europäische Parlament hat sich auf den Weg gemacht: „Die bisher geltende EU-Richtlinie 97/24/EG ist auch nach meiner Auffassung nicht ausreichen“, betonte der Europapolitiker. Er habe großes Verständnis für die Probleme der von Motorradlärm belästigten Anwohner in der Region. Und als Arzt fügte er hinzu. „Lärm kann gesundheitliche Probleme, wie zum Beispiel ein verstärktes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen.“

Doch ganz schnelle Abhilfe wird es nicht geben: Die bisherige EU-Richtlinie, die in einem Korridor von 50 bis 80 km/h die Lautstärke der Motorräder vor der Zulassung bewertet, bilde keinesfalls die Realität ab. Ein erster Schritt sei die ab 2016 geltende neue delegierte Verordnung (134/2014). Danach werde der Testzyklus deutlich realistischer (20 bis 80 km/h). Ganz wichtig: entfernbare Schalldämpfereinsätze, sogenannte „dB-Killer“, werden verboten. Die Werte müssen am Motorrad gekennzeichnet und im Verkehr überprüfbar sein.

Weitere Schritte 2017 und 2020

Es folgen dann 2017 weitere Schritte: etwa die EU-Emissionsstufe 4, danach müssen dann Kräder um 2 bis 3 dB leiser sein. Ab 2020 soll eine Stufe 5 kommen: „Da können wir noch eingreifen, um sie höher zu setzen“, so Liese. Ihm sei bekannt, dass die Bundesregierung strengere Werte wolle. „Vor einer entsprechenden Abstimmung im EU-Parlament werde ich mit den Kollegen sprechen: Wir geben Gas auf dem Weg, um den Vorgang zu beschleunigen“, meinte Liese.

Bürgermeister Detlef Lins betonte, dass es ein „dickes Brett“ zu bohren gälte. Er sei froh, dass man auch in Brüssel Handlungsbedarf sehe. Aber es gebe ja noch weitere Ansatzpunkte, etwa in der Bundesregierung, um die vielen Schlupflöcher zu schließen, wenn ein Raser erwischt worden sei. Auf Nachfrage eines Anwohners betonte Oberrat Jacobi, dass das Filmen einer Rennstrecke aus Persönlichkeitsrechten nicht erlaubt sei.

EURE FAVORITEN